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2012/09/08

Birka, eine Reise in die schwedische Vergangenheit

Kaum ein historischer Ort Schwedens ist so bekannt wie der ehemalige Handelsort Birka auf der Insel Björkö, nicht zuletzt deswegen, weil man hier ein touristische Zentrum der Wikinger geschaffen hat und die tatsächliche Bedeutung der Geschichte Birkas aus dem gesamtgeschichtlichen Aspekt Schwedens herausnimmt.

Aber unabhängig davon wie viel bewiesene Geschichte der Wikinger und des Handelsortes Birka bei einem Besuch auf Björkö erfährt, so ist ein Ausflug in das imaginäre Reiche der nordischen Helden ein Erlebnis, das man kaum vergisst, vor allem, wenn die Reise bereits in Stockholm beginnt, oder in Västerås, Strängnäs, Enköping oder auch Södertälje, denn ohne eine Boot ist das Ziel Birka unerreichbar und auch die offiziellen Fähren verkehren nur zwischen Mai und September.

Für eine Reise nach Birka sollte man einen Tag einplanen, denn auch wenn die Insel Björkö nicht sehr groß ist und man vom tatsächlichen Birka des 9. Jahrhunderts sehr wenig zu sehen bekommt, so gibt es mehrere Stellen, die man sehen sollte um ein Gefühl für das Handelszentrum der Wikinger zu gewinnen.

Am besten beginnt man die Erkundung Birkas mit dem Besuch des Birka-Museums, denn hier findet man, außer Gegenständen aus der Wikingerzeit, auch Rekonstruktionen und Modelle, die zeigen wie Birka einst aussah, als hier zwischen 500 und 1000 Personen lebten. Gerüstet mit diesen Information ist es anschließend weitaus einfacher die Insel auf eigene Faust oder mit einem Führer zu erkunden.

Vermutlich führt der zweite Weg dann zum rekonstruierten Wikingerdorf, das weniger zeigen soll wie Birka einst aussah, sondern vielmehr erklärt wie man zur Epoche der Wikinger vermutlich lebte, wie man die Häuser baute und in welcher Atmosphäre man sich befand. Die Häuser selbst sind sehr gute Rekonstruktionen, wenn bedenkt, dass man diese Gebäude auf Grund von Teilfunden wieder aufbauen musste, denn in ganz Schweden gibt es kein vollständiges Original-Wikinger-Gebäude. Aber selbst wenn manches Detail vielleicht nicht ganz stimmt, die Größe der Gebäude ist exakt, die Grundstruktur ebenfalls.

Der nächste Weg führt dann vermutlich zum Ansgarkreuz, das mitten in einer Vorburg liegt, die auch während der Wikingerzeit noch eine gewisse Bedeutung hatte. Diese frühe Befestigung ist noch in verhältnismäßig gutem Zustand, denn auch wenn man sich den Bau als solches nur noch vorstellen kann, so findet man Reste von Mauern und einen Teil des ursprünglichen Walls.

Das Ansgarkreuz wurde im Jahre 1834 aufgestellt und soll an den Bischof Ansgar erinnern, der nach Adam von Bremen im Jahre 834 nach Birka kam um die Wikinger dem christlichen Glauben zuzuführen, ein Versuch, der allerdings vollkommen misslang. Auch wenn das Kreuz sehr eindrucksvoll auf der Anhöhe wirkt, so hat es nur einen symbolischen Wert.

Sehr interessant sind schließlich noch die Ausgrabungen des alten Wikingerhafens, der nach jüngsten Erkenntnissen weitaus umfangreicher war als man bisher angenommen hatte und bei dessen Bau Techniken verwendet wurden, die man hier erstmals aus dieser Epoche nachweisen kann. Die Arbeit der Meeresärchäologen wird vermutlich nicht vor 2013 abgeschlossen sein und zu einer neuen Attraktion auf Björkö führen.

Wer Birka in voller Aktion erleben will, muss seine Reise zwischen Anfang Juni und Mitte August planen, denn nur zu dieser Zeit finden im Wikingerdorf zahlreiche Theatervorstellungen, Wikingerkämpfe und Erfahrungen für Freizeitarchäologen statt. Ende Juni oder Anfang Juli findet dann auch das Festival der traditionellen Weisen auf Björkö statt, Mitte Juli wird der Wikingermarkt organisiert, Ende August kann man Vorträgen zur Archäologie auf Birka lauschen und zwei Wochenende Anfang September findet auf der Insel der Herbstmarkt statt.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/06

Sala und die Silbergruben Schwedens

Auch wenn Sala bereits unter den Wikingern eine wichtige Rolle spielte, was zahlreiche Funde beweisen, so beginnt die Geschichte des heutigen Sala erst mit der Entwicklung des Bergbaus nach der Reformation, genauer genommen mit der Silberfunden in Sala, die der Stadt einen besonderen Status in Schweden verliehen.

Die Silbergrube führte, verbunden mit dem Bevölkerungswachstum, auch dazu, dass  Sala im Jahre 1624 von Gustav II. Adolf die Stadtrechte verliehen bekam und der Ort an seine heutige Stelle verlegt wurde. Aber nicht nur Gustav II. Adolf wurde durch das Silber zur Stadt gezogen, denn bis zum 18. Jahrhundert besuchten zahlreiche Könige und Königen Schwedens die Silbergruben, was sich heute noch an den Namen der verschiedenen Gruben deutlich macht.

Die Wohnung des Direktors der Silbergrube in Sala

Bei ihren Besuchen wohnten die königlichen Gäste jeweils im Väsby Kungsgård, der, trotz mehrerer Umbauten, noch heute den mittelalterlichen Charakter trägt und sich im Sommer in ein Freiluftmuseum verwandelt in dem man rund 7000 Gegenstände entdecken kann, umgeben von einer Atmosphäre und Kleidung, die an das 16. und 17. Jahrhundert erinnern.

Nachdem Sala sowohl 1736 als auch 1880 nahezu vollständig abbrannte, sind die meisten Häuser der Stadt als relativ jung zu bezeichnen, vom Väsby Kungsgård, der Kirche, die ihen Namen nach Königin Kristina erhielt, und den Bauwerken der Silbergrube abgesehen. Das Straßensystem, der zentrale Markplatz und die Dämme, die der Stadt noch heute ihren Charakter geben, entsprechen jedoch nach wie vor dem ursprünglichen Stadtbild während der Blütezeit der Grubenindustrie.

Die Silbergrube, die bereits 1906 geschlossen wurde, war im 17. und 18. Jahrhundert eine der wichtigsten Einkommensquellen Schwedens, was auch dazu führte, dass sich die Stadt mit über 5000 Bewohnern Ende des 19. Jahrhunderts in eine Großstadt verwandelt hatte. Heute ist die Silbergrube erneut der wichtigste Anziehungspunkt Salas, auch wenn der Ort durch die Landflucht nun immer mehr Bewohner verliert.

Wer heute Sala besucht, will natürlich die alten Silbergruben entdecken und wird nicht enttäuscht, denn die Gänge können aus aller Nähe erkundet werden, wobei allein eine Fahrt zur Ulrika Eleonora Grube ein Erlebnis ist, da die Reise 155 Meter in die Tiefe führt.

Aber Sala ist heute natürlich nicht nur Silber, sondern hat sich auf Grund der Dämme und Kanäle, die das Wasser zu den Gruben brachten, in eine grüne Stadt verwandelt, deren Umgebung mit seinen Feuchtgebieten, landwirtschaftlichen Flächen und Seen, insbesondere im Svartådalen, zu grünen Aktivitäten locken. Hier kann man das Schweden des 19. Jahrhunderts zu Fuß, mit dem Pferd, dem Fahrrad und auch dem Kanu entdecken. Die Seen in nächster Nähe laden nicht nur Badegäste ein, sondern auch Angler, die dort eine reiche Beute erwarten können.

Aber das heutige Sala ist nicht nur Natur, Väsby Kungsgård und Silbergrube, denn wer sich im Fremdenverkehrsamt des Ortes die Kulturführer des Ortes beschafft, kann bei eine Wanderung durch die Stadt rund 400 Jahre Geschichte entdecken, die dem Besucher ein völlig neues Schweden-Bild präsentieren und auch an die Liebesgeschichte zwischen Gustav II. Adolf und der Hofdame Ebba Brahe erinnern.

Wer Sala mehr auf eigene Faust entdecken will, sollte, außer der Silbergrube und dem Väsby Kungsgård, nicht das Anguéli Museum, das Polizeimuseum, das Grubenmuseum und das Traktormuseum vergessen. Im Anguéli Museum findet man die größte Sammlung Schwedens an Werken des Künstlers, der in Sala geboren wurde. Ivan Aguéli, der sich nach seiner Konvertierung zum Islam Abd Al-Hadi Aqhili nannte, gehört heute mit zu den bedeutendsten Malern Schwedens, der seiner Zeit weit voraus war.

Ein Gebäude, das man ebenfalls nicht links liegen lassen sollte, ist auch die Kirche Salas, die in großen Zügen bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht, ausgenommen des abseits stehenden Kirchturms, der erst viel später hinzugefügt wurde. Im Inneren der Kirche findet man im Jahre 1931 restaurierte Kalkmalereien des größten Künstlers Schwedens des Mittelalters. Albertus Pictor signierte dieses Werk noch mit seinem deutschen Namen Albertus Ymmenhausen, was darauf schließen lässt, dass es sich dabei um das erste Werk des Künstlers auf schwedischem Boden handelt.

Copyright: Herbert Kårlin