2012/09/27

Höganäs, die schwedische Stadt, die den Euro akzeptiert

Auch wenn man in Höganäs einige wenige Funde aus der Steinzeit und auch aus den folgenden Epochen machte, so konnte man hier keine feste Ansiedlung und keinerlei wichtigeren historischen Monumente entdecken, die eine bedeutende Aktivität in der näheren Umgebung beweisen könnten.

Erstmals genannt wird Höganäs erst in einem Dokument von 1488, als sich ein kleineres Dorf entwickelte, das vermutlich überwiegend von Fischfang und der Landwirtschaft lebte. Noch Ende des 16. Jahrhunderts zählte man hier jedoch kaum mehr als 20 Haushalte.

Erst ab Ende des 18. Jahrhunderts begann Höganös aus seinem Schlummer zu erwachen, insbesondere, als 1797 Gustav IV. Adolf hier begann Steinkohle abzubauen, eine Aktivität, die, wenn auch in abgewandelter Form, bis Mitte der 60er Jahre fortsetzen sollte und, unter anderem, bereits 1936 dazu geführt hatte, dass Höganäs, das sich zu dieser Zeit aus einem Fischerdorf und einem Grubendorf zu einer einheitlichen Ansiedlung verbunden hatte, zur Stadt ernannt wurde.

Einladung zum Töpfern in Höganäs

Bereits wenige Jahre nach Beginn der Bergwerktätigkeit zeigte sich, dass die Steinkohle in Höganäs nicht ausreichte um eine rentable Grubenaktivität aufrecht zu halten, aber man entdeckte gleichzeitig, dass der Lehm, der hier zu finden war, hervorragend für die Keramikindustrie zu nutzen war und begann sich auf Keramik umzustellen. Und schon ab 1835 begann man serienmäßig Salzsteingut herzustellen, eine feuerfeste Keramik. Als ab 1856 der dänische Skulpteur Ferdinand Ring das Design übernahm, wurde das Steingut sogar weltweit exportiert.

Auch wenn die Grubenindustrie mittlerweile eingestellt ist, so lebt nun die Keramik weiter und in Höganäs haben sich mittlerweile mehrere Künstler niedergelassen, die weiterhin klassisches salzglasiertes Höganäskrus herstellen und damit eine nahezu 200 Jahre alte Keramik-Tradition aufrecht halten. Einige der Ateliers können besucht werden, wobei man dabei den Künstlern auch über die Schultern sehen darf. Neben der traditionellen Keramik findet man nun allerdings auch moderere Keramik und Outlets bieten selbst günstig Iittala-Glas an.

Selbst wenn Höganäs dem Zwang der Modernisierung ab den 60er Jahren nicht widerstehen konnte und sich dadurch zu einer modernen Kleinstadt mit rund 14.000 Einwohnern entwickelt hat, kann man bei einem Spaziergang durch den Ort noch einige historische Gebäude entdecken, unter denen vermutlich das Lerhuset, ein  Wohnhaus aus dem Jahre 1797 am interessantesten ist, da hier die typische Lehmbauweise jener Epoche angewandt wurde. Selbst die Fenster des Hauses entsprechen noch dem ursprünglichen Modell.

Wer den alten Grubenort Höganäs övre besucht, findet noch einige Reste, die an das frühere Bergwerk erinnern, wobei jedoch besonders auffällig ist, dass dieser Stadtteil eine völlig andere Struktur aufweist als jener im ehemaligen Fischerdorf, denn dieser Teil der Stadt wurde vom englischen Stadtplaner Thomas Stawford entwickelt und sollte ursprünglich ein völlig unabhängiger Ort werden. Hier findet man ebenfalls noch einige Häuser aus der Zeit als das Gebiet erschlossen wurde, unter anderem das Haus des Geschäftsführers von 1798 und das alte Stadshotellet von 1860.

In diesem „späteren“ Stadtteil liegt auch das Höganäs Museum, das in einem Gebäude eingerichtet wurde, das als Fyrkanten bekannt ist. Das Museum zeigt die gesamte Geschichte von Höganäs, angefangen vom Steinkohlenabbau, über Keramik, Stadtplanung und selbst die Wohnung eines Arbeiters zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde dort eingerichtet.

Höganäs entwickelt sich heute immer mehr zu einer touristisch geprägten Kleinstadt, die auch aus Ausgangspunkt für die unterschiedlichsten Ausflüge betrachtet wird, denn die Umgebung bietet nicht nur Bademöglichkeiten, sondern rund 20 Kilometer entfernt von Höganäs liegt das größte zusammenhängende Weinbaugebiet Schwedens, im gleichen Abstand findet man die Welt des schwedischen Künstlers Lars Vilks, Ladonien, und von hier aus führen Wanderwege und Fahrradwege zu einer einmaligen Natur mit selten Pflanzen.

Von sich reden machte Höganös jedoch vor allem im Jahre 2009, als die Stadt offiziell den Euro einführte und sich damit zur „Eurocity“ erklärte. Der Eurokurs wird jede Woche neu festgelegt, die Bankautomaten spucken Euro aus und fast alle Geschäfte benutzen den Euro als Zahlungsmittel. Diese Initiative macht Höganäs, vor allem für Gäste des Festlandes, zu einem zusätzlichen, besonderen Erlebnis.

Copyright: Herbert Kårlin

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