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2012/10/24

Jönköping, die schwedische Stadt der Streichhölzer

Jönköping war auf Grund seiner Lage vermutlich bereits seit der Steinzeit besiedelt, aber da die heutige Stadt über den vorhergehenden Ansiedlungen entstand, sind aus allen früheren Epochen nur Einzelfunde bekannt. Der Rest ist vermutlich unter dem Sandgrund der Stadt für immer begraben. Aller Wahrscheinlichkeit nach erhielt Jönköping seine Stadtrechte von Magnus Ladulås am 18. Mai 1248, wobei es sich dabei um die ersten schwedischen Stadtprivilegien handelt, die in Latein ausgestellt wurden.

Dass Jönköping sich sehr früh zu einer Stadt entwickelte, hatte mehrere Gründe, denn zum einen kreuzten sich hier mehrere Handelswege, so dass es logisch war diese Stelle auch zu einem Handelort zu machen. Zum anderen war hier die südlichste Stelle der Eriksgatan, also des mittelalterlichen Königspfads, den jeder neu gewählte König nehmen musste. Hinzu kommt die ideale Lage am Vättern und die Landwirtschaft, die dafür sorgen konnte, dass die Grubenarbeiter in Bergslagen von hier auch mit Nahrung versorgt werden konnten. Und schliesslich handelte es sich bei Jönköping auch noch um die letzte größere Bastion gegen Dänemark, das vis zum Frieden von Roskilde sen südlichsten Teil Schwedens besaß.

Blick auf Jönköping

Das heutige Jönköping entstand durch die Eingemeindung der umliegenden Orte, unter anderem von Huskvarna, und ist durch den Munksjön in zwei Teile geteilt, die über sechs Brücken miteinander verbunden sind. Auch wenn die Stadt Jönköping sehr früh entstand, so hat sie, allein wegen der zahlreichen Brände und Kämpfe, die hier zwischen Dänemark und Schweden gekämpft wurden, keinen mittelalterlichen Charakter behalten, sondern gehört zu den modernen schwedischen Städten mit einigen wenigen Gebäuden, die noch aus dem 17. Jahrhundert erhalten sind.

Das Jönköpings Läns Museum ist eine Fundgrube für alle, die mehr über die Geschichte Jönköpings, einer Residenzstadt im Småland, erfahren möchten, da sich die Sammlungen von Archäologie bis zu industriellen Gegenständen erstrecken, wobei man in der Kunstabteilung vor allem schwedische Kunst der letzten 200 Jahre finden kann. Nach gegenwärtigen Renovierungsarbeiten öffnet das Museum erst im Frühjahr 2013 wieder.

Ein weltweit einzigartiges Museum ist das Tändsticksmuseet (Streichholzmuseum) der Stadt, das die Geschichte der Streichhölzer und deren Herstellung unter den verschiedensten Aspekten schildert. Das Museum ist in einer früheren Streichholzfabrik des 19. Jahrhunderts eingerichtet und noch ein Zeuge der Glanzzeit der Streichholzindustrie in Jönköping, denn zeitweise waren hier fünf Streichholzfabriken gleichzeitig voll ausgelastet.

In einem der ältesten Häuser Jönköpings findet man das Viktor Rydbergsmuseet, das allerdings nicht nur dem bekannten Skalden Viktor Rydberg gewidmet ist, sondern auch der Geschichte des Stadt, allerdings begrenzt auf die Epoche als der große schwedische Dichter in Jönköping wirkte.

Technikinteressierte Besucher sollten in Jönköping an das größte Radiomuseum Schwedens denken, das etwa 1000 der vorhandenen 3200 Sammelstücke aus der rund 100.-jährigen Geschichte von Radiogeräten, Phonogrammen, ersten Aufzeichnungsgeräten und selbst historischen Messgeräten zur Radiotechnik präsentiert.

Der 430.000 Quadratmeter große Stadtpark in Jönköping bietet nicht nur Wanderwege und Sportmöglichkeiten, sondern hat auch ein kleines Museumsdorf, dessen ältesten Gebäude aus dem 17. Jahrhundert kommen und im Sommer zu besichtigen sind, sondern  hier liegt auch das Vogelmuseum mit seinen 1458 ausgestopften Vögeln und einer Sammlung von 2580 Eiern von 281 verschiedenen Vogelarten, eine einmalige Chance die Vogelwelt des Nordens zu entdecken.

Ein besondere Sehenswürdigkeit Jönköpings ist auch der Vattenledningsparken, das erste Wasserwerk Jönköpings, das allerdings bereits seit 1958 außer Betrieb ist, aber in restauriertem Zustand nun ein Stück Industriegeschichte des 19. Jahrhunderts bietet. Zudem findet man hier drei Springbrunnen aus dem Jahre 1865, die durch Eigendruck funktionieren.

Die Sofiakirche in Jönköping ist relativ jung und wurde erst 1888 fertiggestellt und dominiert mit ihrem neugotischen Stil das Stadtbild. Das Glanzstück der Kirche, die nach Königin Sofia benannt wurde, ist das Gemälde „Måltiden i Emmaus“, das in Rom erworben wurde und aus dem 17. Jahrhundert stammt.

Wer in und um Jönköping nach Natur sucht, findet vor allem zwei interessante Stellen. Zum einen das Naturschutzgebiet Bondberget, das Jönköping von Huskvarna trennt und eine herrliche Aussicht über den Vättern bietet und etwa zehn Kilometer westlich von Jönköping findet man mit dem Dumme Mosse die letzte Wildnis Südschwedens mit einer erstaunlichen reichen Tier- und Pflanzenwelt.

Wer den Vättern nicht mit einem Kanu oder Kajak entdecken will, dem bietet sich in Jönköping auch die Möglichkeit einen Ausflug mit der M/S Nya Skärgården aus dem Jahre 1915 zu machen
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Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/25

Huskvarna, die verschwundene Stadt

Wann Huskvarna besiedelt wurde, ist unbekannt, da sich die schwedische Geschichte mehr in Jönköping oder auch auf Visingsö abspielte und Huskvarna daher mehr ein Durchgangsort war. Die Besonderheit des Ortes war jedoch der Fluss Huskvarnaån, der durch sein Gefälle ein ideales Wasser für Mühlen, und dadurch für Handwerksbetriebe, und Industrie war, zumal Endprodukte sowohl ins nahe Jönköping geliefert werden konnten als auch an alle Orte, die am Vättern lagen.

Diese Lage führte auch dazu, dass 1689 ein Teil der Gewehrfabrik von Jönköping nach Huskvarna verlagert wurde und damit den industriellen Aufstieg des Ortes verursachte. Aus dieser Gewehrfabrik hat sich im Laufe der Jahrhunderte der Huskvarna Konzern entwickelt, der im Jahre 1930 rund 20 Prozent der Einwohner Huskvarnas beschäftigte und heute ein bedeutender Weltkonzern ist und vermutlich besser bekannt ist als der Ort am Vättern selbst.

Das Schmiede-Dorf in Huskvarna

Die industrielle Entwicklung Huskvarnas führte auch dazu, dass der Ort im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Größe einer Stadt erreicht hatte, zwei Eisenbahnlinien den Ort anfuhren und die Hafenaktivität eine bedeutende Dimension annahm. Die Stärke Huskvarans war die Wasserkraft geworden, was man heute noch am Wasserkraftwerk sehen kann und von den Besuchern an einigen Tagen des Jahres am Wasserfall Huskvarnafallen entdeckt werden kann, wenn die Wassermassen 116 Meter in die Tiefe stürzen.

Genau diese Entwicklung sollte auch das Ende der eigenständigen Stadt Huskvarna einleiten, denn der Ort, der 1907 als Köping zum Handelsort und 1911 zu einer eigenen Stadt geworden war, wurde 1971 in Jönköping eingegliedert und damit wieder zu einem Stadtteil reduziert, auch wenn sich dort nahezu 20 Prozent der Gesamtbevölkerung Jönköpings konzentrieren.

Nicht erstaunlich ist es daher, dass man in Huskvarna seit 1993 das Fabrikmuseum findet, das die 300-jährige Geschichte der Huskvarna AB erzählt, angefangen von den alten Handfeuerwaffen, über Haushaltsgeräte bis zu computergesteuerten Rasenmähern, nicht zu vergessen die Haushaltsmaschinen, Fahrräder oder selbst das Motorrad von 1911. Kein anderes schwedische Museum kann die industrielle Entwicklung Schwedens besser dokumentieren als jenes in Huskvarna.

Nur etwa 300 Meter entfernt vom Museum findet man, gewissermaßen als Ergänzung, das „Schmiededorf Huskvarna“, eine Art lebendes Museumsdorf das heute nicht nur als Museum dient, sondern von zahlreichen Handwerkern, Kunsthandwerkern und Künstlern aktiv am Leben gehalten wird. Im Smedbyn findet man auch die größte Kunstausstellung Schwedens auf über 2000 Quadratmetern, deren Besuch allein ein Erlebnis ist.

Im Stadtmuseum von Huskvarna kann man die Geschichte des südlichen Vättern und seiner Besiedlung entdecken, und so nebenbei einen Blick auf das älteste Boot der südlichen Vätternseite werfen, ein Stockboot, das aus einer Eiche geschlagen wurde. Weiterhin kann man auch noch eine virtuelle Reise in der Vätternbucht unternehmen oder die Bedeutung der Rumlaborg in der schwedischen Geschichte erforschen.

Obwohl die Kirche in Huskvarna ein moderner Bau im nationalromantischem Stil ist und keine bedeutenden Kunstschätze bietet, so ist sie von der Architektur her äußerst interessant, da sie den früheren Stabkirchen nachempfunden ist, mit dem Unterschied, dass das Holz nicht senkrecht, sondern waagrecht zusammengefügt wurde. Auch der Bau dieser Kirche erfolgte nur mit bedeutender Unterstützung des Unternehmens Huskvarna.

Wer den Huskvarnafallen besucht, selbst wenn die Wassermassen an diesem Tag durch die Rohre des Wasserwerks geleitet werden, entdeckt mehrere „Töpfe der Riesen“, die kurz nach der Eiszeit entstanden sind und Felsformationen zu Tage treten liessen, die man nur an wenigen Stellen Schwedens entdecken kann.

Copyright: Herbert Kårlin