2012/09/20

Umeå, die nordschwedische Stadt der Birken

Umeå, die Stadt am Umeälven, ist nicht nur die am dichtest besiedelte Stadt im Norrland, sondern auch die Stadt in Nordschweden, die am schnellsten wächst, denn die Einwohnerzahl hat sich seit 1965 verdoppelt und liegt bereits bei rund 80.000 Einwohnern, was Umeå zur zwölftgrößten Stadt Schwedens macht, die nur noch knapp hinter Lund liegt.

Die ältesten Felsritzungen in der Umgebung Umeås bewiesen, dass bereits 3000 vor Christus Menschen hier verkehrten, auch wenn bisher die ältesten Reste von Häusern und die landwirtschaftliche Nutzung der Umgebung erst ab etwa 1000 vor Christus nachgewiesen werden konnten. Schriftlicht taucht Umeå dann erstmals im Jahre 1314 auf, als der Ort bereits eine Kirche hatte, sowie einen Hafen und damit einer der Handelsorte Nordschwedens war. Dem Hälsingelagen von 1320 kann man auch entnehmen, dass die Bürger hier die Steuern in Form von Fellen zahlen konnten. Die tatsächliche schwedische Besiedlung Umeås fand daher vermutlich gleichzeitig mit Luleå, beziehungsweise seinem Vorgänger, der Kirchstadt Gammelstan, statt.

Das Rathaus in Umeå

Im Jahre 1621 schickte dann der König Gustav II. Adolf seinen Stadtplaner Olof Bure nach Umeå, um die Stadt neu zu planen und dabei eine ideale Lage für die Ansiedlung zu suchen. Bure legte das neue Umeå etwa fünf Kilometer von der alten Ansiedlung an und stellte am 22. Juni 1622 dann die vorübergehenden Stadtprivilegien aus, die von  Königin Kristina dann 1646 durch endgültige Stadtrechte ersetzt wurden. Allerdings muss man bedenken, dass Umeå damals noch einen direkten Zugang zur Ostsee hatte, da die Landhebungen noch nicht so fortgeschritten waren.

Die Stadt der Birken wurde Umeå jedoch erst nach dem Großbrand vom 25. Juni 1888, als die Stadt nahezu vollständig abbrannte und neu gebaut werden musste. Um weitere Großbrände zu verhindert, legte man im neuen Umeå breite Straßen an, denen entlang überall Birken gepflanzt werden mussten, da diese Bäume sehr viel Feuchtigkeit enthalten und eine Art Brandschutz bilden.

Wenn man Umeå besucht und kennen lernen will, so sollte man als erstes das Västerbottens Museum in Gammlia besuchen, da man neben dem Museum auch ein Museumsdorf mit etwa 40 historischen Gebäuden und drei Koten der Sami findet. Zusammen mit dem Museumsbesuch wird man anschließend Umeå besser verstehen.

Auf Grund des Brandes im Jahre 1888 ist Umeå eine relativ moderne Stadt, die vor allem den Stempel des Architekten Fredrik Olaus Lindström trägt, der, unter anderem, auch das Rathaus und die Stadtkirche Umeås erbaute, die beide den typischen Stil vom Ende des 19. Jahrhunderts tragen.

Auch wenn man Umeå häufig nur als Ausgangspunkt für Ausflüge in Västerbotten nimmt, da die Besucher die Wildnis des Nordens lockt, so sollte man nicht vergessen, dass Umeå mit dem Bildmuseet über eines der größten schwedischen Museen zur bildlichen Gegenwartskunst verfügt, das zudem die vermutlich beste Aussicht über die Stadt bietet.

Am Rande der Stadt, dem Siedlungsgebiet Umedalen, findet man den international bekannten Skulpturenpark Umeås. Selbst wenn die großen Ausstellungen internationaler Skulpteure in Form einer Biennale nur alle zwei Jahre während des Sommers stattfinden, so kauft die Stadt regelmäßig weitere Kunstwerke ein, die man hier das ganze Jahr über bei einem Spaziergang von einer guten Stunde entdecken kann.

Wer sich für Astronomie interessiert, sollte das Planetarium Umevatoriet besuchen, denn hier kann man den Weltraum in einer technisierten digitalen Welt entdecken und sich auf einen fernen Stern versetzen lassen. Nach der digitalen Entdeckung kann man natürlich auch noch in die Kuppel gehen und einen Blick in das MEAD-Teleskop werfen.

Einige Kilometer außerhalb der Stadt findet man im Sommer die UmeLagun, ein Abenteuerbad mit mehreren Attraktionen, Bubblepool und selbst einen Pool mit warmem Wasser.

An Freizeitaktivitäten mit Fahrrad, Kanu oder zu Fuß bietet Umeå nahezu für jeden etwas, denn an was es um die Stadt Umeå nicht mangelt, sind Wald und Wasser.

Da Umeå über eine moderne Universität mit mehreren Fakultäten verfügt, an denen rund 36.000 Studenten eingeschrieben sind, ist das kulturelle Leben der Stadt sehr ausgeprägt. Mit der Norrlandsoper, mehreren Theater und Musikveranstaltungen jeder Art, gilt Umeå als die Kulturstadt Schwedens. Besonders herausragend ist dabei die Umeå Kulturnatta im Mai, die jedes Jahr rund 50.000 Besucher anzieht und etwa 300 verschiedene Angebote bietet. Im Jahre 2009 wurde Umeå zur europäischen Kulturhauptstadt für 2014 ernannt.

Copyright Text und Foto: Herbert Kårlin

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