2012/10/05

Marstrand, der Freihafen des 18. Jahrhunderts

Auch wenn die Felsgruben in Marstrand, ein Sonntagsziel der Bewohner Göteborgs, davon zeugen, dass die Insel als solches von der Eiszeit geschaffen wurde, dort zahlreichen Zeichen zu finden sind, die belegen, dass während der Steinzeit die ersten Menschen die Insel betraten und ein Opferstein auf den höheren Stellen von einer vorchristlichen Vergangenheit erzählt, so gehen die ältesten Berichte über Marstrand nur bis zum 12. Jahrhundert zurück, als dort ein Kloster der Franziskaner gegründet wurde, von dem allerdings keine Spuren mehr erhalten sind. Die Geschichte Marstrands sollte allerdings dennoch mehrere Jahrhunderte eine Sonderrolle in der schwedischen Geschichte einnehmen.

Vermutlich war Marstrand bereits lange von Händlern und Fischern bewohnt bevor die Insel durch die Besetzung des norwegischen Königs Håkan Håkonsson im 13. Jahrhundert einen offiziellen Status bekam und sich eine Art norwegische Handelskolonie dort entwickelte. Noch im gleichen Jahrhundert verschwand die Holzkirche des Klosters und man begann die heutige Marstrand Kirche zu bauen, deren ältesten Teile bis zum Jahr 1270 zurückreichen, auch wenn sie das gegenwärtige Aussehen erst Ende des 17. Jahrhundert erhielt und zu Beginn des 19. Jahrhunderts nochmals Änderungen erfuhr.

Festung Carlsten auf Marstrand

Eine Besonderheit Marstrands war, dass die Insel im Jahre 1775 zum Freihafen ernannt wurde, da dies bedeutete, dass dort Religionsfreiheit herrschte, das Einwandern möglich war, keine Gilde existierte und selbst Verbrecher unangetastet blieben, unter der Voraussetzung, dass sie ihre Taten den Behörden meldeten. In dieser Zeit besiedelte sich Marstrand vor allem mit Juden, die um jene Zeit noch in ganz Schweden verfolgt wurden. So entstand auch die erste Synagoge Schwedens auf Marstrand.

Wann Marstrand, das aus einer größeren bewohnten Insel und einem mit dem Festland verbundenen Vorsprung besteht, seine ersten Stadtprivilegien bekam, ist unbekannt. Die ältesten überlieferten Stadtrechte wurden jedoch 1442 ausgestellt und sollten 1971 damit enden, dass Marstrand Teil der Gemeinde Kungälv wurde.

Der bedeutendste Anziehungspunkt Marstrands ist die Carlstens Fästning (Festung Carlsten), die die Insel von allen Seiten dominiert, ihren Vorläufer mit dem Frieden von Roskilde im Jahre 1658 bekam und nicht nur ein touristischer Magnet ist, sondern auch über eine sehr interessante Geschichte verfügt.

Wer heute mit der Fähre auf die Marstrandsön kommt, kann sich, auf Grund der typischen Holzhäuser, zwar einen Fischerort vorstellen, aber kaum die Stadt, die Marstrand Ende des 18. Jahrhunderts war, als hier etwa 1500 Personen lebten und ihren Tätigkeiten nachgingen. Allerdings währte diese Epoche nur kurz, denn schon einige Jahrzehnte später war  Marstrand die kleinste Stadt im Bohuslän geworden.

Wer Marstrand besucht, sollte allerdings nicht nur die Carlstens Fästning besuchen, sondern auch einen Spaziergang rund um die Insel machen, da man hier an den Aushöhlungen der Eiszeit vorbeikommt, die alten Schmugglergrotten entdecken kann, am Teich der seltenen Seerosen vorbeikommt, durch die Felsenformation „Nadelöhr“ klettert und auch einen kleinen Abstecher zum Skallens Fyr, dem Leuchtturm der Insel machen kann, von wo aus man das aktive Seeleben vor Marstrand bewundern kann, die Stelle, wo sich Kattegat und Skagerrak treffen.

Marstrand gehört mit zu den ersten Badeorten Schwedens und wurde unter König Oscar II. zur Sommerhauptstadt Schwedens, da der König zwischen 1887 und 1907 seinen Urlaub jedes Jahr auf Marstrand verbrachte und damit auch eine sehr große Menge an Touristen anzog. Heute sind nur noch wenige Zeichen dieser Glanzepoche vorhanden, auch wenn die Insel später mit seinem nach Geschlechtern getrennten Nacktbadestrand wieder einen gewissen Ruf erlangte, obwohl viele Inselbewohner den FKK-Strand mehr als Sündenbabel ansahen als als eine Besonderheit der Insel.

Marstrand ist aber auch wegen seinen Segelregatten wie Marstrandsregattan oder Match Cup Sweden bekannt, die hier ihren Ausgangspunkt haben, sowie für den Gasthafen und die Ausflüge, die man mit Meereskajaks unternehmen kann.

Copyright: Herbert Kårlin

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