2012/09/10

Gävle, die Stadt des brennenden Weihnachtsbocks

Gävle im Gästriksland ist mit seinen knapp 72.000 Einwohner die dreizehnt größte Stadt des Landes und liegt durch die Gävlebucht direkt an der Ostsee, was in der Geschichte Gävles von großer Bedeutung war. Einen gewissen Ruf erwarb Gävle durch den Weihnachtsbock, der trotz aller Sicherheitsmaßnahmen nahezu jedes Jahr in Flammen aufgeht und durch die schwedische Kaffeemarke Gevalia, was nichts anderes als der lateinische Name des Ortes ist.

Wann Gävle erstmals besiedelt wurde, ist unbekannt, aber bereits 1413 wird der Ort in offiziellen Dokumenten als Stadt bezeichnet und die ältesten bekannten Stadtprivilegien stammen von 1446, wobei der Hafen für den Export von Eisen aus dem nördlichen Bergslagen benutzt wurde und die Fischer Gävles über lange Zeit hinweg auch das königliche Monopol auf den Fischfang entlang der gesamten nordschwedischen Küste hatten.

An der Drottninggatan in Gävle findet man einen besonderen Gävlebocken

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Gävle zu einer der bedeutendsten Industriestädte nördlich von Stockholm, da sich hier Papierindustrie, mechanische Industrie und Textilindustrie ansiedelten zu denen sich dann die Herstellung von Süßigkeiten, Werft und chemische Fabriken gesellten. Dieser Entwicklung ist zu verdanken, dass sich Gävle auch als Stadt behaupten konnte, wobei Gävle bis heute in einem beachtlichen Tempo weiterwächst. Im Jahre 1800 hatte die Stadt 5410 Einwohner, deren Anzahl sich innerhalb eines Jahrhunderts vervierfachte und nun jedes Jahr um rund 600 Personen anwächst.

Der heute größte touristische Anziehungspunkt Gävles ist das Eisenbahnmuseum mit einer weltweit einzigartigen Sammlung, die die 150-jährige Geschichte der Eisenbahn unter den verschiedensten Aspekten und an Originalen sowie an Modellen, Uniformen und vielem anderen zeigt.

Das Schloss in Gävle wurde nach dem Brand im Jahre 1727 nicht mehr in der früheren Bauweise errichtet, sondern gleicht mehr einem großen Wohnhaus. Das Gebäude wird vom Vertreter der Regionalregierung bewohnt und kann nicht besichtigt werden, im Gegensatz zum Schlosspark, der für die Allgemeinheit geöffnet ist.

In nächster Nähe des Schlosses findet man das Gefängnismuseum, das in zwei Teile geteilt ist. Auf der einen Seite der Straße findet man das düstere Schlossgefängnis und auf der anderen das Zellengefängnis. In diesem Museum wird die Geschichte des gesamten schwedischen Strafsystems dokumentiert, wobei man auch frühere Sträflinge in Form von Puppen entdecken kann.

Wer sich mehr für Kunst interessiert, findet in Gävle das Länsmuseet Gävleborg, das sich insbesondere auf die schwedische Kunst der 60er und der 70er Jahre spezialisiert hat. Carl Larsson, Bruno Liljefors und Sigrid Hjerén sind nur einige der Namen, die das Regionalmuseum zu einem Anziehungspunkt machen.

Ein Erlebnis besonderer Art kann der Besuch in der Whiskydestillerie Mackmyras sein, die direkt im Anschluss an Gävle zu finden ist und wo in der Gravitationsdestillerie schwedischer Whisky hergestellt wird. Der Besucher kann dort innerhalb von 90 Minuten das Gesamtverfahren der Whiskyherstellung verfolgen, allerdings das hochprozentige Getränk nicht erwerben, da der Verkauf den Systembolaget vorbehalten ist.

Die Heliga Trefaldighets Kyrka im Zentrum Gävles wurde erst Mitte des 17. Jahrhunderts gebaut und in der Folgezeit mehrmals restauriert. Außer einem Runenstein hat die Kirche relativ wenig zu bieten und dient überwiegend dem Gebet.

Nicht zu vernachlässigen ist auch das kleine Museum im Joe Hill Gården, wo der Dichter, Musiker und Kämpfer für das Recht der Arbeiter einst aufwuchs. Im Museum kann man den Lebensweg Joe Hills nachgehen, einer Person, die bis heute selbst in den USA noch in aller Munde ist.

Ein sehr interessanter Ausflug von Gävle führt nach Bönan, dem alten Fischerort aus dem 18. Jahrhundert, der nicht nur zu einem interessanten Spaziergang einlädt, sondern auch das Leuchtturmmuseum Böna Fyrmuseum bietet und die Böna Kapell, eine Holzkapelle mit einem sehr eigenwilligen, separaten Glockenturm aus dem Jahre 1843, die heute als die Hochzeitskapelle der gesamten Umgebung gilt.

Wenn man sich in Gävle befindet, so sollte man auch einen Tag für den Furuviksparken vorsehen, der sich etwa zehn Kilometer östlich von Gävle befindet und eine Mischung aus Erlebnispark, Tierpark und Vergnügungspark mit hervorragenden Bademöglichkeiten ist. Zu Mittsommer wird hier grundsätzlich eine åländische Mittsommerstange aufgestellt, was außerhalb Ålands extrem selten ist.

Copyright: Herbert Kårlin

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