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2012/10/26

Skövde, die unerwünschte Stadt Schwedens

Die Geschichte Skövdes beginnt im Grunde mit der Legende der Heiligen Elin (Helena), obwohl der Ort mit Sicherheit schon vor dem 12. Jahrhundert existierte und die Legende mehr von katholischen Mönchen verbreitet wurde, die damit dem Ort eine besondere Bedeutung gaben als auf Tatsachen aufbaute. Allerdings führte diese Legende auch dazu, dass man noch heute im Stadtwappen eines protestantischen Landes eine katholische Heilige findet, die zudem die Schutzpatronin Skövdes ist.

Skövde hatte seine Glanzzeit zwischen dem 12. Jahrhundert und dem Beginn des 16. Jahrhunderts. Während der Reformation unter Gustav Vasa wollte man jedoch so bedeutende katholische Hochburgen wie Skövde, das zudem täglich von Pilgern besucht wurde, am liebsten ausradieren, beließ es dann jedoch dabei die Stadt nur zu plündern und sie so unattraktiv wie möglich zu machen.

Der Helensparken in Skövde mit den ältesten Häusern der Stadt

Gustav Vasa hatte dieses Ziel in gewisser Weise auch erreicht, denn zu Beginn des 17. Jahrhunderts war Skövde zu einer der kleinsten Städte der Region geschrumpft, wobei man im Jahre 1700 gerade noch 154 Einwohner zählte. Langsam ging es jedoch wieder aufwärts mit der Stadt, bis dann im Jahre 1759 ein Großbrand nahezu ganz Skövde zerstörte. Dieser Brand ist auch die Ursache, warum man nur noch im Helénsparken ein Gebäude finden kann, das weiter in die Vergangenheit der Stadt zurückreichen als bis zu diesem Großbrand.

Aber nicht nur der Großbrand zerstörte historische Bauten, denn Mitte des 20. Jahrhunderts wollte man Skövde zu einer modernen aufstrebenden Stadt machen und eine Vielzahl an Häusern, die kurz nach dem Brand entstanden waren, mussten nun den anonymen Bauten der 60er und 70er Jahre weichen oder wurden lediglich abgerissen und in Parkplätze verwandelt.

Wer einen Blick in das frühere Skövde sucht, muss den Helénsparken besuchen, eine Parkanlage, die auch für die Mittsommerfeiern und die Feiern am Nationaltag verwendet wird. Hier findet man eine Art Museumsdorf mit älteren Holzhäusern und die sogenannte Helénstugan, das einzige Gebäude des Ortes, das noch vor dem Brand im Jahre 1759 gebaut wurde.

Bei einem Besuch im Stadtmuseum von Skövde kann man dann einen tieferen Blick in die Entwicklungsgeschichte des Ortes werfen und taucht mit Hilfe von hunderten von Ausstellungsgegenständen in ein längst vergessenes Schweden, auch wenn sich das Museum auf die Geschichte der Stadt spezialisiert hat.

Im Kulturhaus in Skövde sind das Kunstmuseum und die Kunsthalle der Stadt untergebracht, wobei sich das Kunstmuseum auf schwedische Künstler des 20. Jahrhunderts spezialisiert hat und in der Kunsthalle an Hand von wechselnden Ausstellung Gegenwartskunst präsentiert wird.

Skövde ist in Schweden dafür bekannt, dass es, gerechnet an Einwohnern, den Rekord an Museen hat. Dies erklärt auch, warum man in einer Stadt mit knapp 35.000 Einwohnern auch noch ein Garnisonsmuseum, ein Sportmuseum, ein Museum der Modelleisenbahnen und ein Volvo-Museum findet, das die Geschichte von der Skövde-Giesserei bis zum Bau von Volvo-Fahrzeugen darstellt.

Auch wenn die Heilige Elin für Skövde eine wichtige Rolle spielt, so ist heute die Kapelle nicht mehr zu finden und die Quelle macht einen sehr modernen Eindruck. Und selbst von der Sankta Helena Kyrka, die vermutlich im 12. Jahrhundert an der Stelle der heutigen Kirche zu finden war, sind nur noch Fragmente vorhanden, da sowohl die Überfalle der Dänen als auch verschiedene Brände die Kirche immer wieder zerstörten. Die heutige Kirche wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts gebaut und ist eine Mischung aus den verschiedensten Stilen.

In der Umgebung Skövdes findet man mehrere Naturschutzgebiete mit einer Vegetation, die bereits Carl von Linné im Jahre 1746 auf seiner Västgötaresa bewunderte und bis ins Detail beschrieb. Als der Botaniker dann in die Stadt Skövde selbst kam, wäre er vermutlich gerne zurück in die Natur gekehrt, denn er konnte an der damals sehr kleinen Stadt, die wohl mehr einem Dorf glich, kaum ein positives Wort widmen.

Wie sehr viele Orte in Schweden, so gibt es auch in Skövde ein Festival, das man bei einem seiner Besuche in Schweden erleben sollte, denn es handelt sich um ein Essensfestival (Matfestivalen), das jeweils am letzten Wochenende im August stattfindet und damit endet, dass von den Besuchern das beste Gericht des Jahres gewählt wird.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/10/24

Jönköping, die schwedische Stadt der Streichhölzer

Jönköping war auf Grund seiner Lage vermutlich bereits seit der Steinzeit besiedelt, aber da die heutige Stadt über den vorhergehenden Ansiedlungen entstand, sind aus allen früheren Epochen nur Einzelfunde bekannt. Der Rest ist vermutlich unter dem Sandgrund der Stadt für immer begraben. Aller Wahrscheinlichkeit nach erhielt Jönköping seine Stadtrechte von Magnus Ladulås am 18. Mai 1248, wobei es sich dabei um die ersten schwedischen Stadtprivilegien handelt, die in Latein ausgestellt wurden.

Dass Jönköping sich sehr früh zu einer Stadt entwickelte, hatte mehrere Gründe, denn zum einen kreuzten sich hier mehrere Handelswege, so dass es logisch war diese Stelle auch zu einem Handelort zu machen. Zum anderen war hier die südlichste Stelle der Eriksgatan, also des mittelalterlichen Königspfads, den jeder neu gewählte König nehmen musste. Hinzu kommt die ideale Lage am Vättern und die Landwirtschaft, die dafür sorgen konnte, dass die Grubenarbeiter in Bergslagen von hier auch mit Nahrung versorgt werden konnten. Und schliesslich handelte es sich bei Jönköping auch noch um die letzte größere Bastion gegen Dänemark, das vis zum Frieden von Roskilde sen südlichsten Teil Schwedens besaß.

Blick auf Jönköping

Das heutige Jönköping entstand durch die Eingemeindung der umliegenden Orte, unter anderem von Huskvarna, und ist durch den Munksjön in zwei Teile geteilt, die über sechs Brücken miteinander verbunden sind. Auch wenn die Stadt Jönköping sehr früh entstand, so hat sie, allein wegen der zahlreichen Brände und Kämpfe, die hier zwischen Dänemark und Schweden gekämpft wurden, keinen mittelalterlichen Charakter behalten, sondern gehört zu den modernen schwedischen Städten mit einigen wenigen Gebäuden, die noch aus dem 17. Jahrhundert erhalten sind.

Das Jönköpings Läns Museum ist eine Fundgrube für alle, die mehr über die Geschichte Jönköpings, einer Residenzstadt im Småland, erfahren möchten, da sich die Sammlungen von Archäologie bis zu industriellen Gegenständen erstrecken, wobei man in der Kunstabteilung vor allem schwedische Kunst der letzten 200 Jahre finden kann. Nach gegenwärtigen Renovierungsarbeiten öffnet das Museum erst im Frühjahr 2013 wieder.

Ein weltweit einzigartiges Museum ist das Tändsticksmuseet (Streichholzmuseum) der Stadt, das die Geschichte der Streichhölzer und deren Herstellung unter den verschiedensten Aspekten schildert. Das Museum ist in einer früheren Streichholzfabrik des 19. Jahrhunderts eingerichtet und noch ein Zeuge der Glanzzeit der Streichholzindustrie in Jönköping, denn zeitweise waren hier fünf Streichholzfabriken gleichzeitig voll ausgelastet.

In einem der ältesten Häuser Jönköpings findet man das Viktor Rydbergsmuseet, das allerdings nicht nur dem bekannten Skalden Viktor Rydberg gewidmet ist, sondern auch der Geschichte des Stadt, allerdings begrenzt auf die Epoche als der große schwedische Dichter in Jönköping wirkte.

Technikinteressierte Besucher sollten in Jönköping an das größte Radiomuseum Schwedens denken, das etwa 1000 der vorhandenen 3200 Sammelstücke aus der rund 100.-jährigen Geschichte von Radiogeräten, Phonogrammen, ersten Aufzeichnungsgeräten und selbst historischen Messgeräten zur Radiotechnik präsentiert.

Der 430.000 Quadratmeter große Stadtpark in Jönköping bietet nicht nur Wanderwege und Sportmöglichkeiten, sondern hat auch ein kleines Museumsdorf, dessen ältesten Gebäude aus dem 17. Jahrhundert kommen und im Sommer zu besichtigen sind, sondern  hier liegt auch das Vogelmuseum mit seinen 1458 ausgestopften Vögeln und einer Sammlung von 2580 Eiern von 281 verschiedenen Vogelarten, eine einmalige Chance die Vogelwelt des Nordens zu entdecken.

Ein besondere Sehenswürdigkeit Jönköpings ist auch der Vattenledningsparken, das erste Wasserwerk Jönköpings, das allerdings bereits seit 1958 außer Betrieb ist, aber in restauriertem Zustand nun ein Stück Industriegeschichte des 19. Jahrhunderts bietet. Zudem findet man hier drei Springbrunnen aus dem Jahre 1865, die durch Eigendruck funktionieren.

Die Sofiakirche in Jönköping ist relativ jung und wurde erst 1888 fertiggestellt und dominiert mit ihrem neugotischen Stil das Stadtbild. Das Glanzstück der Kirche, die nach Königin Sofia benannt wurde, ist das Gemälde „Måltiden i Emmaus“, das in Rom erworben wurde und aus dem 17. Jahrhundert stammt.

Wer in und um Jönköping nach Natur sucht, findet vor allem zwei interessante Stellen. Zum einen das Naturschutzgebiet Bondberget, das Jönköping von Huskvarna trennt und eine herrliche Aussicht über den Vättern bietet und etwa zehn Kilometer westlich von Jönköping findet man mit dem Dumme Mosse die letzte Wildnis Südschwedens mit einer erstaunlichen reichen Tier- und Pflanzenwelt.

Wer den Vättern nicht mit einem Kanu oder Kajak entdecken will, dem bietet sich in Jönköping auch die Möglichkeit einen Ausflug mit der M/S Nya Skärgården aus dem Jahre 1915 zu machen
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Copyright: Herbert Kårlin

2012/10/23

Visby, die mittelalterliche Stadt Schwedens

Visby, die größte Stadt Gotlands und ein UNESCO Weltkulturerbe, ist die Stadt Schwedens, in der man das Mittelalter am deutlichsten spüren kann, nicht zuletzt auch wegen der 3,4 Kilometer langen Stadtmauer, die heute noch ein Symbol Visbys ist. Geschichtlich gesehen war Visby ein alter Kultplatz auf dem sich langsam eine Stadt entwickelte. Die ältesten Funde gehen hier bis etwa 700 nach Christus zurück,  was einerseits bedeutet, dass Visby nicht die älteste Ansiedlung auf Gotland war, andererseits aber auch die Aussage zulässt, dass sie mit dem steigenden Handel ab der Zeit der Wikinger eine immer größere Bedeutung auf der Insel erlangte.

In Visby entstand vermutlich gegen Mitte des 11. Jahrhunderts die erste Kirche auf Gotland, die auf einem vorchristlichen Opferplatz erbaut wurde um die Macht des neuen Gottes zu demonstrieren. Gleichzeitig stellte diese Kirche jedoch auch eine gewisse neutrale Zone für alle Kaufleute dar, die um diese Zeit in Visby Halt machten. Bereits lange Zeit bevor die Hanse einen Einfluss in Visby gewann, hatte der Ort bereits nachweislich Handelsverträge mit Schweden, mit Dänemark und mit Russland.

In diesem Rahmen muss man auch sehen, dass Gotland erst sehr spät Teil des schwedischen Reiches wurde, sondern sehr lange eine gewisse Selbständigkeit bewahrte, die sich an eigenen Gesetzen, den Gutalagen, ausdrückte, aber auch an einer eigenen Sprache, die sich erheblich vom Urschwedischen unterschied. Auch die Vorgeschichte Gotlands weicht in vielen Punkten von der schwedischen Geschichte ab.

Auch wenn man bei der Ankunft in Visby unmittelbar in die mittelalterliche Atmosphäre der Altstadt mit der Ringmauer eintauchen möchte, so ist es sinnvoll, sich zuerst ein wenig mit der Entwicklung und der Geschichte Visbys auseinanderzusetzen und einen Besuch im Gotlands Museum zu planen, da  man nach dem Besuch der verschiedenen Ausstellung weitaus mehr von Gotland verstehen wird als bei einem unmittelbaren Besuch der historischen Sehenswürdigkeiten.

Wenn man dann während der kulturellen Wanderung durch Visby unruhige Kinder bei sich hat, so bietet sich ein Abstecher in das Science Center Gotland, denn hier wurde nicht nur die Geschichte des Wissens zusammengetragen, sondern Kinder können hier auch spielerisch zahlreiche Experimente anschaulich nachvollziehen.

Wer sich mehr für die Verteidigung Schwedens und insbesondere jener Gotlands interessiert, kann natürlich auch einen Blick in das FörsvarsMuseum in Visby werfen, das vor allem die letzten hundert Jahre der nordischen Verteidigung näher bringt, aber mit Themenausstellungen auch weiter in die Vergangenheit zurückgeht.

Das Kunstmuseum auf Gotland ist vor allem deswegen einzigartig in Schweden, weil hier weniger ein Schwerpunkt auf allgemeine Kunst oder auch nordische Kunst gelegt wird, sondern das Museum sich auf Künstler Gotland und Kunst, die Gotland zeigt, spezialisiert hat. Die Gemälde der gotländischen Künstler sind überwiegend aus dem 19. und dem 20. Jahrhundert.

Visby bietet für seine knapp 23.000 Einwohner ein reiches Angebot an weiteren Museen, denn nur vier Kilometer von der Stadt entfernt liegt da Museum mit Veteranenautomobile und etwas weiter entfernt stößt man auch auf eine landwirtschaftliches Museum das Eisenbahnmuseum Gotlands und zahlreiche andere Museen oder Ausstellungsräume.

Um die rund 150 mittelalterlichen Häuser Visbys zu finden, muss man nur durch die Altstadt spazieren, denn dem Scharm dieser Häuser kann man kaum entkommen, wobei man dabei natürlich daran denken sollte, dass alle Häuser hervorragend restauriert wurden und heute vermutlich sogar weitaus romantischer wirken als im Mittelalter. Und man sollte auch daran denken, dass auf Gotland auch im Mittelalter bereits weniger in Holz gebaut wurde als auf dem schwedischen Festland.

Am meisten beeindruckt in Visby die sieben Meter hohe Stadtmauer mit ihren 27 erhaltenen Türmen und den verschiedenen Toren, die alle einen eigenen Namen haben und auch eine bestimmte Funktion erfüllten. Diese Stadtmauer wurde als solches bereits 1288 fertig gestellt, fordert nun aber erneut einige dringende Reparationen.

Außer den zahlreichen Ruinen an Kirchen, die man in Visby findet, gibt es auch eine Kirche, die noch heute nahezu vollständig aus dem Mittelalter erhalten ist, denn die Domkirche Visbys, die im Jahre 1225 eingeweiht wurde, war eigentlich für deutsche Händler bestimmt, wurde aber im 16. Jahrhundert die allgemeine Kirche Visbys.

Eine etwas makabre Sehenswürdigkeit liegt etwas außerhalb der Stadt im Naturschutzgebiet Galgberget, wo man noch heute die Stelle besuchen kann an der über Jahrhunderte hinweg, und letztmals im Jahre 1845, Straftäter gehängt wurden. Die Pfeiler auf der Mauer, die ursprünglich mit Holzbalken verbunden waren, zeugen noch davon, dass so manches Mal nicht nur eine Person getötet wurde, sondern die Vorrichtung auch für mehrere Personen gleichzeitig ausgerichtet war.

Die größte Grünanlage Visbys ist natürlich der Botanische Garten, der so manchen Besucher erstaunt, da es das Klima und die geschützte Lage Gotlands erlauben auch Feigen, Magnolien und andere Gewächse so hoch im Norden zu zeigen, die man sonst weitaus näher am Mittelmeers erwartet.

Das größte Ereignis Gotlands ist das Mittelalter-Festival (Medeltidsveckan) in der ersten Hälfte im August, das nächstes Mal vom 4. bis zum 11. August 2013 zum 30. Mal ausgetragen wird und mit seinen Ritterspielen die Geschichte Gotlands und insbesondere Visbys um 600 Jahre zurückdreht.

Aber natürlich ist Visby auch ein idealer Ausgangsort um ganz Gotland zu entdecken, wobei man in vielen Fällen mehr sieht, wenn man sich ein Fahrrad mietet statt mit dem Auto auf die Suche nach historischen Sehenswürdigkeiten oder Naturschönheiten zu suchen.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/10/19

Arvika, die Kulturstadt im Värmland

In der Umgebung Arvikas beweisen die Funde einiger Steinkistengräber (hällkistor), dass sich hier bereits zur Jüngeren Steinzeit Menschen niedergelassen haben, was sich dann zur Bronzezeit erheblich verstärkte. Die Funde aus dieser Epoche sprechen sogar von einer relativ großen Bevölkerung, obwohl Arvika keinen direkten Zugang zum Meer hatte und daher nicht die gleichen Vorteile aufwies wie manch andere Teile Schwedens, die um die gleiche Zeit besiedelt wurden.

Arvika gehört zu jenen Orten, die von Norwegen aus christianisiert wurden und gehört zu jenen Orten, die auch während des gesamten Mittelalters mehr von Norwegen beeinflusst waren als von Schweden, was die alten Handelswege und auch auch der Pilgerpfad zu den Reliquien von Olav dem Heiligen nach Trondheim beweist, eine Situation, die die schwedischen Könige ab dem 17. Jahrhundert als sehr störend betrachteten, aber auch für das Värmland gewisse Zollschwierigkeiten mit sich brachte.

Fågelmannen, Marktplatz und Bahnhof in Arvika

Erst im 18. Jahrhundert war es dann soweit, dass Arvika zu einem rein schwedischen Handelsort werden sollte, was nicht zuletzt auch damit zusammenhing, dass hier bereits ein Hafen vorhanden war und die Wasserwege, auch die Flusswege, die wichtigste Voraussetzung für einen blühenden Handel waren. Der Stadtplan Arvikas kam dann 1811 von Jean Baptiste Bernadotte, dem ersten schwedischen König des Hauses Bernadotte. Bis zum Jahre 1911 war Arvika ein Köping, erhielt dann jedoch die Stadtprivilegien, die noch im gleichen Jahr mit einer großen Industriemesse gefeiert wurde.

Die industrielle Vergangenheit Arvikas wird heute am deutlichsten vom Fahrzeugmuseum ausgedrückt, denn auch heute noch werden in Arvika Volvo-Arbeitsfahrzeuge hergestellt. Im Museum findet man rund 100 Fahrzeuge, die zwischen 1923 und 1968 in Schweden hergestellt wurden, aber auch einige Pferdewagen und Mopeds, die noch im vorhergehenden Jahrhundert hergestellt wurden.

Den Kontrast dazu bildet das Museumsdorf Såguddens Museum mit seinen 20 Bauernhäusern aus dem westlichen Värmland des 18. und des 19. Jahrhunderts, wo auch die traditionellen Feste zum schwedischen Nationaltag und zu Mittsommer stattfinden. Da vor allem das Interieur der Stugor von großem Interesse ist, sollte man seinen Besuch in Arvika natürlich auf den Sommer legen, da die Gebäude im Winter nicht allgemein zugänglich sind.

Die künstlerische Seite Arvikas entdeckt man am besten im Rackstadmuseet mit dem Oppstuhage, wo ab Ende des 19. Jahrhunderts mehrere bedeutend Künstler des Värmland ihre Ateliers hatten. Heute kann man hier nicht nur eine sehr interessante Kunstausstellung entdecken, sondern auch Möbel einer vergangenen Epoche, Kunsthandwerk aus der Region und sich bei temporären Ausstellungen mehr mit schwedischer Gegenwartskunst vertraut machen.

Die Dreifaltigkeitskirche in Arvika wurde im gleichen Jahr eingeweiht als der Ort die Stadtrechte erhielt und ist eine moderne schwedische Kirche, die sowohl Elemente des Jugendstils als auch des nationalromantischen Stils Schwedens enthält und vom schwedischen Architekten und Künstler Ivar Tengbom gezeichnet wurde. Die Einrichtung der Kirche stammt ebenfalls von verschiedenen schwedischen Künstlern.

Die Mikaelikyrkan in Arvika geht zum kleineren Teil auf des 17. Jahrhundert zurück und trägt alle Zeichen der gustavianischen Epoche. Das heutige Aussehen erhielt der Bau bei den Renovierungsarbeiten ab 1780. Die ältesten Teile im Inneren der Kirche sind der Altaraufsatz von 1765 und die Kanzel von 1739.

Einer der interessantesten Ausflüge von Arvika aus sollte auf die andere Seite des Glafsfjorden führen, da dort das Bruksmuseet der ehemaligen Glashütte in Glava liegt, wo einst vor allem Gebrauchsglas hergestellt wurde. Aber in Glava liegt auch das Schiefermuseum im Hembygdsgård, das die Geschichte der Anwendung von Schiefer in Schweden erklärt und Kenneth's gårds- och hantverksmuseum mit etwa 3000 Gegenständen aus der alten Handwerkskultur, Landwirtschaft und Forstwirtschaft Värmlands, wo man auch noch eine Landschmiede aus dem 18. Jahrhundert findet, die einzige, die heute im Värmland noch erhalten ist.

Ein Erlebnis völlig anderer Natur ist natürlich ein Besuch im Glasskogens Naturreservat mit seinen 28.000 Hektar und seinen 300 Kilometern an Wanderwegen, ein Gebiet, das man auch nach zwei Wochen in der „Wildnis“ noch nicht vollständig entdeckt hat.

Wer allerdings nach dem bereits legendären Arvikafestivalen sucht, sucht vergebens, denn es wurde auf Grund eines finanziellen Fiaskos im Jahre 2011 zu Grabe getragen. Schwedische Musik wird jedoch beim jährlichen Hafenfest geboten, das das nächste Mal vom 1. bis zum 3. August 2013 stattfinden wird.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/10/15

Mariestad, die Perle am Vänern

Mariestad wird wegen seiner idealen Lage am Vänern oft als die Perle am Vänern bezeichnet und wurde im Jahre 1583 von Herzog Karl, dem späteren Karl IX. gegründet, der den Ort nach seiner Frau Maria von der Pfalz benannte, wobei selbst das Stadtwappen auf ein Erlebnis der damaligen Kronprinzessin zurückführt und einen Ochsen zeigt, der gerade aus dem Wasser steigt. Heute denkt man bei Mariestad allerdings weniger an Maria von der Pfalz, sondern mehr an das Mariestad Bier, das allerdings seit 1972 nicht mehr an seinem historischen Ort gebraut wird und nur noch den Namen der Stadt trägt.

Heute gilt Mariestad als Paradies für Segler und zieht jede Art von Wassertourismus an, was mit Sicherheit auch daran liegt, dass vor Mariestad die größte Ansammlung von Inlandschären zu finden ist, die noch Zeugen der letzten Eiszeit sind.

Blick vom Hafen auf Mariestad und die Domkirche

Mariestad, das vom steigenden Wasserniveau des Vänern bedroht ist, ist vermutlich die Stadt Schwedens, die gegenwärtig die größten Veränderungen erlebt und sich architektonisch in zwei Teile spaltet, denn während die Umgebung um die Domkirche, die Stadt der Holzhäuser, ihren Charakter vom 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts behalten hat, wird sich der Teil des Ortes, der am Ufer des Vänern liegt, zu einer der modernsten Städte Schwedens verwandeln, die mit einer Mauer gegen die steigenden Wasser des Sees geschützt wird.

Auch wenn die Altstadt noch einige, mittlerweile restaurierte Häuser, aus dem 18. Jahrhundert besitzt und die Straße das ursprüngliche Kopfsteinpflaster erhalten hat, so wirken die dort parkenden Autos wie Eindringlinge in einem historischen Raum.

Die Domkirche in Mariestad spielt in zwei Hinsichten eine besondere Rolle in Schweden, denn zum einen gehört sie zu den sehr wenigen Kirchen, die im 16. Jahrhundert gebaut wurden, wobei sie diesen Aspekt voll behalten hat, und zum anderen trägt sie, neben der Domkirche in Kalmar, den Titel einer Kathedrale ohne jedoch ein Bischofssitz zu sein. Mit einem königlichen Schreiben vom 9. Januar 1696 sollte die Kirche in Mariestad den Titel Domkirche sogar ablegen, was bis heute nicht geschah.

Neben zahlreichen Kunstgalerien findet man in Mariestad das Vadsbo Museum, das vor allem die industrielle Entwicklung der Stadt während der letzten 300 Jahre zeigt, aber auch temporäre Ausstellung bietet und einen Raum der aktuellen Kunst Schwedens widmet.

Das Theater in Mariestad gehört mit zu den ältesten Landsortsteatrar Schwedens, das nach alter Tradition auch noch lokale Stücke präsentiert, darunter die Neujahrsrevue mit dem Segelklub von Mariestad. Das Theater, das am 4. Januar 1843 eingeweiht wurde, erinnert noch an die reisenden Theatergesellschaften des letzten und vorletzten Jahrhunderts und steht mittlerweile unter Denkmalschutz.

In der Nähe des Västerängs Koloniegebietes am Rande Mariestads findet man die ältesten Zeichen der Besiedlung der Umgebung, nämlich ein Grabfeld und einen Runenstein aus der Eisenzeit Schwedens. Das Koloniegebiet ist heute eines der wichtigsten Ausflugsziele der Stadt, auch wenn es die Schären von der Anzahl der Besucher nicht schlagen kann.

Außerhalb von Mariestad findet man mehrere Naturschutzgebiete, die man am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkundet. Besonders empfehlenswert sind dabei das Brömmö Naturreservat und das Logården Naturreservat, wobei man bei den Dünen von Brommö auch einen herrlichen Badestrand findet. Logården ist vor allem als Vogelparadies bekannt und für seine deutlichen Spuren der Wasserniveaus, die noch deutliche Zeugen der Landhebung Schwedens sind.

Nur mit eigenem Boot oder per Taxiboot ist der Djurö Nationalpark mit seinen 35 Inseln und einer Größe von 2400 Hektar zu erreichen. Der Besucher wird jedoch mit einer einzigartigen Natur belohnt in der sich Pflanzen und Tiere seit dem 16. Jahrhundert frei entfalten konnten, da diese Inseln nur extrem dünn besiedelt waren und damit sehr seltene Gewächse erhalten blieben.

Wer nach einem besonderen Ausflugsziel in der Umgebung Mariestads sucht, sollte zum Lugnåsberget aufbrechen, wo man eine der dortigen 55 Steinbrüche für Mahlsteine besuchen kann, die im 12. Jahrhundert geöffnet und 1919 endgültig geschlossen wurde. Es handelt sich hier um einen der wenigen Steinbrüche dieser Art, die man irgendwo auf der Welt auch besuchen kann. Das kleine Museum erzählt zusätzlich die Geschichte dieser sehr staubigen Arbeit, die vielen das Leben kostete.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/10/12

Varberg, das Paradies für Surfer und Kurgäste

Wann sich die ersten Menschen in Varberg ansiedelten, ist heute nicht mehr festzustellen, denn das Getsjö von dem Saxo Grammaticus in Zusammenhang mit der Schlacht bei Nissan im Jahre 1062 schreibt, konnte bisher nicht gefunden werden. Allerdings ist dies auch nicht sehr verwunderlich, da Varberg, das noch im 14. Jahrhundert als Getakärr bezeichnet wurde, mehrmals verlagert wurde und seinen heutigen Platz erst im 17. Jahrhundert fand.

Die Entwicklung Varbergs ging, auf Grund der geografischen Lage, sehr langsam voran, denn die Stadt wurde während des nordischen Siebenjährigen Kriegs zerstört, dann während des Kalmarkrieges und letztendlich brannte Varberg im Jahre 1666 auch noch ab. Erst danach konnte sich, an einer neuen Stelle, der Ort langsam entwickeln, obwohl ein neuer Großbrand im Jahre 1767 wieder einen Rückschlag verursachte. Erst mit der Ankunft der Eisenbahnlinie im Jahre 1880 konnte dann auch Varberg von der Industrialisierung Schwedens profitieren.

Die Festung in Varberg

Varberg ist heute eine relativ moderne Stadt, die mit dem schwedischen Bauboom von den 50er bis zu den 70er Jahren jeden mittelalterlichen Charakter verloren hat, wenn man von der Festung absieht. Heute ist Varberg einer der besten und der größten Kurorte Schwedens, ist zehn Monate des Jahres ein Paradies für Surfer, die Wind und Wasser suchen und wird damit bedeutend vom Tourismus beeinflusst, aber auch vom nahen Kernkraftwerk Ringhals, wo rund 1200 Personen ihren Arbeitsplatz haben.

Wer heute Varberg besucht und sich weder für den Kurort interessiert, noch aber ein Surfbrett besitzt, wird mit Sicherheit der Festung Varberg aus dem Jahre 1287 einen Besuch abstatten, die im 17. Jahrhundert als die modernste Verteidigungsanlage Nordeuropas galt, aber nach den letzten Umbauten nie in eine kriegerische Handlung verstrickt war, da sie mit dem Frieden in Brömsebro im Jahre 1645 an Schweden fiel und dadurch die Grenzsituation verschwand.

Das beeindruckendste Gebäude Varbergs ist jedoch das auf Holzpfeilern errichtete Kaltbadhaus am Kattegatt mit nach Geschlechtern getrennten Nacktbadeanlagen und den typischen schwedischen Saunas (bastu). Direkt entlang des Gebäudes, das in den 90er Jahren vollständig renoviert wurde, führt auch die Strandpromenade, die auch zur Festung führt.

In der Festung selbst findet man auch das kulturhistorische Museum Hallands, das die Geschichte der gesamten Region Halland erzählt und selbst den Knopf ausstellt, der angeblich Karl XII. im Jahre 1718 tötete, aber auch den Bockstensmannen, ein Skelett aus dem 14. Jahrhundert, an dem noch Haare und Kleidung erhalten sind.

Einen Blick in das 18. Jahrhundert erlaubt die Bolastugan, der einzige Bauernhof Schwedens in dem die gesamte Einrichtung vom Ende des 18. Jahrhunderts erhalten wurde. Auch die sogenannten Bonadsmålningar, gewebte Bilder mit überwiegend biblischen Motiven, sind vollständig erhalten und können bei einem Besuch aus aller Nähe betrachtet werden.

Die Kirche Varbergs in gustavianischen Stil stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist daher relativ jung, was jedoch darauf zurückzuführen ist, dass die vorherige Kirche einem Großbrand zum Opfer fiel. Die neoklassischen Dekorationen im Inneren des Gebäudes fielen leider den Renovierungsarbeiten im 20. Jahrhundert zum Opfer. Auch andere Teile der Kirche wurden noch im 19.  und 20. Jahrhundert umgebaut.

Ausflugsziele, die man von Varberg aus nicht missen sollte, ist das Weltkulturerbe Grimeton, eine Radiostation aus dem Jahre 1924, die noch heute voll funktionsfähig ist, allerdings nur während des Sommers besucht werden kann. Auch wenn Grimeton heute technisch überholt ist, so wird die Anlage mindestens dreimal im Jahr für Sendungen eingesetzt. Besonders beeindruckend ist dabei, dass die Mehrheit der großen Geräte, die man dort findet, heute in einem Handy Platz haben.

Der zweite Ort, den man besuchen sollte sind die sprechenden Steine von Bexells, die man bei Torstorp finden kann. Alfred Bexell schlug Ende des 19. Jahrhunderts 160 Sätze in Fels um seine Lebensphilosophie auch den zukünftigen Generationen mitzuteilen. Zusätzlich zu den Lehrsätzen findet man eine Sammlung von 560 Namen von bedeutenden Persönlichkeiten.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/10/11

Mellerud und das Weihnachtsmannmuseum

Mellerud wird heute oft nur bei der Durchfahrt kurz wahrgenommen, wenn man entlang der Westküste des Vänern nach Åmål oder Karlstad will, wobei die Bevölkerungsmenge vor allem im Sommer bedeutend ist, weil sich dort während der warmen Monate immer mehr deutsche, holländische und norwegische Einwanderer nieder lassen. Dabei war die Umgebung um Mellerud bereits während der Jungsteinzeit bewohnt wie zahlreiche Funde belegen.

Geschichtlich bedeutende wurde im Jahre 1304 die Burg Dalaborg, die sich etwa zehn Kilometer südöstlich von Mellerud befindet, aber leider nur eine kurze Geschichte hatte, da sie bereits 1434 beim Aufruhr Engelbrechts abgebrannt wurde. Reste der Befestigungen kann man heute noch betrachten. Karl IX. wollte 1609 an der Stelle der Burg eine Stadt errichten, die Mellerud ersetzen sollte, was jedoch nie in die Tat umgesetzt wurde, so dass der kleine Ort Mellerud, der etwas weiter im Landesinneren lag, sich zur größten Ansiedlung der Umgebung entwickeln konnte.

Ab 1650 hatte Mellerud eine Größe erreicht, dass dort das erste Gerichtsgbäude (Tingshus) eingeweiht wurde. Dennoch dauerte es dann noch bis 1908 bis Mellerud als Köping auch die Marktrechte erhielt und bis 1969, dass der Ort ein stadtähnliches Statut als Großgemeinde bekam.

Eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Melleruds ist das Weihnachtsmannmuseum mit seinem Lanthandel von 1908. Die private Sammlung besteht insgesamt aus rund 500 verschiedenen Weihnachtsmännern, wobei der älteste unter ihnen noch aus dem 19. Jahrhundert kommt.

Eine weitere Entdeckung in Mellerud ist das Melleruds Museum, das sich auf die Geschichte der Umgebung, die frühere Wohnsituation und das frühere Arbeitsmilieu spezialisiert hat, aber auch ein Modell der ehemaligen Dalaborg (Burg Dalaborg) ausstellt. Für schwedische Geschlechtsforscher ist das Museum ein Paradies, denn hier findet man sämtliche Kirchenbücher von Beginn des 18. Jahrhunderts bis 1920.

In Mellerud findet der Besucher zwei Kirchen von größerem Interesse, denn sowohl die Holms Kirche als auch die Örs Kirche reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück und haben sowohl innen als auch außen historische Elemente erhalten. Die Holms Kyrka wird mit dem norwegischen Sankt Olof (Olov Haraldsson) in Verbindung gebracht, die Örs Kyrka dagegen mit dem ältesten Skalden des Dalslands, mit Gunno Dahlstierna.

Etwa vier Kilometer südlich von Mellerud findet man die Dalslands Glashütte, wo man die Glasmeister dabei erleben kann wie sie das alte Handwerk des Glasbläsers ausüben und dabei Vasen und Schalen schaffen, wobei Gruppen auch eine gesamte Führung in der Glashütte buchen können.

Jene, die sich mehr für schwedische Geschichte interessieren, finden in Mellerud selbst das Östanå Grabfeld, das vermutlich einst ein Opferplatz war, sowie in der näheren Umgebung Melleruds den zwei Meter hohen Grabhügel Korebyhögen und das Grabfeld Bergs Kullar mit seinen Grabhügeln und den drei Domarringen.

Wer sich mehr für landwirtschaftliche Gebäude und eine Wanderung in der Natur interessiert, wird im Kulturreservat Åsnebyn, das heute von einem Verein getragen wird, entdecken, dass dort die Zeit vor hundert Jahren stehen blieb, sowohl was die Gebäude betrifft als auch den Anbau. So ganz nebenbei kann man dort auch noch eine alte Schmiede mit der gesamten ursprünglichen Einrichtung betrachten, eine Schmiede, die den Landwirten dazu diente ihre Werkzeuge herzustellen und in Stand zu halten.

Mellerud kann auch als Stützpunkt für zahlreiche sportlichen Aktivitäten und das Wandern dienen, denn der Vänern ist gerade einmal einen Kilometer vom Ort entfernt, ein Golfplatz liegt am Rande Melleruds, Wnderwege führen in nahezu alle Richtungen und selbst der Dalslands Kanal ist in greifbarer Nähe.

Wer am ersten Wochenende im Juli in Mellerud ist, kann auch eines der ältesten schwedischen Stadtfestivals, das Kanalyran, erleben, das noch nach alter Tradition gehalten wird und ein Blick in das schwedische Sommerleben erlaubt. Einen Monat später findet dann der traditionelle Handwerksmarkt statt, der auch ein Festival für schwedisches Essen ist.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/10/06

Växjö, die grünste Stadt Europas

Da sich in Växjö im Mittelalter die verschiedenen Wege aus allen Richtungen trafen, bezeichnete sich die Stadt in modernerer Zeit als die Stadt an der alle Wege zusammenführen, zumindest bis zu jenem Tag, als BBC den Ort im Småland als die grünste Stadt Europas bezeichnete, was vielleicht nicht ganz genau stimmt, aber der Wahrheit dennoch ziemlich nahe kommt, da Växjö eine der umweltbewusstesten Städte Schwedens ist und über viel Grün und eine sehr gute Luft verfügt.

Zu welcher Zeit Växjö erstmals besiedelt wurde, ist nichts bekannt. Sicher ist jedoch, dass an seiner Stelle bereits im Jahr 1000 einige Häuser standen, zumal die Sigfridslegende erzählt, dass der englische Missionar Sigfrid der erste war, der Schweden missionierte und sich entschied in Växjö die erste Bischofskirche des Landes zu bauen. Vermutlich führte diese Legende auch dazu, dass der damals sehr kleine Ort Växjö im Jahre 1170 Bischofssitz wurde und sich damit zu einem Zentrum für Pilger entwickelte. Als der Ort dann am 13. Februar 1342 von Magnus Eriksson die Stadtprivilegien verliehen bekam, so geschah dies wiederum ausschließlich dafür um dem Bischof, der Växjö vollkommen beherrschte, den Handel zu ermöglichen.

Das Theater in Växjö von 1849, das zweitälteste Landestheater Schwedens

Durch die Grenzlage zu Dänemark wuchs Växjö auch in den kommenden Jahrhunderten nur unbedeutend und selbst als die Industrialisierung im 19. Jahrhundert über ganz Schweden zog, lag die gesamte Stadt Växjö noch immer innerhalb der im Mittelalter geschaffenen Grenzen. In einer Reichstagsdebatte gegen 1890 wurde Växjö sogar noch als die dunkelste Stadt Smålands bezeichnet. Allerdings hat sich die Einwohnerzahl während der letzten 50 Jahre nun verdreifacht und man zählt heute nahezu 61.000 Einwohner.

Unter den Bauten der Stadt gilt die Schlossruine Kronoberg am Rande Växjös als Symbol der mittelalterlichen Macht, die erst als Bischofsburg, dann unter Nils Dacke und schließlich noch unter Gustav Vasa eine wichtige Rolle spielte, aber nach dem Frieden von Roskilde dem Verfall überlassen wurde.

Die Domkirche Växjös ist ebenfalls mit dem Heiligen Sigfrid (im Deutschen oft Siegfried geschrieben) verbunden, dessen Heiligenschrein sich bis zum 17. Jahrhundert in der Kirche befand. Vom ursprünglichen Dom ist allerdings nur noch der romanische Westturm vom 12. Jahrhundert erhalten. Das heutige Aussehen erhielt die Domkyrkan erst im 19. und 20. Jahrhundert.

Die Bedeutung Växjös als katholische Hochburg des Mittelalter kann man auch an einigen Kirchen etwas außerhalb der Stadt entdecken, denn die Verteidigungskirche Bergunda hat ein Taufbecken des 12. Jahrhunderts und wird erstmals zu Beginn des 14. Jahrhunderts in schriftlichen Quellen genannt, die Hemmesjö Kyrka wurde bereits 1175 gebaut und die Ör-Ormesberga Kirche ersetzte im 17. Jahrhundert eine frühere Holzkirche, die ebenfalls bereits im Mittelalter erbaut wurde.

Unter den Museen Växjös ist vor allem das Smålands Museum zu nennen, das älteste Regionalmuseum Schwedens, das an Hand von Funden und anderen Ausstellungsgegenständen die Geschichte der Umgebung Växjös vom Ende der Eiszeit bis heute schildert, aber auch temporäre Ausstellungen zur Regionalgeschichte bietet.

Einen Besuch ist auch das Glasmuseum wert, das an Hand von verschiedensten Objekten die Geschichte der Glasherstellung und der Glaskunst Schwedens erzählt. Das älteste Glas der Sammlung stammt vom Jahre 1580. Ergänzt wird diese Ausstellung von Studioglas, das künstlerische Arbeiten von rund 70 schwedischen Künstlern nach dem Jahre 1968 präsentiert.

Ein besonderes Museum ist auch Psykiatrihistoriska Museet, das das Gesundheitswesen vom Mittelalter bis heute beleuchtet und dabei die frühe Psychiatrie mit einschließt, aber auch die sozialen Aspekte des Krankenhauswesens Schwedens der letzten Jahrhunderte erklärt.

Växjö hat auch im Straßenmilieu eine Attraktion zu bieten, denn entlang der Sandgärdsgatan haben acht Künstler der Glashütte Kosta Boda Glaskunst geschaffen, die dem Straßenzug einen besonderen und einmaligen Charakter verleiht.

Wer die grüne Stadt Växjö sucht, findet nicht weniger als 22 Naturschutzgebiete in und um die Stadt, die zum Wandern einladen und dabei dem Besucher die Natur Smålands näher bringen. Hinzu kommt noch die Anlage Linnéparken (Linné-Park), die in drei Teile aufgeteilt ist und eine Verbindung zum Växjösjön ist, einem See, der mitten in die Stadt hineinragt.

Etwa fünf Kilometer außerhalb des Zentrums von Växjö findet man das Schloss Teleborg aus dem 18. Jahrhundert mit einem beeindruckenden Schlosspark. Allerdings ist das Schloss selbst ein Hotel und kann nicht besichtigt werden. Der Schlosspark ist an gewissen Tagen im Jahr auch der Allgemeinheit zugänglich, wobei dort auch regelmäßig musikalische Veranstaltungen organisiert werden. Das daneben liegende Naturschutzgebiet kann jedoch von allen besucht werden.

Mit der Bevölkerungszunahme Växjös wurde Mitte des 20. Jahrhunderts auch der Ruf nach einer Universität laut, was 1967 dazu führte, dass hier eine Zweigstelle der Universität Lund eingerichtet wurde, was jedoch die Stadt nicht befriedigte. Bereits 1999 wurde daher die Universität Växjö gegründet, die selbstständig jedoch nur einen sehr kurzen Bestand hatte, da sich bereits ein Jahr später die Universitäten Växjö und Kalmar zur Linnéuniversität zusammenschlossen, zu denen sich Zweigstellen in Hultsfred, Ljungby und Nybro gesellten.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/10/02

Eskilstuna, eine finnische Verwaltungsgemeinde im Södermanland

Die Stadt Eskilstuna war bereits vor der Christianisierung Schwedens ein Handelsort, auch wenn es sich damals noch um zwei verschiedene Ansiedlungen handelte, nämlich Tuna und Fors, die noch direkt am Mälaren lagen, da die Landhebungen noch nicht so fortgeschritten waren, und dort der Übergang vom Wasserweg zum Landweg war.

Tuna wurde bereits 1104 in offiziellen Dokumenten genannt und seit dieser Zeite mit der Legende des Heiligen Eskil in Verbindung gebracht, der Ende des 11. Jahrhunderts während seiner Missionsarbeit in Strängnäs ermordet wurde. Geschichtsforscher nehmen an, dass Tuna im Jahr 1266 von Tuna in Eskilstuna verwandelt wurde um die Verbindung zum Heiligen deutlicher zu machen.

Auch wenn die Geschichte Eskilstuna bis Mitte des 17. Jahrhunderts immer wieder Höhepunkte hatte, hier das schwedische Hauptkloster der Johanniter gebaut wurde, Herzog Karl das Schloss Eskilstunahus bauen ließ und letztendlich der Eskilstuna Kanal eine Verbindung zwischen Mälaren und Hjälmaren schuf, so wurden dem Ort mehrmals die Stadtprivilegien versagt. Dies änderte sich erst unter Karl X. Gustav, der aus Eskilstuna eine der größten Industriestädte Schwedens machen wollte. Auch wenn nur etwa 20 Prozent seiner Pläne verwirklicht wurden und die Stadt nie Karl Gustavs Stad hieß, so erlangte der Ort dank dieser Idee im Jahre 1659 die Stadtrechte.

Auch wenn das Kloster der Johanniter im Jahre 1585 abgerissen wurde, damit das Eskilstunahus gebaut werden konnte, das wiederum 1680 vollkommen abbrannte und somit keine Reste der beiden Bauten in Eskilstuna zu finden sind, so ist die Fors Kyrka mit Resten aus dem 11. Jahrhundert noch eine Erinnerung an das Mittelalter und den Heiligen Eskil.

Eskilstuna präsentiert sich dem Besucher in erster Linie als moderne Industriestadt, so dass man sich zuerst auf die Suche nach der Altstadt (Gamla Stan) mit der „Långa Gatan“ (Lange Straße), die eigentlich Köpmansgatan heißt, machen sollte wo man den mittelalterlichen Charakter des Ortes noch am deutlichsten spüren kann. Ein Blick auf die Holzhäuser entlang der Eskilstunaån bleibt ein unvergesslicher Eindruck.

Wer sich etwas mehr mit Eskilstuna auseinandersetzen will, sollte das Eskilstuna Stadsmuseum mit der Faktoriet und den waffentechnischen Sammlungen besuchen, denn hier findet man nahezu alle Erklärungen und Gegenstände, die dem Besucher das Eskilstuna vom 17. Jahrhundert bis heute näher bringen.

Der nächste Weg sollte möglichst zu den Rademachersmedjorna führen, der Stadt der Schmiede, die Karl X. Gustav als Waffenfabrik errichten ließ. Heute sind diese Gebäude mit den verschiedensten Schmieden eine Mischung zwischen Museumsdorf und aktiven Schmieden, die nach alter Tradition arbeiten.

Ebenfalls der Industrie gewidmet ist das Munktellmuseet in Eskilstuna. Hier kann man, unter anderem, der ersten Traktor Schwedens aus dem Jahre 1913 sehen, einen Lastwagen von 1954 und selbst einen Film über die Geschichte Volvos betrachten. Alle Geräte und Fahrzeuge des Museums sind funktionsfähig, was für ein Museum wohl einzigartig ist.

Vor allem im Sommer, und natürlich zu Mittsommer, sind die Sörmlandsgården, ein Museumsdorf aus dem 19. Jahrhundert, ein Erlebnis, da man hier die Leinverarbeitung, das Schafscheren und vieles mehr aus nächster Nähe betrachten kann, und all dies in einem typischen landwirtschaftlichen Gut des Sörmlands (Södermanland).

Wer sich für schwedische Malerei interessiert, wird vom Kunstmuseum in Eskilstuna nicht enttäuscht, denn außer den regelmäßigen temporären Ausstellungen modernen schwedischer Künstler umfasst die Sammlung repräsentative Gemälde schwedischer Künstler vom 17. Jahrhundert bis heute, wobei der Schwerpunkt des Museum beim 20. Jahrhundert liegt und sich auch auf Design und Kunsthandwerk erstreckt.

Um die Vorgeschichte Eskilstunas zu erleben, muss man sich etwas außerhalb der Stadt bewegen, denn hier findet man nicht weniger als drei Vorburgen, nämlich Ogaklev, Stenby und Uvberget, die alle drei von der Bedeutung des Ortes zeugen und beweisen, dass hier bereits 500 nach Christus eine rege Aktivität zu finden war.

Auch ein Ausflug nach Sundby, das rund zehn Kilometer von Eskilstuna entfernt ist, sollte bei einem Aufenthalt in der Stadt eingeplant werden, denn dort findet man außer dem Mälarschloss Sundbyholm, dessen Parkanlage das ganze Jahr über Besuchern offen steht, auch die sogenannten Sigurdsristningen, die nahezu 1000 Jahre alten Runeninschriften, die die Sage von Sigurd Fafnesbane aus der isländischen Edda erzählen, einer der interessantesten historischen Funde im Södermanland.

Aber auch für Kinder hat Eskilstuna etwas zu bieten, nämlich den Parken Zoo, der eine Mischung aus Tiergarten mit Tieren aus aller Welt und Vergnügungspark für die jüngeren Besucher ist, oder das Abenteuerbad Vattenpalatset, das erste Abenteuerbad, das in Schweden geöffnet wurde.

Da Eskilstuna, prozentual gesehen, die größte Anzahl an finnischstämmigen Bewohnern in ganz Schweden hat, wurde der Ort im Jahr 2010 zu einem finnischen Verwaltungsgebiet erklärt, was bedeutet, dass man hier auch mit Finnisch ganz gut zurecht kommt und wichtige Informationen für die Bevölkerung nicht nur in schwedischer, sondern auch in finnischer Sprache existieren.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/10/01

Arboga, die mittelalterliche Stadt des Bieres

Obwohl die Vorburg (Fornborg) Halvardsborg bei Arboga, deren Reste heute noch zu sehen sind, bereits zwischen 400 und 550 nach Christus entstanden ist, weiß man sehr wenig über die Geschichte der Stadt bis zum 13. Jahrhundert, auch wenn es mehrere Hinweise gibt, dass der Ort als solches bereits um das Jahr 900 existierte, zumal man Reste von zwei sehr frühen Kirchen fand und auch die ältesten Teile des Sankt Nicolai Kirche noch bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen.

Der erste schriftlich genannte Bewohner Arbogas ist ein deutschstämmiger Kaufmann mit dem Namen Gelbricht, was bedeutet, dass um diese Zeit bereits Handel in Arboga betrieben wurde, es sich also vermutlich um ein Köping handelt. Da das älteste bekannte Stadtsiegel von 1330 stammt, so war Arboga vermutlich bereits um diese Zeit in gewisser Weise eine Stadt, obwohl die ältesten bekannten Stadtprivilegien erst 1480 ausgestellt wurden.

Die Altstadt in Arboga

Als es dann im Jahre 1435 in Arboga zum ersten Reichstagstreffen in Schweden kam, hatte die Stadt vermutlich ihren Höhepunkt erreicht, was rund hundert Jahres später auch dazu führte, dass auch ein Gewehrfabrik in Arboga errichtet wurde. Mit dem Bau des Hjälmare Kanal Mitte des 17. Jahrhunderts und den Gründungen von Nora und Lindesberg verlor die Stadt dann allerdings mehr und mehr an Bedeutung.

Wer nach Arboga kommt und als erstes die Västerlånggatan entlang geht, die Straße mit den ältesten Gebäuden der Stadt, fühlt sich direkt in das Mittelalter zurückversetzt, auch wenn die auf der engen Straße geparkten Autos einen Teil des Charmes nehmen.

Auf Jädersholm, wo man heute den Herrschaftshof Jädersbruk aus dem Jahre 1883 findet, errichtete Gustav Vasa 1551 eine Waffenfabrik, die sich dann im 17. Jahrhundert in eine allgemeine Schmiede verwandelte, die allerdings nur für den Königshof produzierte. Das heutige Gebäude wird seit einigen Jahren restauriert und beherbergt nun ein Restaurant.

In Arboga findet man heute vier Museen, wobei drei davon vom Heimatverein der Stadt unterhalten werden. Das Arboga Museum zeigt die typische Wohnung eines Großhändlers der Stadt aus dem 17. Jahrhundert und lädt regelmäßig zu temporären Ausstellungen ein, das Gamla Museet ist der Geschichte Arbogas gewidmet, das Brauereimuseum ist Schwedens älteste erhaltene Holzbrauerei, wo man nicht nur alles über die frühe Herbststellung von Bier erfahren kann, sondern auch die Geschichte der Brauerei an Händen von zahlreichen Dokumenten findet. Bier wurde in Arboga bereits im 13. Jahrhundert gebraut, wobei dieses Bier mit seinen 10,2 Prozent noch heute mit zu den alkoholhaltigsten Bieren Schwedens gehört. Das vierte Museum ist schließlich das Robotermuseum, das die Geschichte der schwedischen Roboterentwicklung seit 1940 erzählt, wobei man in diesem Zusammenhang nicht vergessen darf, dass auch die Roboter für die Jas 39 Gripen in Arboga entwickelt wurden.

Unter den Kirchen in Arboga sind die Heliga Trefaldighets Kyrka interessant, die von Franziskanermönchen im Jahre 1256 begonnen wurde und, außer dem Turm, ihr Aussehen bereits im 15. Jahrhundert erhielt. Und die Sankt Nicolai Kirche, deren ältesten Element bis ins 12. Jahrhundert zurückgehen und einen Altarschrank aus Lübeck besitzt, der zu Beginn des 16. Jahrhunderts in die Kirche kam.

Arboga war über den Hjälmare Kanal, dessen Vorläufer bereits 1639 gebaut wurde, bis zu den 70er Jahren eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Örebro und Arboga und wird heute vor allem von privaten Booten befahren auf denen man den ältesten Kanal Schwedens erleben kann und am Hjälmardocka, etwa zehn Kilometer von Arboga entfernt, im Besuchszentrum des Kanals die Geschichte des Hjälmare Kanals erfahren kann.

Außer der 540 Meter langen Mauer der ehemaligen Halvardsborg, die am Tjurlångensjö etwas außerhalb von Arboga liegt, findet man bei Lunger auch noch ein Grabfeld aus der Eisenzeit mit 17 historischen Fundstücken, darunter den Kung Sigges Sten, einen Runenstein, der etwa gegen das Jahr 1000 geschlagen wurde.

Dass sich Arboga wegen seiner geografischen Lage zu jeder Art von Ausflügen in die Natur des Västmanlands eignet, versteht sich von selbst, wobei man in der Umgebung Arbogas auch jede Art von sportlicher Aktivität, vor allem zu Wasser und im nahen Naturreservat unternehmen kann.

Ein besonderes Ereignis sind die Medeltidsdagar in Arboga, die im nächsten Jahr am 7. August beginnen, da dann fünf Tage lang das Mittelalter mit Ritterspielen, Gauklern und einem mittelalterlichen Markt in Arboga einzieht, ein Erlebnis, das man bei einem Besuch in Schweden nicht missen sollte.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/28

Skellefteå, die schwedische Stadt des Goldes

Skellefteå, das 1327 noch Skelepht hieß und, wie zahlreiche Funde beweisen, bereits 6000 vor Christus bewohnt war, ist ein Zeuge davon, dass man bereits vor 5200 Jahren die Vorläufer der heutigen Skis kannte, denn hier wurden die sogenannten Kalvträskskidor gefunden, die ältesten Skis, die je irgendwo entdeckt wurden und heute im Västerbotten Museum zu betrachten sind.

Seinen Beinahmen „Stadt des Goldes“ erhielt Skellefteå nach den enormen Mineralfunden in der näheren Umgebung, die weltweit zu den mineralreichsten überhaupt gehören. In Skellefteå gewinnt man etwa zwei Drittel allen Goldes, das in Schweden dem Gestein entnommen werden kann, auch wenn in den Bergwerken bei Skellefteå überwiegend Kupfer und Zink gewonnen wird und daher Gold, Silber und Blei nur zu den Randprodukten gehören.

Skellefteå entstand bereits im 13. Jahrhundert, entwickelte sich durch den wachsenden Holzhandel und den Bergbau jedoch erst zwischen 1730 und 1862. Obwohl sich der Ort ab diesem Zeitpunkt deutlich in eine Stadt verwandelte und 1845 auch die Stadtprivilegien erhalten hatte, behielt der Ort seinen ländlichen Charakter noch bis zu Beginn der 50er Jahre. Wie in so so vielen anderen Städten Schwedens wollte man jedoch in der Nachkriegszeit zu einer modernen Stadt finden, was dazu führte, dass in den 60er und 70er Jahren nahezu alle historischen Bauten Skellefteås abgerissen wurden und eine moderne Industriestadt entstand. Ein sehr typisches Beispiel des modernen Skellefteå ist der Stadtteil Sjungande Dalen.

Einer der größten Anziehungspunkte Skellefteås ist vermutlich Bonnstan, wie die Kirchstadt des Ortes genannt wird, deren Existenz bis ins 17. Jahrhundert verfolgt werden kann. In der Bonnstan findet man rund 150 Gebäude unter denen einige 150 Jahre alt sind. Die Kirchstadt ist das Zentrum zu Mittsommer und bietet im Laufe des Sommers mehrere Veranstaltungen, die in der Regel sehr gut besucht sind und selbst zu Gedränge führen.

Einen weiteren Besuch ist natürlich das Västerbottens Museum wert, das sich im Gebiet Nordanå, einem Stadtpark, befindet und dem Besucher die gesamte Geschichte der Stadt näher bringt. Auf der anderen Seite des Parks  liegt der Lanthandel Nordanå, ein Mini-Museumsdorf mit Gebäuden, die bis 1867 zurückverfolgt werden können und die alten schwedischen Tante-Emma-Läden in ihrem ursprünglichen Gewandt zeigen.

Wer sich für ältere Gebäude und das frühere Leben in Schweden interessiert, sollte auch das Burträsk hembygdsområde nicht vergessen, wo man seit 1962 einen typischen Großbauernhof der Umgebung mit seinen Wandmalereien und Sammlungen der Bauernepoche der Umgebung in natürlicher Atmosphäre entdecken kann.

Nicht weit vom Zentrum Skellefteås entfernt kann man den Skellefteälven auf der ältesten noch erhaltenen Holzbrücke überschreiten, wo es am 15. Mai 1809 zur Schlacht an der Lejonströmsbron kam, wo sich das russische und das schwedische Heer gegenüberstanden, allerdings die Schweden verloren haben.

Sehenswert ist in Skellefteå auch die Landsförsammlings Kyrka, die größte Landskyrka Schwedens. Auch wenn das Äußere der neoklassischen Kirche bereits beeindruckend ist, so findet man die wahren Schätze im Inneren, denn die Sakristei ist noch von 1507 und die Skelleftemadonnan aus Holz kommt sogar vom 12. Jahrhundert.

Dass sich Skellefteå, allein schon von der Lage her, für Ausflüge jeder Art in die Natur Nordschwedens anbietet, ist eine Selbstverständlichkeit, wobei allerdings selbst die Naturliebhaber des Nordens, die den Ort nur als Übernachtungsstelle sehen, einen Tag für die Stadt widmen sollen, denn ohne die Entwicklung von Städten wie Skellefteå könnte man heute Nordschweden nicht auf die gleiche einfache Weise entdecken, die jedem Reisenden selbstverständlich ist.

Da Skellefteå über keine eigene Universität verfügt, stellt sie ihren Studenten gleich zwei davon zur Verfügung, denn sowohl Umeå als auch Luleå haben Fakultäten nach Skellefteå ausgelagert. Die Schwerpunkte sind dabei soziale Studien, Holz, Strom und Computergrafik sowie das Programmieren von Spielen, ein Bereich, in dem Schweden mittlerweile führend ist.

Mitte Juli kann man in der Stadt jedes Jahr ein Festival besonderer Art erleben, das sich Trästockfestivalen nennt und nächstes Mal vom 18. bis zum 20. Juli 2013 stattfindet. Nicht nur, dass es sich dabei um das größte kostenlose Musikfestival Schwedens handelt und rund 30.000 Zuschauer anzieht, das Besondere ist auch, dass während der drei Tage auf allen vier Bühnen Nachwuchskünstler aus der Region und weltbekannte Musiker in gemischter Folge auftreten.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/27

Höganäs, die schwedische Stadt, die den Euro akzeptiert

Auch wenn man in Höganäs einige wenige Funde aus der Steinzeit und auch aus den folgenden Epochen machte, so konnte man hier keine feste Ansiedlung und keinerlei wichtigeren historischen Monumente entdecken, die eine bedeutende Aktivität in der näheren Umgebung beweisen könnten.

Erstmals genannt wird Höganäs erst in einem Dokument von 1488, als sich ein kleineres Dorf entwickelte, das vermutlich überwiegend von Fischfang und der Landwirtschaft lebte. Noch Ende des 16. Jahrhunderts zählte man hier jedoch kaum mehr als 20 Haushalte.

Erst ab Ende des 18. Jahrhunderts begann Höganös aus seinem Schlummer zu erwachen, insbesondere, als 1797 Gustav IV. Adolf hier begann Steinkohle abzubauen, eine Aktivität, die, wenn auch in abgewandelter Form, bis Mitte der 60er Jahre fortsetzen sollte und, unter anderem, bereits 1936 dazu geführt hatte, dass Höganäs, das sich zu dieser Zeit aus einem Fischerdorf und einem Grubendorf zu einer einheitlichen Ansiedlung verbunden hatte, zur Stadt ernannt wurde.

Einladung zum Töpfern in Höganäs

Bereits wenige Jahre nach Beginn der Bergwerktätigkeit zeigte sich, dass die Steinkohle in Höganäs nicht ausreichte um eine rentable Grubenaktivität aufrecht zu halten, aber man entdeckte gleichzeitig, dass der Lehm, der hier zu finden war, hervorragend für die Keramikindustrie zu nutzen war und begann sich auf Keramik umzustellen. Und schon ab 1835 begann man serienmäßig Salzsteingut herzustellen, eine feuerfeste Keramik. Als ab 1856 der dänische Skulpteur Ferdinand Ring das Design übernahm, wurde das Steingut sogar weltweit exportiert.

Auch wenn die Grubenindustrie mittlerweile eingestellt ist, so lebt nun die Keramik weiter und in Höganäs haben sich mittlerweile mehrere Künstler niedergelassen, die weiterhin klassisches salzglasiertes Höganäskrus herstellen und damit eine nahezu 200 Jahre alte Keramik-Tradition aufrecht halten. Einige der Ateliers können besucht werden, wobei man dabei den Künstlern auch über die Schultern sehen darf. Neben der traditionellen Keramik findet man nun allerdings auch moderere Keramik und Outlets bieten selbst günstig Iittala-Glas an.

Selbst wenn Höganäs dem Zwang der Modernisierung ab den 60er Jahren nicht widerstehen konnte und sich dadurch zu einer modernen Kleinstadt mit rund 14.000 Einwohnern entwickelt hat, kann man bei einem Spaziergang durch den Ort noch einige historische Gebäude entdecken, unter denen vermutlich das Lerhuset, ein  Wohnhaus aus dem Jahre 1797 am interessantesten ist, da hier die typische Lehmbauweise jener Epoche angewandt wurde. Selbst die Fenster des Hauses entsprechen noch dem ursprünglichen Modell.

Wer den alten Grubenort Höganäs övre besucht, findet noch einige Reste, die an das frühere Bergwerk erinnern, wobei jedoch besonders auffällig ist, dass dieser Stadtteil eine völlig andere Struktur aufweist als jener im ehemaligen Fischerdorf, denn dieser Teil der Stadt wurde vom englischen Stadtplaner Thomas Stawford entwickelt und sollte ursprünglich ein völlig unabhängiger Ort werden. Hier findet man ebenfalls noch einige Häuser aus der Zeit als das Gebiet erschlossen wurde, unter anderem das Haus des Geschäftsführers von 1798 und das alte Stadshotellet von 1860.

In diesem „späteren“ Stadtteil liegt auch das Höganäs Museum, das in einem Gebäude eingerichtet wurde, das als Fyrkanten bekannt ist. Das Museum zeigt die gesamte Geschichte von Höganäs, angefangen vom Steinkohlenabbau, über Keramik, Stadtplanung und selbst die Wohnung eines Arbeiters zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde dort eingerichtet.

Höganäs entwickelt sich heute immer mehr zu einer touristisch geprägten Kleinstadt, die auch aus Ausgangspunkt für die unterschiedlichsten Ausflüge betrachtet wird, denn die Umgebung bietet nicht nur Bademöglichkeiten, sondern rund 20 Kilometer entfernt von Höganäs liegt das größte zusammenhängende Weinbaugebiet Schwedens, im gleichen Abstand findet man die Welt des schwedischen Künstlers Lars Vilks, Ladonien, und von hier aus führen Wanderwege und Fahrradwege zu einer einmaligen Natur mit selten Pflanzen.

Von sich reden machte Höganös jedoch vor allem im Jahre 2009, als die Stadt offiziell den Euro einführte und sich damit zur „Eurocity“ erklärte. Der Eurokurs wird jede Woche neu festgelegt, die Bankautomaten spucken Euro aus und fast alle Geschäfte benutzen den Euro als Zahlungsmittel. Diese Initiative macht Höganäs, vor allem für Gäste des Festlandes, zu einem zusätzlichen, besonderen Erlebnis.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/26

Kalmar, der Schlüssel Schwedens

Kalmar gehört mit zu den ältesten Städten Schwedens und hatte bereits zur Zeit der Wikinger eine gewisse Bedeutung als Handelszentrum, auch wenn Kalmar, das im Mittelalter als der Schlüssel Schwedens bezeichnet wurde, mehr wegen der nahen Kämpfe zwischen Dänemark und Schweden und der Kalmarer Union bekannt wurde, als hier ein wichtiger Teil der Geschichte Schwedens geschrieben wurde.

Diese Grenzsituation zu Dänemark, verbunden mit der Bedeutung Kalmars ab dem 12. Jahrhundert, führte auch dazu, dass Kalmar relativ früh befestigt wurde, die ältesten Teile des Schlosses bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts zurückreicht und Kalmar über einen Stadtteil verfügt, der teilweise noch aus dem 17. Jahrhundert stammt.

Renaissance-Schloss in Kalmar

Wer heute Kalmar besucht, auch ohne sich tiefer für die Geschichte der Stadt zu interessieren, findet im Grunde zwei historische Gebiete, die beide in die Ostsee hineinragen und früher sehr schwer zugänglich waren. Zum einen handelt es sich dabei um das Schloss Kalmar, das man über die Gamla Stan (Altstadt) erreichen kann. In diesem Schloss wurden einige der wichtigsten Verträge geschlossen, was jedoch den langsamen Verfall nach dem Frieden von Roskilde kaum aufhalten konnte, hätte nicht Oscar I. sich Mitte des 19. Jahrhunderts entschieden das gesamte Schloss zu restaurieren und ihm das heutige Aussehen zu geben.

Die sogenannte Altstadt Kalmars, die Gamla Stan war das ursprüngliche Zentrum der Stadt, das jedoch bei einem Großbrand im Jahre 1640 nahezu vollständig zerstört wurde. Da dieser Teil der Stadt anschließend nach Kvarnholmen verlegt wurde, nutzten die Bürger Kalmars die unbebaute Fläche um dort ihre Sommerhäuser zu bauen, eine Struktur, die bis heute erhalten geblieben ist und gewissermaßen zu einer Museumsstadt innerhalb der Stadt wurde.

Der zweite wichtige historische Teil Kalmars ist der Stadtteil Kvarnholmen, der heute durch mehrere Straßen mit dem Festland verbunden ist. Dieser Stadtteil entstand nach dem Großbrand im Jahre 1640 und verfügt noch über Teile der Befestigungsmauern und die ältesten Gebäude der Stadt, unter anderem die Domkirche, die 1682 eingeweiht wurde und ein Zeichen des schwedischen Großmachtdenkens jener Epoche ist. Im Inneren der Domkirche findet man zahlreiche Gegenstände aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Auf Kvarnholmen findet man auch das Kalmar Läns Museum, das außer den wechselnden Ausstellung eine Reise zum Kriegsschiff Kronan bietet, einem der mächtigsten schwedischen Schiffe des 17. Jahrhunderts, das 1676 vor Öland explodierte und sank, jedoch 1980 mit über 30.000 Fundstücken geborgen werden konnte. Die zweite Dauerausstellung ist Jenny Nyström gewidmet, dem Mädchen aus Kalmar, das einst nach Paris reiste und später einige der bekanntesten Volksillustrationen schuf, unter anderem den freundlichen Weihnachtsmann.

Aber Kvarnholmen ist auch wegen seiner gesamten architektonischen Schönheit zu besuchen, da hier die schwedische Abreißwut der 60er und der 70er Jahre kaum einen Einfluss hatte, was dazu führte, dass Kvarnholmen der schwedische Stadtteil ist, der heute über die meisten denkmalgeschützten Gebäude Schwedens verfügt und nicht nur Architekten einen Blick in die vergangenen Bau- und Wohnweisen erlaubt.

Eine Besonderheit Kalmars ist auch das letzte noch erhaltene Klapp- och Tvätthus, die öffentliche Wäscherei der Stadt, die seit dem 15. April 1857 von der Allgemeinheit benutzt werden kann um dort Wäsche und Teppiche zu waschen. Noch heute trifft man hier immer wieder einmal jemanden, der die frühere Waschmethode zu schätzen weiss.

Eine der modernsten Sehenswürdigkeiten Kalmars ist die Ölandsbrücke, die es Reisenden möglich macht nördlich der Stadt auf einfachste Weise nach Öland zu kommen und Besuchern der Stadt eine interessante Ausflugsstelle für einen Tag bietet. Als die Ölandsbron im Jahre 1972 eröffnet wurde, war sie mit ihren 6072 Metern die längste Brücke Europas.

Das Kunstmuseum Kalmars, das nach starkem Protest der Bevölkerung im Jahre 2008 ein modernes Gebäude im Stadtpark erhielt, hat  sich auf moderne Kunst und Regionalkunst spezialisiert. Allerdings wurde das Gebäude bekannter als der Inhalt des Museums als es noch 2008 den Kasper Salin Preis erhielt, den begehrtesten Architekturpreis Schwedens.

Die frühere Hochschule von Kalmar wurde 2010 mit der Hochschule in Vaxjö zusammen gelegt und damit zur Linnéuniversitetet, der sich Hultsfred mit seiner Musikausbildung und Nybro mit einer Designausbildung zusätzliche anschlossen. Der Schwerpunkt der Universität Kalmar liegt bei Ökologie, Biologie und Chemie, während Växjö sich auf Geisteswissenschaften und Wirtschaft spezialisierte.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/25

Huskvarna, die verschwundene Stadt

Wann Huskvarna besiedelt wurde, ist unbekannt, da sich die schwedische Geschichte mehr in Jönköping oder auch auf Visingsö abspielte und Huskvarna daher mehr ein Durchgangsort war. Die Besonderheit des Ortes war jedoch der Fluss Huskvarnaån, der durch sein Gefälle ein ideales Wasser für Mühlen, und dadurch für Handwerksbetriebe, und Industrie war, zumal Endprodukte sowohl ins nahe Jönköping geliefert werden konnten als auch an alle Orte, die am Vättern lagen.

Diese Lage führte auch dazu, dass 1689 ein Teil der Gewehrfabrik von Jönköping nach Huskvarna verlagert wurde und damit den industriellen Aufstieg des Ortes verursachte. Aus dieser Gewehrfabrik hat sich im Laufe der Jahrhunderte der Huskvarna Konzern entwickelt, der im Jahre 1930 rund 20 Prozent der Einwohner Huskvarnas beschäftigte und heute ein bedeutender Weltkonzern ist und vermutlich besser bekannt ist als der Ort am Vättern selbst.

Das Schmiede-Dorf in Huskvarna

Die industrielle Entwicklung Huskvarnas führte auch dazu, dass der Ort im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Größe einer Stadt erreicht hatte, zwei Eisenbahnlinien den Ort anfuhren und die Hafenaktivität eine bedeutende Dimension annahm. Die Stärke Huskvarans war die Wasserkraft geworden, was man heute noch am Wasserkraftwerk sehen kann und von den Besuchern an einigen Tagen des Jahres am Wasserfall Huskvarnafallen entdeckt werden kann, wenn die Wassermassen 116 Meter in die Tiefe stürzen.

Genau diese Entwicklung sollte auch das Ende der eigenständigen Stadt Huskvarna einleiten, denn der Ort, der 1907 als Köping zum Handelsort und 1911 zu einer eigenen Stadt geworden war, wurde 1971 in Jönköping eingegliedert und damit wieder zu einem Stadtteil reduziert, auch wenn sich dort nahezu 20 Prozent der Gesamtbevölkerung Jönköpings konzentrieren.

Nicht erstaunlich ist es daher, dass man in Huskvarna seit 1993 das Fabrikmuseum findet, das die 300-jährige Geschichte der Huskvarna AB erzählt, angefangen von den alten Handfeuerwaffen, über Haushaltsgeräte bis zu computergesteuerten Rasenmähern, nicht zu vergessen die Haushaltsmaschinen, Fahrräder oder selbst das Motorrad von 1911. Kein anderes schwedische Museum kann die industrielle Entwicklung Schwedens besser dokumentieren als jenes in Huskvarna.

Nur etwa 300 Meter entfernt vom Museum findet man, gewissermaßen als Ergänzung, das „Schmiededorf Huskvarna“, eine Art lebendes Museumsdorf das heute nicht nur als Museum dient, sondern von zahlreichen Handwerkern, Kunsthandwerkern und Künstlern aktiv am Leben gehalten wird. Im Smedbyn findet man auch die größte Kunstausstellung Schwedens auf über 2000 Quadratmetern, deren Besuch allein ein Erlebnis ist.

Im Stadtmuseum von Huskvarna kann man die Geschichte des südlichen Vättern und seiner Besiedlung entdecken, und so nebenbei einen Blick auf das älteste Boot der südlichen Vätternseite werfen, ein Stockboot, das aus einer Eiche geschlagen wurde. Weiterhin kann man auch noch eine virtuelle Reise in der Vätternbucht unternehmen oder die Bedeutung der Rumlaborg in der schwedischen Geschichte erforschen.

Obwohl die Kirche in Huskvarna ein moderner Bau im nationalromantischem Stil ist und keine bedeutenden Kunstschätze bietet, so ist sie von der Architektur her äußerst interessant, da sie den früheren Stabkirchen nachempfunden ist, mit dem Unterschied, dass das Holz nicht senkrecht, sondern waagrecht zusammengefügt wurde. Auch der Bau dieser Kirche erfolgte nur mit bedeutender Unterstützung des Unternehmens Huskvarna.

Wer den Huskvarnafallen besucht, selbst wenn die Wassermassen an diesem Tag durch die Rohre des Wasserwerks geleitet werden, entdeckt mehrere „Töpfe der Riesen“, die kurz nach der Eiszeit entstanden sind und Felsformationen zu Tage treten liessen, die man nur an wenigen Stellen Schwedens entdecken kann.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/21

Alingsås, die Stadt der Cafés und des Lichtes

Als Gustav II. Adolf im Jahre 1619 Alingsås die Stadtrechte verlieh, war der Ort vor allem für Bürger aus Nya Lödöse gedacht, einem historischen Vorläufer Göteborgs. Und wenn der gleiche König nicht zwei Jahre später auch das heutige Göteborg gegründet hätte, so wäre Alingsås heute vermutlich die wichtigste Stadt im Västra Götaland geworden, obwohl die direkte Verbindung zum Kattegat fehlte. Aber als Militärstratege schuf der König Göteborg und Alingsås musste sogar bis 1639 auf den Privilegienbrief warten.

In Dokumenten taucht Alingsås erstmals im Jahre 1382 auf, entwickelte sich jedoch sehr langsam, woran auch die Stadtrechte nicht viel änderten, denn als Jonas Alströmer 1720 dort seine Manufakturen aufbaute, so hatte Alingsås gerade einmal 150 Einwohner, die dann mit der vorindustriellen Aktivität innerhalb von etwa 70 Jahren auf rund 1000 Bewohner anwuchsen, was etwa zehn Prozent der Bewohner Göteborgs entsprach.


Das älteste Gebäude in Alingsås (am Lilla Torget)
In den folgenden Jahrhunderten hatte Alingsås seine Hoch und Tief, konnte sich jedoch nicht zu einer bedeutenden Stadt entwickeln, was 1971 dazu führte, dass die Stadt Alingsås aufhörte zu existieren und zur Gemeinde Alingsås abgestuft wurde, jedoch das Zentrum eines größeren Gebietes blieb.

Heute ist Alingsås vor allem bekannt wegen seinem Kartoffelfestival Mitte Juni, das daran erinnern soll, dass Jonas Alströmer aus Alingsås der erste war, der in Schweden Kartoffeln in großem Stil anbaute, wegen seinem Lichterfestival Lights in Alingsås, das jeden Oktober rund 50.000 Besucher in den Ort lockt und wegen seiner Dichte an Cafés, denn kaum ein Ort Schwedens verfügt über so viele Cafés, gemessen an der Einwohnerzahl, wie Alingsås.

Auch die Caféhauskultur des Ortes geht auf Jonas Alströmer zurück, denn als die Frauen aus Alingsås Mitte des 18. Jahrhunderts in den Manufakturen arbeiteten, hatten sie keine Zeit mehr zu backen und die Cafés, die auch Brot verkauften, übernahmen dann diese Tätigkeit, was sich in gewisser Weise bis heute gehalten hat und dem Ort seine Gemütlichkeit verleiht.

Das Alströmer Magasinet am Lilla Torget aus dem Jahre 1730 ist das älteste erhaltene profane Gebäude in Alingsås und steht seit 1983 unter Denkmalschutz. Bis 2010 fand man in diesem Gebäude auch das Alingsås Museum, das jedoch aus finanziellen Gründen gegenwärtig geschlossen ist, aber auf ein Comeback wartet.

Heute findet man in Alingsås nur noch zwei Museen von Interesse, nämlich die Kunsthalle mit wechselnden Ausstellungen aktueller Künstler aus der ganzen Welt und das Alingsås Dock & Nallemuseum mit einer Sammlung von über 720 Puppen und knapp 300 Teddybären und anderen Schmusetieren. Das Puppenmuseum ist allerdings nur samstags geöffnet.

Zu den Gebäuden, die man bei Alingsås besuchen sollte, gehört die Ruine des Schlosses Gräfnäs mit seinen Parkanlagen. Die Schlossruine liegt direkt am See Anten, wobei das Schloss bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Allerdings liegt die Ruine etwa 20 Kilometer außerhalb des Ortes, im Gegensatz zum Nolhaga Schloss, das nahezu eingebettet in Alingsås liegt. Dieses Schloss ist heute ein Restaurant mit Konferenzanlagen, wobei die Parkanlagen jedoch für die Allgemeinheit offen sind.

Alingsås verfügt über vier Naturreservate, die ohne Probleme zu Fuß erreicht werden können, darunter die Nolhagaviken, einem Naturwald, der vor allem für Vogelliebhaber ein beliebtes Ziel ist, sich aber auch für längere Spaziergänge eignet. Mit dem Fahrrad oder Auto kann man auch die Seengebiete um Alingsås entdecken, unter anderem die beiden wichtigsten Seen Mjörn, den zweitgrößten See im Västra Götaland, und Gerdsken, wo während des Kartoffelfestivals Drachenboote kreuzen und ein Wettrudern veranstaltet wird.

Mitte April findet in Alingsås der Potatiscupen, der Kartoffelcup statt, eine der größten nordischen Ausscheidungen für Hallenhandball, der nach seiner 33-jährigen Existenz auch immer mehr ausländische Teilnehmer lockt. Am Karfreitag findet der Alingsås Chicken Race statt, ein Mopedrennen an dem jedes Jahr über 600 Teilnehmer gezählt werden und selbst die zahlreichen Veteran-Mopeds eine Chance haben.

Ein besonderes Erlebnis ist auch der Anten-Gräfnäs Järnväg, eine zwölf Kilometer lange Museums-Eisenbahnstrecke in der Nähe von Alingsås, wo man gemütlich mit einer Dampflokomotive die Natur der Umgebung erleben kann. Die Eisenbahn verkehrt jedoch nur an Wochenenden im Sommer.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/19

Landskrona, die schwedische Stadt der Schwäne

Die südschwedische Stadt Landskrona, die sich aus dem Fischerdorf Södra Säby entwickelte, erhielt seine Stadtprivilegien im Jahre 1413 von Erich von Pommern, der zu dieser Zeit König von Schweden, Norwegen und Dänemark war. Die Idee hinter der Stadtgründung war, dass Landskrona, das im Laufe der Geschichte der Stadt mehrmals seinen Namen änderte, die Hauptstadt Skånes werden sollte.

Dies war auch der Grund, warum Erich von Pommern außer einem männlichen Karmeliterkloster auch die Kirche Johannis Babtistae bauen liess, die allerdings bereits im 18. Jahrhundert abgerissen wurde, so dass heute nur noch einige Reste zu sehen sind. Kristian III. von Dänemark begann anschließend mit dem Bau der Zitadelle, eine der am besten erhaltenen Wasserfestungen Skandinaviens.

Die Zitadelle in Landskrona
 
Auch wenn Landskrona dann nicht zur Hauptstadt wurde, so fand man dort gegen Ende des 16. Jahrhunderts rund 500 Bewohner, was in dieser Epoche einer mittleren Stadt entsprach.

Als Landskrona 1658 mit dem Frieden von Roskilde dann endgültig zu Schweden kam, war der Gedanke dort eine mächtige Stadt zu entwickeln nicht begraben, denn Karl X. Gustav machte Landskrona zur Residenzstadt und zu einer Stapelstad, der der direkte Handel mit anderen Ländern erlaubt war. Sein Nachfolger, Karl XI. wollte Landskrona dann zu einer Universitätsstadt und einem Bischofssitz machen. Bereits 1680 wurden dann jedoch alle Pläne Landskrona zur Hauptstadt Skånes zu machen begraben.

Das bekannteste Gebäude Landskronas ist auch heute noch die Zitadelle, die oft als das Schloss Landskrona bezeichnet wird, jedoch immer für die Verteidigung gedacht war und nie zu einem Schloss ausgebaut wurde. Das monumentale Bauwerk ist ein Zeuge des 16. Jahrhunderts und kann von Gruppen besichtigt werden. Der Burghof und die Ausstellung sind allgemein zugänglich.

Auf den Wallen der Zitadelle findet man das älteste noch erhaltene Sommerkoloniegebiet des Landes mit Schwedens einziger Museumskolonie Rothoffska von 1903, die die traditionelle Baukunst von schwedischen Stugor aufweist und besichtigt werden kann.

Am Kvarntorget, mitten in Landskrona, findet man auch die Stubbamöllan, eine Windmühle aus dem Jahre 1737, der eine Schmiede aus der gleichen Epoche angegliedert ist. Die Mühle wird vom Heimatverein verwaltet, der auch immer wieder Führungen veranstaltet und die Schmiede erklärt.

In einem alten Kasernengebäude Landskronas von 1750 findet man das Stadtmuseum, das sich zwar auf die Geschichte der Stadt spezialisiert hat, jedoch auch ständig zu Ausstellungen mit übergreifenden Themen einlädt. Jeden Sonntag werden dort, bei einer Tasse Kaffee, kostenlos Vorträge zur Geschichte der Region geboten.

Wer durch Landskrona wandert, kommt in jedem Fall auch zum Rådhustorget, dem Rathausplatz, wobei man diesen Platz nicht einfach gedankenversunken überschreiten, sondern einen Blick auf die Gebäude werfen sollte, da, mit einer einzigen Ausnahme, alle Gebäude zwischen 1890 und 1915 gebaut wurden und damit ein typisch schwedisches Stadtbild der Jahrtausendwende bieten.

Am Rande Landskronas findet man das einzige schwedische Golfmuseum, das die Geschichte des Sportes, und seiner Vorläufer, von seiner Entstehung im 15. Jahrhundert bis heute darstellt, aber auch die unterschiedlichsten Regeln im Detail erklärt.

Selbst wer die verschiedenen Parkanlagen in Landskrona und die Umgebung wenig erforschen will, sollte einen Abstecher auf die Insel Ven machen, deren größter Teil unter Naturschutz steht und einen unvergesslichen Blik über den Öresund bietet. Auf Ven findet man auch das Tycho Brahe Museum mit dem unterirdischen Observatorium und eines der ersten Forschungslabors Europas.

Und überall in den Gewässern der Stadt wird man natürlich auf Schwäne stoßen, denn es gibt in ganz Schweden keine Stadt in der so viele Schwäne leben wie in Landskrona. Ursache dafür ist, dass ein Großhändler in den 20er Jahren Mitleid mit den hungernden Schwänen der Stadt hatte und begann sie zu füttern, was sich unter den Schwänen entlang der gesamten Küste „herumsprach“ und dazu führte, dass der Großhändler bald Geld für das Füttern sammeln musste, weil sich im Winter bis zu 20.000 Schwäne vor und in Landskrona aufhielten. Auch wenn die Anzahl der Schwände mittlerweile wieder geschrumpft ist, so haben viele der Vögel immer noch eine Vorliebe für Landskrona
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Copyright: Herbert Kårlin