2012/10/12

Varberg, das Paradies für Surfer und Kurgäste

Wann sich die ersten Menschen in Varberg ansiedelten, ist heute nicht mehr festzustellen, denn das Getsjö von dem Saxo Grammaticus in Zusammenhang mit der Schlacht bei Nissan im Jahre 1062 schreibt, konnte bisher nicht gefunden werden. Allerdings ist dies auch nicht sehr verwunderlich, da Varberg, das noch im 14. Jahrhundert als Getakärr bezeichnet wurde, mehrmals verlagert wurde und seinen heutigen Platz erst im 17. Jahrhundert fand.

Die Entwicklung Varbergs ging, auf Grund der geografischen Lage, sehr langsam voran, denn die Stadt wurde während des nordischen Siebenjährigen Kriegs zerstört, dann während des Kalmarkrieges und letztendlich brannte Varberg im Jahre 1666 auch noch ab. Erst danach konnte sich, an einer neuen Stelle, der Ort langsam entwickeln, obwohl ein neuer Großbrand im Jahre 1767 wieder einen Rückschlag verursachte. Erst mit der Ankunft der Eisenbahnlinie im Jahre 1880 konnte dann auch Varberg von der Industrialisierung Schwedens profitieren.

Die Festung in Varberg

Varberg ist heute eine relativ moderne Stadt, die mit dem schwedischen Bauboom von den 50er bis zu den 70er Jahren jeden mittelalterlichen Charakter verloren hat, wenn man von der Festung absieht. Heute ist Varberg einer der besten und der größten Kurorte Schwedens, ist zehn Monate des Jahres ein Paradies für Surfer, die Wind und Wasser suchen und wird damit bedeutend vom Tourismus beeinflusst, aber auch vom nahen Kernkraftwerk Ringhals, wo rund 1200 Personen ihren Arbeitsplatz haben.

Wer heute Varberg besucht und sich weder für den Kurort interessiert, noch aber ein Surfbrett besitzt, wird mit Sicherheit der Festung Varberg aus dem Jahre 1287 einen Besuch abstatten, die im 17. Jahrhundert als die modernste Verteidigungsanlage Nordeuropas galt, aber nach den letzten Umbauten nie in eine kriegerische Handlung verstrickt war, da sie mit dem Frieden in Brömsebro im Jahre 1645 an Schweden fiel und dadurch die Grenzsituation verschwand.

Das beeindruckendste Gebäude Varbergs ist jedoch das auf Holzpfeilern errichtete Kaltbadhaus am Kattegatt mit nach Geschlechtern getrennten Nacktbadeanlagen und den typischen schwedischen Saunas (bastu). Direkt entlang des Gebäudes, das in den 90er Jahren vollständig renoviert wurde, führt auch die Strandpromenade, die auch zur Festung führt.

In der Festung selbst findet man auch das kulturhistorische Museum Hallands, das die Geschichte der gesamten Region Halland erzählt und selbst den Knopf ausstellt, der angeblich Karl XII. im Jahre 1718 tötete, aber auch den Bockstensmannen, ein Skelett aus dem 14. Jahrhundert, an dem noch Haare und Kleidung erhalten sind.

Einen Blick in das 18. Jahrhundert erlaubt die Bolastugan, der einzige Bauernhof Schwedens in dem die gesamte Einrichtung vom Ende des 18. Jahrhunderts erhalten wurde. Auch die sogenannten Bonadsmålningar, gewebte Bilder mit überwiegend biblischen Motiven, sind vollständig erhalten und können bei einem Besuch aus aller Nähe betrachtet werden.

Die Kirche Varbergs in gustavianischen Stil stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist daher relativ jung, was jedoch darauf zurückzuführen ist, dass die vorherige Kirche einem Großbrand zum Opfer fiel. Die neoklassischen Dekorationen im Inneren des Gebäudes fielen leider den Renovierungsarbeiten im 20. Jahrhundert zum Opfer. Auch andere Teile der Kirche wurden noch im 19.  und 20. Jahrhundert umgebaut.

Ausflugsziele, die man von Varberg aus nicht missen sollte, ist das Weltkulturerbe Grimeton, eine Radiostation aus dem Jahre 1924, die noch heute voll funktionsfähig ist, allerdings nur während des Sommers besucht werden kann. Auch wenn Grimeton heute technisch überholt ist, so wird die Anlage mindestens dreimal im Jahr für Sendungen eingesetzt. Besonders beeindruckend ist dabei, dass die Mehrheit der großen Geräte, die man dort findet, heute in einem Handy Platz haben.

Der zweite Ort, den man besuchen sollte sind die sprechenden Steine von Bexells, die man bei Torstorp finden kann. Alfred Bexell schlug Ende des 19. Jahrhunderts 160 Sätze in Fels um seine Lebensphilosophie auch den zukünftigen Generationen mitzuteilen. Zusätzlich zu den Lehrsätzen findet man eine Sammlung von 560 Namen von bedeutenden Persönlichkeiten.

Copyright: Herbert Kårlin

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