2012/10/01

Arboga, die mittelalterliche Stadt des Bieres

Obwohl die Vorburg (Fornborg) Halvardsborg bei Arboga, deren Reste heute noch zu sehen sind, bereits zwischen 400 und 550 nach Christus entstanden ist, weiß man sehr wenig über die Geschichte der Stadt bis zum 13. Jahrhundert, auch wenn es mehrere Hinweise gibt, dass der Ort als solches bereits um das Jahr 900 existierte, zumal man Reste von zwei sehr frühen Kirchen fand und auch die ältesten Teile des Sankt Nicolai Kirche noch bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen.

Der erste schriftlich genannte Bewohner Arbogas ist ein deutschstämmiger Kaufmann mit dem Namen Gelbricht, was bedeutet, dass um diese Zeit bereits Handel in Arboga betrieben wurde, es sich also vermutlich um ein Köping handelt. Da das älteste bekannte Stadtsiegel von 1330 stammt, so war Arboga vermutlich bereits um diese Zeit in gewisser Weise eine Stadt, obwohl die ältesten bekannten Stadtprivilegien erst 1480 ausgestellt wurden.

Die Altstadt in Arboga

Als es dann im Jahre 1435 in Arboga zum ersten Reichstagstreffen in Schweden kam, hatte die Stadt vermutlich ihren Höhepunkt erreicht, was rund hundert Jahres später auch dazu führte, dass auch ein Gewehrfabrik in Arboga errichtet wurde. Mit dem Bau des Hjälmare Kanal Mitte des 17. Jahrhunderts und den Gründungen von Nora und Lindesberg verlor die Stadt dann allerdings mehr und mehr an Bedeutung.

Wer nach Arboga kommt und als erstes die Västerlånggatan entlang geht, die Straße mit den ältesten Gebäuden der Stadt, fühlt sich direkt in das Mittelalter zurückversetzt, auch wenn die auf der engen Straße geparkten Autos einen Teil des Charmes nehmen.

Auf Jädersholm, wo man heute den Herrschaftshof Jädersbruk aus dem Jahre 1883 findet, errichtete Gustav Vasa 1551 eine Waffenfabrik, die sich dann im 17. Jahrhundert in eine allgemeine Schmiede verwandelte, die allerdings nur für den Königshof produzierte. Das heutige Gebäude wird seit einigen Jahren restauriert und beherbergt nun ein Restaurant.

In Arboga findet man heute vier Museen, wobei drei davon vom Heimatverein der Stadt unterhalten werden. Das Arboga Museum zeigt die typische Wohnung eines Großhändlers der Stadt aus dem 17. Jahrhundert und lädt regelmäßig zu temporären Ausstellungen ein, das Gamla Museet ist der Geschichte Arbogas gewidmet, das Brauereimuseum ist Schwedens älteste erhaltene Holzbrauerei, wo man nicht nur alles über die frühe Herbststellung von Bier erfahren kann, sondern auch die Geschichte der Brauerei an Händen von zahlreichen Dokumenten findet. Bier wurde in Arboga bereits im 13. Jahrhundert gebraut, wobei dieses Bier mit seinen 10,2 Prozent noch heute mit zu den alkoholhaltigsten Bieren Schwedens gehört. Das vierte Museum ist schließlich das Robotermuseum, das die Geschichte der schwedischen Roboterentwicklung seit 1940 erzählt, wobei man in diesem Zusammenhang nicht vergessen darf, dass auch die Roboter für die Jas 39 Gripen in Arboga entwickelt wurden.

Unter den Kirchen in Arboga sind die Heliga Trefaldighets Kyrka interessant, die von Franziskanermönchen im Jahre 1256 begonnen wurde und, außer dem Turm, ihr Aussehen bereits im 15. Jahrhundert erhielt. Und die Sankt Nicolai Kirche, deren ältesten Element bis ins 12. Jahrhundert zurückgehen und einen Altarschrank aus Lübeck besitzt, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts in die Kirche kam.

Arboga war über den Hjälmare Kanal, dessen Vorläufer bereits 1639 gebaut wurde, bis zu den 70er Jahren eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Örebro und Arboga und wird heute vor allem von privaten Booten befahren auf denen man den ältesten Kanal Schwedens erleben kann und am Hjälmardocka, etwa zehn Kilometer von Arboga entfernt, im Besuchszentrum des Kanals die Geschichte des Hjälmare Kanals erfahren kann.

Außer der 540 Meter langen Mauer der ehemaligen Halvardsborg, die am Tjurlångensjö etwas außerhalb von Arboga liegt, findet man bei Lunger auch noch ein Grabfeld aus der Eisenzeit mit 17 historischen Fundstücken, darunter den Kung Sigges Sten, einen Runenstein, der etwa gegen das Jahr 1000 geschlagen wurde.

Dass sich Arboga wegen seiner geografischen Lage zu jeder Art von Ausflügen in die Natur des Västmanlands eignet, versteht sich von selbst, wobei man in der Umgebung Arbogas auch jede Art von sportlicher Aktivität, vor allem zu Wasser und im nahen Naturreservat unternehmen kann.

Ein besonderes Ereignis sind die Medeltidsdagar in Arboga, die im nächsten Jahr am 7. August beginnen, da dann fünf Tage lang das Mittelalter mit Ritterspielen, Gauklern und einem mittelalterlichen Markt in Arboga einzieht, ein Erlebnis, das man bei einem Besuch in Schweden nicht missen sollte.

Copyright: Herbert Kårlin

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