2012/10/03

Kristianstad, die Stadt im Wasserreich

Obwohl die Geschichte von Kristianstad nur  bis zum Kalmarkrieg zurückreicht und es sich daher um eine sehr junge Stadt Schwedens handelt, so bietet sie zwei Besonderheiten, die sie gewissermaßen einmalig machen. Zum einen erinnert die Stadt in ihrem Siegel und ihrem Wappen an den dänischen Herrscher Kristian IV., was wohl keine andere Stadt weltweit bieten kann, da man in der Regel das eigene Land hervorheben will und zum anderen liegt der tiefste Punkt Kristianstads 2,41 Meter unter dem Meeresniveau. Dies ist auch der Grund, warum man in Kristianstad Dämme findet und Pumpen ständig dafür sorgen müssen, dass die ganze Stadt trocken bleibt.

Wer Kristianstad von der Luft aus betrachtet, sieht sehr deutlich wo die ursprüngliche Stadt aus dem 17. Jahrhundert liegt, denn der Ort war von Grund auf als Festung gedacht, die von einem Wallgraben, Wällen und Bastionen geschützt sein sollte. Heute kann man sich die Art der Befestigung am besten an der Bastionen Konungen ansehen, eine der ursprünglich zehn Bastionen, die die Stadt schützen sollten, auch wenn es sich bei der Bastionen Konungen nur um eine Rekonstruktion handelt, die den Karten Kristianstads vom Ende des 18. Jahrhunderts entsprechen.

Das Stora Kronohuset von 1841 in Kristianstad

Im Regionmuseet in Kristianstad kann man, außer temporären Ausstellungen und der Entwicklung Skånes von der Steinzeit bis heute vor allem die 400-jährige Geschichte der Stadt im Wasserreich entdecken und erfährt auch so manches von den Plänen verschiedener Stadtplanern, die nie realisiert wurden.

Nachdem in Kristianstad im Jahre 1909 der erste Spielfilm auf schwedischem Raum gedreht wurde, ist es nicht erstaunlich, dass man hier auch ein Filmmuseum findet, das nicht nur die Geschichte des schwedischen Films und Kinos in Wort, Bild und Ton präsentiert, sondern auch einen Raum hat, der den Filmproduktionen in Skåne gewidmet ist. Wenn man die Requisiten und die Geräte betrachtet, die man 1909 benötigte um Filme zu drehen, so gewinnt man eine völlig neue Einstellung zum heutigen Filmgeschäft.

Die Kunsthalle in Kristianstad dient nicht nur Ausstellungen von Gegenwartskunst aus der ganzen Welt, sondern hat sich seit seiner Gründung im Jahre 2001 zu einem Forum entwickelt in dem man auch über Kunst spricht und Vorträgen lauscht. Der Eintritt zur Kunsthalle ist grundsätzlich kostenlos.

Für jene, die sich weder für Kunst, noch für Geschichte interessieren, bietet Kristianstad zwei weitere Museen, nämlich das Artillerimuseet, das erst 2008 gegründet wurde, nachdem die Verteidigung die Garnison verlagert hatte. In diesem Museum kann man die militärische Geschichte von der Gründung der Stadt bis heute verfolgen, wobei die Schwerpunkte natürlich im 20. Jahrhundert und der Zeit des Kalten Krieges liegen. Und schließlich gib es noch das Eisenbahnmuseum, das nicht nur die Eisenbahnkultur und die Entwicklung der Eisenbahn in Schweden zeigt, sondern im Sommer auch Ausflüge mit historischen Zügen organisiert und zu temporären Ausstellungen einlädt.

Naturliebhaber werden sich allerdings im Naturum Vattenriket, dem Wasserreich Kristianstads am wohlsten fühlen, das sich nahezu an der Stadt selbst befindet und die Ursache dafür war, dass man Kristianstad gegen Hochwasser schützen musste und diese Vorkehrungen weiterhin ausbaut, da es immer wieder Hochwasser gelingt Teile der Stadt zu erobern. Im Naturum kann man mit dem Besuch der Ausstellungen beginnen und Informationen sammeln um anschließend das Feuchtgebiet mit seiner reichen Tier- und Pflanzenwelt zu Fuß zu erkunden.

Rund zehn Kilometer von Kristianstad entfernt und zwei Kilometer außerhalb des Ortes Ovesholm findet man das Schloss Ovesholm, das allerdings seit dem 16. Jahrhundert in der gleichen Familie blieb und nicht besichtigt werden kann und über eine außerordentliche Kunstsammlung und ebenso berühmte Bibliothek verfügt. Der Park im englischen Stil ist für die Allgemeinheit offen, wobei dort auch seit einigen Jahren ein Weihnachtsmarkt stattfindet und im Sommer Konzerte organisiert werden.

Copyright: Herbert Kårlin

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