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2012/10/22

Åre, vom Pilgerort zum modernen Skisport

Auch wenn Åre nur einer der kleineren Orte im Jämtland ist, so hatte dieser Ort bereits im 12. Jahrhundert eine gewisse Bedeutung, denn Åre liegt am historischen Pilgerpfad des Sankt Olav, wovon heute noch die Gamla Kyrka im Ort zeugt. Im 18. Jahrhundert verzeichnete man dann an der gleichen Stelle den frühen Bergtourismus Schwedens, auch wenn man damals vor allem wegen der frischen Luft kam, der man eine heilende Kraft nachsagte.

Als dann 1882 die Eisenbahn nach Åre kam, entwickelte sich der Ort, der noch heute nur knapp 1500 feste Einwohner zählt, mit seinem Åreskutan, dem Skiberg des Ortes, zu einem modernen Tourismusort an dem sehr schnell Hotels gebaut wurden und im Jahre 1910 eine Bergbahn gebaut wurde. Mit der Weltmeisterschaft in Ski Alpin im Jahre 1954 war Åre denn allgemein bekannt, auch wenn es dem Ort dadurch nicht gelang die Abwanderung zu verhindern und die Winteraktivitäten sich kaum rentabel zeigten. Erst als der schwedische Großkonzern Skistar AB die gesamten Skianlagen kaufte, begann sich Åre zu einem Zentrum des schwedischen Skisports zu entwickeln und man begann auch an einem Sommertourismus zu arbeiten.

Die bedeutendste Sehenswürdigkeit Åres ist vermutlich die Gamla Kyrka, eine Steinkirche, die in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhundert gebaut und im 18. Jahrhundert erweitert wurde. In der Kirche findet man ein Skulptur des Heiligen Olav des 14. Jahrhunderts, wobei diese Kirche für die Pilger deswegen von so großer Bedeutung war, da der Heilige nach einer Legende hier begraben wurde.

Bei einem Besuch in Åre steht natürlich der Åreskutan im Zentrum, der sowohl im Sommer als auch im Winter seine Anziehungskraft nicht verliert und während des Sommers Wanderwege bietet, im Winter dann jeden Schwierigkeitsgrad an Skipisten. Eine besondere Attraktion ist dabei die Bergbahn von 1910, mit der man auf einer Strecke von 790 Meter einen Höhenunterschied von 158 Metern erreicht.

Åre verfügt mit seinen Hotels, rund 30 Restaurants und etwa 20 Nachtklubs über ein Angebot, das man kaum in einem anderen schwedischen Ort dieser Größenordnung findet und lädt daher nicht nur zum Wandern oder Skilaufen ein, sondern sorgt auch für das abendliche Vergnügen und die verschiedensten Essensansprüche.

In Åre öffnete 2005 eine künstlerische Glashütte in der die beiden Besitzerinnen das ganz Jahr über Besucher zu einem Blick in ihr Atelier einladen und moderne schwedische Glaskunst präsentieren, wobei für Annika und Ann-Katrin modernes Design im Vordergrund steht.

Wer bereits in Åre ist, sollte jedoch nicht vergessen, dass auch die Umgebung einige Sehenswürdigkeiten bietet, die dem Besucher das Jämtland näher bringen können. Denn im Njarka Sameläger bei Duved kann man, umgeben von Rentieren, das heutige Leben in einem Lager der Sami entdecken und im Gespräch die Geschichte dieser unbekannten Welt erfahren, auch wenn man sich dort nicht für die Besucher in die traditionellen Trachten wirft, sondern sich wie Jedermann kleidet.

Ebenfalls in der Nähe von Duved findet man auch die Milles Moose Farm, wo sich der Besucher mit dem Leben der Elche vertraut machen kann und erfährt, warum die Tiere als die Könige der Wälder bezeichnet werden. Außer Elchkäse kann man hier auch Elchwaffeln kosten, was vermutlich nirgends anders auf der Welt möglich ist.

Auf der Ostseite des Berges Åreskutan liegt die Fröå Gruva, ein altes Kupferbergwerk, das zwischen 1744 und 1919 ausgebeutet wurde. Nachdem ab dem Jahre 1990 die gesamte Installation wieder restauriert wurde, ist es hier heute möglich von Juni bis August zu erleben wie die Arbeiten in den früheren Kupfergruben Schwedens von sich gingen.

Nicht weit von Åre entfernt liegen auch zwei der vermutlich spektakulärsten Wasserfälle Schwedens. Denn am Tännforsen bei Duved stürzen pro Sekunde rund 700 Kubikmeter Wasser pro Sekunde 38 Meter in die Tiefe und am Ristafallet findet man einen 50 Meter breiten Wasserfall an dem im Winter die Eisformationen ein Kunstwerk schaffen.

Wer nicht nur am Åreskutan klettern oder Skilaufen, nicht nur von den Aktivitäten am Åreälven und dem Öster-Jansjön profieren will, die Grotten bereits kennt und nicht vom Mountainbike angezogen wird, kann sich im Lanthandelsmuseet in Kall, dem Huså Grubenmuseum, den Waldmuseum in Mörsil, der Åre Schokoladenfabrik in Björnänge und den zahlreichen Kapellen der Umgebung Åres einen weiteren Blick in die Geschichte des Jämtland werfen.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/30

Östersund, die Winterstadt Schwedens

Östersund ist nicht nur die einzige Stadt im Jämtland, sondern auch die einzige Stadt Schwedens, die erst im 18. Jahrhundert gegründet wurde und bereits Stadt war als gerade einmal ein einziger Bauernhof am zukünftigen Zentrum Östersunds lag.

Gustav III. unterzeichnete den Gründungsbrief für Östersund im Jahre 1786. Der erste Stadtplan wurde ihm dann 1788 vorgelegt und Ende des 19. Jahrhunderts begann sich dann auch tatsächlich die geplante Stadt zu entwickeln, auch wenn sie nie die Funktion einnahm, die sich die schwedischen Könige gewünscht hatten, denn Östersund sollte dazu führen, dass sich die Region tatsächlich Schweden anschließt und nicht mehr Norwegen als den wichtigsten Handelspartner betrachtet. Die einzigen, die sich jedoch wirklich nach Schweden ausrichteten, waren Siedler aus anderen Regionen, die durch den Umzug nach Östersund 20 Jahre lang von den Steuern befreit waren und zudem den Gilden in den anderen Städten des Landes entkommen konnten.

Da auch Östersund in den 60er und 70er Jahren der Versuchung nicht widerstehen konnte eine moderne Zukunftsstadt zu bauen, sieht man heute nur noch in der Storgatan das Stadtbild aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, was sich vor allem den Holzfassaden und der Architektur der Häuser zeigt. Diese Straße ist einer der am besten erhaltenen Straßenzüge ganz Schwedens aus dieser Epoche.

Als Kennzeichen Östersunds bezeichnet man das 51 Meter hohe Rathaus der Stadt, das mit seinen 136 Zimmern eher einer Festung ähnelt als einem Rathaus, was der Glockenturm in typischem Stil des nationalromantischen Baus noch verstärkt und in der Architektur eines der Beispiele für die typisch schwedische Bauweise des beginnenden 20. Jahrhunderts gilt, auch wenn einer der ursprünglichen Flügel des Gebäudes abgerissen wurde.

Wenn man von Östersund spricht, so denkt man natürlich auch an Jämtli, das bedeutendste Museum Jämtlands mit seinem Museumsdorf in dem man im Sommer die Geschichte der Region aus nächster Nähe erleben kann und im Winter der Weihnachtsmarkt einen Höhepunkt bietet. Jämtli ist, außer dem Historienland, immer aktiv und bieten alle zwölf Monate des Jahres Aktivitäten. Im Jämtli kann man auch die Wandteppiche von Överhogdal betrachten, die weltweit älteste gewebte Bildserie.

Während weder die Stora Kyrkan (Stadtkirche), noch die alte Kirche von Östersund wirklich ein Anziehungspunkt bilden, wenn man davon absieht, dass  die alte Kirche noch aus Holz gebaut wurde, so sollte man auf jeden Fall die Insel Frösö mit seiner Kirche aus dem 12. Jahrhundert und den Frösöstein besuchen, zumal man diesen Teil Östersunds als die älteste Siedlung Jämtlands betrachtet.

Der Frösö Zoo ist eine Mischung aus Tierpark und Vergnügungspark sowie Jämtlands meist besuchte Einrichtung, wo man nicht nur 700 überwiegend exotische Tier entdecken kann, sondern auch einen Blick auf Dinosaurier und Mammuts werfen kann. Der Zoo verfügt auch über das einzige biologische Museum in Nordschweden.

Die modernste Sehenswürdigkeit Östersunds ist Arctura, der Akkumulatortank des Energiekonzerns Jämtkraft, der lokal nur als Thermoskanne bezeichnet wird. Das Gebäude ist mit 7600 kleinen Lampen verkleidet, deren Beleuchtung sich im Laufe der Nacht ständig verändert, wobei eines der Lichtprogramme auch als Nordlicht bezeichnet wird.

Während im Sommer die Besucher Östersunds vom Abenteurbad Storsjöbadet mit seinen Rutschbahnen, Kletterwänden und anderen Attraktionen angezogen werden, findet man von Februar bis April den Winterpark (Vinterparken), der mit seinen Skispuren, Schlittschuhbahnen, der Schneeburg und den Grillplätzen ein Anziehungspunkt für die gesamte Umgebung geworden ist. In Zusammenhang mit diesem Winterland auf und neben dem Storsjön, sowie den zahlreichen Winteraktivitäten in der nahen Umgebung Östersunds, ernannte sich die Stadt im Jahr 1996 zur Winterstadt Schwedens.

Wer Östersund besucht, sollte auch nicht vergessen einen Besuch im Gaaltjie einzuplanen, dem südsamischen Kulturzentrum, einem Ort an dem man alle Informationen zur Geschichte und dem Leben der Südsamen findet und eventuell auch einem interessanten Vortrag lauschen kann.

Ende Juli jeden Jahres findet im Zentrum Östersunds das Storsjöyran oder kurz Yran statt, eines der ältesten Stadtfestival Schwedens, wo auf acht Bühnen rund 70 Gruppen auftreten, ein Festival, das später in zahlreichen Städten Schwedens kopiert wurde, denn das erste schwedische Festival dieser Art wurde in Östersund veranstaltet, auch wenn sich kaum noch jemand daran erinnert.

Wer im Sommer in Östersund ankommt, kann den Storsjön auch mit einem über 100 Jahre alten Dampfer entdecken, denn sowohl die S/S Thomée als auch die S/S Östersund bieten regelmäßig die unterschiedlichsten Ausflüge an.

Durch einen Zusammenschluss der Hochschulen in Sundsvall, Östersund und Härnösand, entstand in Östersund eine Zweigstelle der Mittuniversitetet, wobei die Schwerpunkt in Östersund im Bereich der Gesellschaftswissenschaften und der Sozialwissenschaften zu suchen ist, allerdings auch Forschung in Betriebswirtschaft, Psychologie und Soziologie betrieben wird. Östersund zählt im Schnitt etwa 7000 Studenten.

Copyright: Herbert Kårlin