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2012/10/25

Ystad, die Filmstadt Schwedens

Ystad entstand vermutlich zwischen 1100 und 1200 nach Christus, als der heutige Küstenstreifen durch die Landhebung bewohnbar geworden war. Da das Fischerdorf sehr schnell an Größe gewann, ist es nicht verwunderlich, dass man in Ystad bereits Ende des 12., spätestens aber zu Beginn des 13. Jahrhunderts eine Kirche baute, die teilweise noch heute an Teilen der Marienkirche zu entdecken ist.

Da Ystad wegen seiner Lage etwas weniger von den verschiedenen Kämpfen zwischen Schweden und Dänemark betroffen war als die etwas nördlicher liegenden Städte, hat das Zentrum Ystads einen mittelalterlichen Charakter beibehalten, wobei einige der Gebäude des Ortes bis ins 14. und 15. Jahrhundert zurückreichen.

Das Zentrum in Ystad

Als Ystad im Jahre 1658 mit dem Frieden von Roskilde zu Schweden kam, zählte man bereits rund 2000 Einwohner, was in dieser Zeit eine beträchtliche Anzahl für eine Stadt war. Der große Reichtum, vom dem heute noch einige sehr eindrucksvolle Bauten der Stadt zeugen, kam im 19. Jahrhundert durch die Ostseeblockade durch Napoleon, denn dies forderte die Kaufleute Ystads geradezu heraus. Das Schmuggelgeschäft blühte, die Häuser wuchsen und da der Hafen von immer größerer Bedeutung war, wurde er in diesem Jahrhundert auch erheblich ausgebaut und nahm mehr oder weniger seine heutige Form an.

Um einen Eindruck von Ystad zu bekommen, so reicht im Prinzip bereits ein Spaziergang durch die Stadt, wo sich Alt und Neu treffen. Unter den ältesten Gebäuden findet man die Mariakyrkan (Marienkirche) und das Gråbrödraklostret (Kloster der Grauen Brüder), unter den vielleicht typischsten Bauten die Fachwerkhäuser aus dem 18. Jahrhundert. So nebenbei entdeckt man dabei auch noch die bekannte Kulisse der Wallander-Filme, die zum Teil in Ystad gedreht wurden, der Filmstadt Schwedens.

Das Gråbrödraklostret, ein ehemalige Kloster der Franziskaner, das heute zum Teil als Stadtmuseum genutzt wird, ist nur zum Teil erhalten, so dass man dort neben einem gut erhaltenen Teil und der Klosterkirche auch Ruinen findet, die die Vergänglichkeit der katholischen Geschichte Schwedens ausdrücken. Das Kloster, dessen Grundstein im Jahre 1267 gelegt wurde, ist neben jenem in Vadstena das am besten erhaltene katholische Kloster Schwedens aus der Zeit der Christianisierung.

Etwas älter als das Kloster ist die Marienkirche in Ystad, eine Basilika in romanischem Stil, die zwar mehrmals erweitert wurde, aber große Teile aus dem 13. Jahrhundert behalten hat. Nur die Türme kamen natürlich erst sehr viel später hinzu, was man beim Betrachter sofort feststellen kann. Die Einrichtung der Kirche geht allerdings, bis auf einige Kleinigkeiten, nur bis zum 17. und 18. Jahrhundert zurück.

Da Ystadt zu den drei Filmstädten Schwedens gehört und über sehr ausgedehnte Studios verfügt, die nicht nur den Wallander-Filmen dienen und die Geschichte des schwedischen Films eng mit Ystad verbunden ist, ist es nicht verwunderlich, dass man hier auch die Cinetek findet, das bedeutendste Filmmuseum Schwedens. Im Museum findet man auch die Kulissen und die Kostüme der Filme mit Kurt Wallander, dem Kriminalkommissar, der von Henning Mankell geschaffen wurde.

Eine besondenre Rolle spielt in Ystad auch das Kunstmuseum, das bewusst auf die bekanntesten Künstler Schwedens verzichtet, sonder jene Werke ausstellt, die man in anderen Kunstmuseen des Landes nicht findet. Besonders zu erwähnen sind dabei die Holzgravuren von Karin Persson und die Sammlung der Gemälde von Hans Billgren. Auch wer andere Kunstmuseen Schwedens mit nordischer Kunst gesehen hat, wird daher in Ystad noch einige Entdeckungen machen können.

Das Militärmuseum in Ystad dagegen bietet Militärinteressenten kaum etwas Neues, da das private Museum über eine relativ kleine Sammlung verfügt und nicht zur offiziellen Gruppe der militärhistorischen Museen Schwedens gehört. Man sollte es daher mehr als Ergänzung zu den bedeutenderen Museen dieser Art betrachten.

Wer sich für das bürgerliche Wohnmilieu des 19. Jahrhunderts interessiert, sollte einen Abstecher ins Charlotte Berlins Museum machen, denn das Haus mit seiner gesamten Einrichtung ist so erhalten geblieben wie es Ende des 19. Jahrhunderts war und gehört damit zu den wenigen Museen Schwedens, die diese Epoche in Form eines Museums optisch erhalten haben.

In Ystad findet man den südlichsten Tierpark des Landes mit exotischen Tieren aus den verschiedensten Ländern und einem relativ bedeutenden Terrarium, wo man vor allem Schlangen, Echsen, Schildkröten, sowie Frösche und Kröten findet. Der Tierpark des Ortes ist auch Hunden nicht verschlossen und verfügt über ein Freizeitgebiet mit Swimmingpool, ist aber nur während des Sommers geöffnet.

Wer ein Fan von Kurt Wallander ist, sollte Ystad Anfang Juli besuchen, denn zu dieser Zeit findet jedes Jahr der Volkslauf „Kurt Wallanders Fotspår“ statt, der entlang der Straßen führt, die in den Filmen eine gewisse Rolle spielen. Da es sich dabei um eine Strecke von drei Kilometern und eine andere von sechs Kilometern handelt, können auch etwas weniger trainierte Läufer teilnehmen.

Wer sich nach der Kultur, die Ystad bietet, müde fühlt, kann sich Richtung Strand machen und einen 40 Kilometer langen Sandstreifen entdecken, wobei Ystad sogar zu den sehr wenigen Städten Schwedens gehört, die einen Sandstrand mitten in der Stadt anbieten können.

Wer bereits Ystad besucht, sollte allerdings nicht vergessen, dass die berühmte Schiffssetzung Ale stenar nur etwa acht Kilometer östlich vom Zentrum der Stadt entfernt ist und auf seiner Höhe von 30 Metern über dem Meeresspiegel nicht nur einen Blick in die Vergangenheit Schwedens zulässt, sondern auch eine beeindruckende Sicht öffnet.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/10/03

Kristianstad, die Stadt im Wasserreich

Obwohl die Geschichte von Kristianstad nur  bis zum Kalmarkrieg zurückreicht und es sich daher um eine sehr junge Stadt Schwedens handelt, so bietet sie zwei Besonderheiten, die sie gewissermaßen einmalig machen. Zum einen erinnert die Stadt in ihrem Siegel und ihrem Wappen an den dänischen Herrscher Kristian IV., was wohl keine andere Stadt weltweit bieten kann, da man in der Regel das eigene Land hervorheben will und zum anderen liegt der tiefste Punkt Kristianstads 2,41 Meter unter dem Meeresniveau. Dies ist auch der Grund, warum man in Kristianstad Dämme findet und Pumpen ständig dafür sorgen müssen, dass die ganze Stadt trocken bleibt.

Wer Kristianstad von der Luft aus betrachtet, sieht sehr deutlich wo die ursprüngliche Stadt aus dem 17. Jahrhundert liegt, denn der Ort war von Grund auf als Festung gedacht, die von einem Wallgraben, Wällen und Bastionen geschützt sein sollte. Heute kann man sich die Art der Befestigung am besten an der Bastionen Konungen ansehen, eine der ursprünglich zehn Bastionen, die die Stadt schützen sollten, auch wenn es sich bei der Bastionen Konungen nur um eine Rekonstruktion handelt, die den Karten Kristianstads vom Ende des 18. Jahrhunderts entsprechen.

Das Stora Kronohuset von 1841 in Kristianstad

Im Regionmuseet in Kristianstad kann man, außer temporären Ausstellungen und der Entwicklung Skånes von der Steinzeit bis heute vor allem die 400-jährige Geschichte der Stadt im Wasserreich entdecken und erfährt auch so manches von den Plänen verschiedener Stadtplanern, die nie realisiert wurden.

Nachdem in Kristianstad im Jahre 1909 der erste Spielfilm auf schwedischem Raum gedreht wurde, ist es nicht erstaunlich, dass man hier auch ein Filmmuseum findet, das nicht nur die Geschichte des schwedischen Films und Kinos in Wort, Bild und Ton präsentiert, sondern auch einen Raum hat, der den Filmproduktionen in Skåne gewidmet ist. Wenn man die Requisiten und die Geräte betrachtet, die man 1909 benötigte um Filme zu drehen, so gewinnt man eine völlig neue Einstellung zum heutigen Filmgeschäft.

Die Kunsthalle in Kristianstad dient nicht nur Ausstellungen von Gegenwartskunst aus der ganzen Welt, sondern hat sich seit seiner Gründung im Jahre 2001 zu einem Forum entwickelt in dem man auch über Kunst spricht und Vorträgen lauscht. Der Eintritt zur Kunsthalle ist grundsätzlich kostenlos.

Für jene, die sich weder für Kunst, noch für Geschichte interessieren, bietet Kristianstad zwei weitere Museen, nämlich das Artillerimuseet, das erst 2008 gegründet wurde, nachdem die Verteidigung die Garnison verlagert hatte. In diesem Museum kann man die militärische Geschichte von der Gründung der Stadt bis heute verfolgen, wobei die Schwerpunkte natürlich im 20. Jahrhundert und der Zeit des Kalten Krieges liegen. Und schließlich gib es noch das Eisenbahnmuseum, das nicht nur die Eisenbahnkultur und die Entwicklung der Eisenbahn in Schweden zeigt, sondern im Sommer auch Ausflüge mit historischen Zügen organisiert und zu temporären Ausstellungen einlädt.

Naturliebhaber werden sich allerdings im Naturum Vattenriket, dem Wasserreich Kristianstads am wohlsten fühlen, das sich nahezu an der Stadt selbst befindet und die Ursache dafür war, dass man Kristianstad gegen Hochwasser schützen musste und diese Vorkehrungen weiterhin ausbaut, da es immer wieder Hochwasser gelingt Teile der Stadt zu erobern. Im Naturum kann man mit dem Besuch der Ausstellungen beginnen und Informationen sammeln um anschließend das Feuchtgebiet mit seiner reichen Tier- und Pflanzenwelt zu Fuß zu erkunden.

Rund zehn Kilometer von Kristianstad entfernt und zwei Kilometer außerhalb des Ortes Ovesholm findet man das Schloss Ovesholm, das allerdings seit dem 16. Jahrhundert in der gleichen Familie blieb und nicht besichtigt werden kann und über eine außerordentliche Kunstsammlung und ebenso berühmte Bibliothek verfügt. Der Park im englischen Stil ist für die Allgemeinheit offen, wobei dort auch seit einigen Jahren ein Weihnachtsmarkt stattfindet und im Sommer Konzerte organisiert werden.

Copyright: Herbert Kårlin