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2012/10/21

Sundsvall, die Steinstadt Schwedens

Die Umgebung Sundsvalls wurde mit Sicherheit bereits während der schwedischen Völkerwanderung besiedelt, wovon der Grabplatz in Högum, der sich nur zwei Kilometer westlich der Stadt befindet, zeugt. Später entwickelt sich hier ein Fischerdorf, das sich immer mehr ausdehnte und so langsam zu einer Stadtbildung führte, denn auch wenn Sundsvall wegen den Landhebungen zweimal verlegt wurde um einen Zugang zur Ostsee zu haben, letztmals von Königin Kristina, so war der Zugang zum Meer der Hauptgrund, warum Gustav II. Adolf im Jahre 1621 Köpstaden, Åkersvik und Sund zusammenlegte und daraus die Stadt Sundsvall machte.

Der Vorteil des Meereszugangs war natürlich auch ein Nachteil, denn 1721 griff die russische Armee Sundsvall an und legte sie in Schutt und Asche. Kaum hatte sich dann die einzige Stadt in Medelpad erholt und war an der gleichen Stelle wieder aufgebaut worden, brannte sie nieder. Beim erneuten Aufbau im 19. Jahrhundert entwickelte sich Sundsvall, ebenfalls wegen seiner geografischen Lage, zum Zentrum der Sägewerke Schwedens. Und 1888 brannte sie erneut zum Großteil ab, was ihr dann jedoch ihren Beinahmen und das heutige Aussehen gab, denn nach diesem Brand bekam das Zentrum einen neuen Stadtplan und es wurde das Gesetz erlassen, dass dort nur noch Steinhäuser stehen durften. Dies ist auch der Grund, warum der Kern Sundsvalls noch heute Stenstaden, die Steinstadt heißt.

Blick auf die Steinstadt in Sundsvall

Ein anderer Beiname Sundsvalls könnte natürlich auch „Norrlands huvudstad“ sein, die Hauptstadt des Norrlands, denn obwohl Umeå diese Bezeichnung seit vielen Jahren anwendete, ließ sich im Jahre 2007 Sundsvall diese Bezeichnung schützen und Umeå musste auf den Titel verzichten, obwohl es geografisch gesehen logischer wäre Sundsvall als das Tor des Norrlands zu bezeichnen und nicht als die Hauptstadt.

In der Regel führt der erste Weg in Sundsvall natürlich in die Stenstaden, die Steinstadt, die mit den monumentalen Bauten beeindruckt und Schweden in einer völlig anderen Weise zeigt als man sonst gewohnt ist, wo man auch in der Innenstadt nach Holzhäusern Ausschau hält. Wer etwas Besonderes in der Steinstadt sucht, wird allerdings an den verschiedensten Stellen Sundsvalls, und selbst an der Gustav Adolf Kirche, einen Drachen entdecken, der das Übel fernhalten soll, das die alten Gebäude zerstörte.

Wenn man in Sundsvall vom Norra Berget spricht, so meint man damit den Stadtpark mit seinen Spazierwegen, dem Aussichtsturm und einigen historischen Gebäuden aus Medelpad. Am Norra Berget tanzt man zu Mittsommer um die Mittsommerstange und hier wird auch jedes Jahr der Weihnachtsmarkt organisiert.

Einen Gegenpol bietet dann der Södra Berget, der nicht nur eine phantastische Aussicht über die Stadt Sundsvall bietet, sondern auch dem Freizeitleben gewidmet ist und im Winter zum Slalomhang wird. Auf dem Sidsjön lädt im Winter auch eine drei Kilometer lange Schlittschuhspur ein, während man vielleicht daran denkt, dass man im Sommer hier fischen und baden kann.

Die Gustav Adolf Kirche in neugotischem Stil wurde nach dem Brand im Jahre 1888 völlig neu gebaut, wobei man jedoch an Teilen des Fundaments noch die Reste der vorhergehenden Kirche entdecken kann. Auch wenn einige der bedeutendsten Gegenwartskünstler für die Dekoration im Innerer sorgten und eine großartige Leistung brachten, so hat man beim Besuch nur den Eindruck eines sehr modernen Kirchengebäudes.

Auch wenn man in Sundsvall hervorragende Einkaufsmöglichkeiten findet, so liegt etwa sieben Kilometer nördlich der Stadt das größte nordschwedische Einkaufszentrum, das um den vierten IKEA-Laden entstand und mit rund 100 Läden jedes Jahr über sechs Millionen Kunden anzieht und sich zu einem Ausflugsziel und nahezu zur touristischen Attraktion entwickelte. Birsta, wie das Einkaufszentrum heißt, wurde bereits mehrmals als das beste schwedische Einkaufszentrum ausgezeichnet, nicht zuletzt auch wegen der breiten Auswahl.

Weihnachten beginnt in Sundsvall immer am 20. November eines Jahres, wobei der Weihnachtsmarkt jeweils am 4. und 5. Dezember am Norra Berget stattfindet auf dessen Spitze das vermutlich höchste Adventslicht über die Stadt erstrahlt.

Wer im Sommer in Sundsvall ein typisch schwedisches Fest erleben will, muss seine Reise auf Mitte Juli legen, wenn in der Stadt eine Woche lang das Gatufestival, das Straßenfest der Stadt stattfindet bei dem der Höhepunkt des Sommers mit den sehr kurzen Nächten mit Musik, Vergnügen und gutem Essen gefeiert wird. Im Jahr 2013 findet das Sundsvalls gatufest bereits zum 26. Mal statt.

Wer nach Sundsvall kommt, will natürlich nicht nur die Stadt entdecken, sondern auch Ausflüge entlang der Küste und ins Hinterland machen um den Aufenthalt zu einem Aktivurlaub zu machen. Sowohl im Sommer als auch im Winter eignet sich die Gegend für jede Art von sportlicher Aktivität, angefangen vom Wandern, Kletter oder Golf spielen bis zu Ausflügen per Ski, Abfahrtslauf oder einem Abstecher in die Natur mit dem Schneescooter.

Copyright Text und Foto: Herbert Kårlin

2012/09/21

Alingsås, die Stadt der Cafés und des Lichtes

Als Gustav II. Adolf im Jahre 1619 Alingsås die Stadtrechte verlieh, war der Ort vor allem für Bürger aus Nya Lödöse gedacht, einem historischen Vorläufer Göteborgs. Und wenn der gleiche König nicht zwei Jahre später auch das heutige Göteborg gegründet hätte, so wäre Alingsås heute vermutlich die wichtigste Stadt im Västra Götaland geworden, obwohl die direkte Verbindung zum Kattegat fehlte. Aber als Militärstratege schuf der König Göteborg und Alingsås musste sogar bis 1639 auf den Privilegienbrief warten.

In Dokumenten taucht Alingsås erstmals im Jahre 1382 auf, entwickelte sich jedoch sehr langsam, woran auch die Stadtrechte nicht viel änderten, denn als Jonas Alströmer 1720 dort seine Manufakturen aufbaute, so hatte Alingsås gerade einmal 150 Einwohner, die dann mit der vorindustriellen Aktivität innerhalb von etwa 70 Jahren auf rund 1000 Bewohner anwuchsen, was etwa zehn Prozent der Bewohner Göteborgs entsprach.


Das älteste Gebäude in Alingsås (am Lilla Torget)
In den folgenden Jahrhunderten hatte Alingsås seine Hoch und Tief, konnte sich jedoch nicht zu einer bedeutenden Stadt entwickeln, was 1971 dazu führte, dass die Stadt Alingsås aufhörte zu existieren und zur Gemeinde Alingsås abgestuft wurde, jedoch das Zentrum eines größeren Gebietes blieb.

Heute ist Alingsås vor allem bekannt wegen seinem Kartoffelfestival Mitte Juni, das daran erinnern soll, dass Jonas Alströmer aus Alingsås der erste war, der in Schweden Kartoffeln in großem Stil anbaute, wegen seinem Lichterfestival Lights in Alingsås, das jeden Oktober rund 50.000 Besucher in den Ort lockt und wegen seiner Dichte an Cafés, denn kaum ein Ort Schwedens verfügt über so viele Cafés, gemessen an der Einwohnerzahl, wie Alingsås.

Auch die Caféhauskultur des Ortes geht auf Jonas Alströmer zurück, denn als die Frauen aus Alingsås Mitte des 18. Jahrhunderts in den Manufakturen arbeiteten, hatten sie keine Zeit mehr zu backen und die Cafés, die auch Brot verkauften, übernahmen dann diese Tätigkeit, was sich in gewisser Weise bis heute gehalten hat und dem Ort seine Gemütlichkeit verleiht.

Das Alströmer Magasinet am Lilla Torget aus dem Jahre 1730 ist das älteste erhaltene profane Gebäude in Alingsås und steht seit 1983 unter Denkmalschutz. Bis 2010 fand man in diesem Gebäude auch das Alingsås Museum, das jedoch aus finanziellen Gründen gegenwärtig geschlossen ist, aber auf ein Comeback wartet.

Heute findet man in Alingsås nur noch zwei Museen von Interesse, nämlich die Kunsthalle mit wechselnden Ausstellungen aktueller Künstler aus der ganzen Welt und das Alingsås Dock & Nallemuseum mit einer Sammlung von über 720 Puppen und knapp 300 Teddybären und anderen Schmusetieren. Das Puppenmuseum ist allerdings nur samstags geöffnet.

Zu den Gebäuden, die man bei Alingsås besuchen sollte, gehört die Ruine des Schlosses Gräfnäs mit seinen Parkanlagen. Die Schlossruine liegt direkt am See Anten, wobei das Schloss bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Allerdings liegt die Ruine etwa 20 Kilometer außerhalb des Ortes, im Gegensatz zum Nolhaga Schloss, das nahezu eingebettet in Alingsås liegt. Dieses Schloss ist heute ein Restaurant mit Konferenzanlagen, wobei die Parkanlagen jedoch für die Allgemeinheit offen sind.

Alingsås verfügt über vier Naturreservate, die ohne Probleme zu Fuß erreicht werden können, darunter die Nolhagaviken, einem Naturwald, der vor allem für Vogelliebhaber ein beliebtes Ziel ist, sich aber auch für längere Spaziergänge eignet. Mit dem Fahrrad oder Auto kann man auch die Seengebiete um Alingsås entdecken, unter anderem die beiden wichtigsten Seen Mjörn, den zweitgrößten See im Västra Götaland, und Gerdsken, wo während des Kartoffelfestivals Drachenboote kreuzen und ein Wettrudern veranstaltet wird.

Mitte April findet in Alingsås der Potatiscupen, der Kartoffelcup statt, eine der größten nordischen Ausscheidungen für Hallenhandball, der nach seiner 33-jährigen Existenz auch immer mehr ausländische Teilnehmer lockt. Am Karfreitag findet der Alingsås Chicken Race statt, ein Mopedrennen an dem jedes Jahr über 600 Teilnehmer gezählt werden und selbst die zahlreichen Veteran-Mopeds eine Chance haben.

Ein besonderes Erlebnis ist auch der Anten-Gräfnäs Järnväg, eine zwölf Kilometer lange Museums-Eisenbahnstrecke in der Nähe von Alingsås, wo man gemütlich mit einer Dampflokomotive die Natur der Umgebung erleben kann. Die Eisenbahn verkehrt jedoch nur an Wochenenden im Sommer.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/20

Umeå, die nordschwedische Stadt der Birken

Umeå, die Stadt am Umeälven, ist nicht nur die am dichtest besiedelte Stadt im Norrland, sondern auch die Stadt in Nordschweden, die am schnellsten wächst, denn die Einwohnerzahl hat sich seit 1965 verdoppelt und liegt bereits bei rund 80.000 Einwohnern, was Umeå zur zwölftgrößten Stadt Schwedens macht, die nur noch knapp hinter Lund liegt.

Die ältesten Felsritzungen in der Umgebung Umeås bewiesen, dass bereits 3000 vor Christus Menschen hier verkehrten, auch wenn bisher die ältesten Reste von Häusern und die landwirtschaftliche Nutzung der Umgebung erst ab etwa 1000 vor Christus nachgewiesen werden konnten. Schriftlicht taucht Umeå dann erstmals im Jahre 1314 auf, als der Ort bereits eine Kirche hatte, sowie einen Hafen und damit einer der Handelsorte Nordschwedens war. Dem Hälsingelagen von 1320 kann man auch entnehmen, dass die Bürger hier die Steuern in Form von Fellen zahlen konnten. Die tatsächliche schwedische Besiedlung Umeås fand daher vermutlich gleichzeitig mit Luleå, beziehungsweise seinem Vorgänger, der Kirchstadt Gammelstan, statt.

Das Rathaus in Umeå

Im Jahre 1621 schickte dann der König Gustav II. Adolf seinen Stadtplaner Olof Bure nach Umeå, um die Stadt neu zu planen und dabei eine ideale Lage für die Ansiedlung zu suchen. Bure legte das neue Umeå etwa fünf Kilometer von der alten Ansiedlung an und stellte am 22. Juni 1622 dann die vorübergehenden Stadtprivilegien aus, die von  Königin Kristina dann 1646 durch endgültige Stadtrechte ersetzt wurden. Allerdings muss man bedenken, dass Umeå damals noch einen direkten Zugang zur Ostsee hatte, da die Landhebungen noch nicht so fortgeschritten waren.

Die Stadt der Birken wurde Umeå jedoch erst nach dem Großbrand vom 25. Juni 1888, als die Stadt nahezu vollständig abbrannte und neu gebaut werden musste. Um weitere Großbrände zu verhindert, legte man im neuen Umeå breite Straßen an, denen entlang überall Birken gepflanzt werden mussten, da diese Bäume sehr viel Feuchtigkeit enthalten und eine Art Brandschutz bilden.

Wenn man Umeå besucht und kennen lernen will, so sollte man als erstes das Västerbottens Museum in Gammlia besuchen, da man neben dem Museum auch ein Museumsdorf mit etwa 40 historischen Gebäuden und drei Koten der Sami findet. Zusammen mit dem Museumsbesuch wird man anschließend Umeå besser verstehen.

Auf Grund des Brandes im Jahre 1888 ist Umeå eine relativ moderne Stadt, die vor allem den Stempel des Architekten Fredrik Olaus Lindström trägt, der, unter anderem, auch das Rathaus und die Stadtkirche Umeås erbaute, die beide den typischen Stil vom Ende des 19. Jahrhunderts tragen.

Auch wenn man Umeå häufig nur als Ausgangspunkt für Ausflüge in Västerbotten nimmt, da die Besucher die Wildnis des Nordens lockt, so sollte man nicht vergessen, dass Umeå mit dem Bildmuseet über eines der größten schwedischen Museen zur bildlichen Gegenwartskunst verfügt, das zudem die vermutlich beste Aussicht über die Stadt bietet.

Am Rande der Stadt, dem Siedlungsgebiet Umedalen, findet man den international bekannten Skulpturenpark Umeås. Selbst wenn die großen Ausstellungen internationaler Skulpteure in Form einer Biennale nur alle zwei Jahre während des Sommers stattfinden, so kauft die Stadt regelmäßig weitere Kunstwerke ein, die man hier das ganze Jahr über bei einem Spaziergang von einer guten Stunde entdecken kann.

Wer sich für Astronomie interessiert, sollte das Planetarium Umevatoriet besuchen, denn hier kann man den Weltraum in einer technisierten digitalen Welt entdecken und sich auf einen fernen Stern versetzen lassen. Nach der digitalen Entdeckung kann man natürlich auch noch in die Kuppel gehen und einen Blick in das MEAD-Teleskop werfen.

Einige Kilometer außerhalb der Stadt findet man im Sommer die UmeLagun, ein Abenteuerbad mit mehreren Attraktionen, Bubblepool und selbst einen Pool mit warmem Wasser.

An Freizeitaktivitäten mit Fahrrad, Kanu oder zu Fuß bietet Umeå nahezu für jeden etwas, denn an was es um die Stadt Umeå nicht mangelt, sind Wald und Wasser.

Da Umeå über eine moderne Universität mit mehreren Fakultäten verfügt, an denen rund 36.000 Studenten eingeschrieben sind, ist das kulturelle Leben der Stadt sehr ausgeprägt. Mit der Norrlandsoper, mehreren Theater und Musikveranstaltungen jeder Art, gilt Umeå als die Kulturstadt Schwedens. Besonders herausragend ist dabei die Umeå Kulturnatta im Mai, die jedes Jahr rund 50.000 Besucher anzieht und etwa 300 verschiedene Angebote bietet. Im Jahre 2009 wurde Umeå zur europäischen Kulturhauptstadt für 2014 ernannt.

Copyright Text und Foto: Herbert Kårlin

2012/09/11

Göteborg, die Stadt, die aus dem Sumpf wuchs

Während die meisten schwedischen Städte bereits an Stellen gegründet wurden, die nicht nur von strategischer Sicht her eine Bedeutung hatten, sondern wo man bereits vorher eine Ansiedlung fand, so ist Göteborg hierbei eine Ausnahme, denn auch wenn man am Rande der Stadt sehr viele Zeichen einer früheren Besiedlung findet, so war dort, wo Gustav II. Adolf im Jahre 1621 die Stadt haben wollte, nur Lehm und Sumpf zu finden.

Gustav II. Adolf hatte allerdings den Vorteil der Lage sofort erkannt, denn mit Hilfe von Holländern und Deutschen konnte er hier eine befestigte Stadt schaffen, die nicht nur uneinnehmbar war, sondern auch über Hügel verfügte von wo aus der Feind schon in weiter Ferne entdeckt werden konnte und wo Kanäle die Seefahrt erleichterten und einen ausgedehnten Handel mit anderen Ländern ermöglichte.

In den folgenden Jahrhunderten dehnte sich die Stadt natürlich immer weiter aus und heute gehören auch zwei Vorläufer der Stadt, nämlich Älvsborg und das Götheborg von Karl IX. zu Göteborg. Nur die beiden Lödöse, die ebenfalls Vorläufer der heutigen Stadt waren, sind so weit vom heutigen Göteborg entfernt, dass sie kaum noch mit der Stadt in Verbindung gebracht werden.

Göteborg, die zweitgrößte Stadt Schwedens, war vom ersten Tag an als Hafenstadt geplant und sollte die Wege in andere Welten ermöglichen, was sich bisher auch 400 Jahre lang bestätigt hat und jede industrielle Bewegung und jede Art von Handel in die Stadt brachte und die Stadt prägte. Allerdings muss man bei Göteborg bedenken, dass die Stadt im Jahre 1850, also zu Beginn der großen Auswanderungsbewegung Schwedens, gerade einmal 20.000 Einwohner hatte und bis zum Ende der Auswanderungswelle zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits auf 130.000 Bewohner angewachsen war.

Auch wenn Göteborg gesamt gesehen eine relativ moderne Stadt ist, was nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen ist, dass sie mehrmals abbrannte, so blieb aus den Anfängen Göteborgs die Neue Festung Älvsborg erhalten, die Verteidigungstürme, ein Teil der unterirdischen Gänge und mit dem Kronhuset und der Residenset auch zwei Gebäude, die fast bis zur Gründungszeit der Stadt zurückgehen.

Dass sich das wirtschaftliche Zentrum der Stadt entlang der Kanäle bildete ist auch heute noch deutlich zu sehen, denn hier findet man das alte Zollgebäude, das Gebäude der Ostindiengesellschaft, das Rathaus, die Deutsche Kirche und die Marktplätze. Und selbst das moderne Göteborg zieht sich mit der Feskekôrka, der Oper, dem Stora Teatern oder dem Hauptbahnhof den Kanälen entlang, auch wenn einige der Kanäle mittlerweile gefüllt wurden.

Göteborg wird oft als die grüne Stadt Schwedens bezeichnet, da man hier sehr ausgedehnte Anlagen findet, die alle einige Besonderheiten aufweisen. Wer sich daher für Natur in der Stadt interessiert, wird mit der Trädgårdsföreningen, dem Botanischen Garten, dem Königspark, dem Schlosswald und anderen groß angelegten Flächen selbst einige Tage in der grünen Stadt verbringen können ohne sich zu langweilen.

Da auch die Kirchen Göteborgs relativ jung sind, findet man weder in der Domkyrkan, noch der Hagakyrkan oder der Masthuggskyrkan besondere historische Werte, auch wenn jede der Kirchen einen eigenen Charakter hat. Eine Ausnahme ist dabei die Tyska Kyrkan, also die Deutsche Kirche, deren Aussehen und deren Ausstattung die Bedeutung der Kirche für die deutschen Einwanderer im 17. Jahrhundert zeigt. Alle historischen Kapellen und Kirchen der Stadt sind verschlossen und können nicht besucht werden.

Göteborg ist auch eine Stadt der Museen und Ausstellungen, wobei man hier mehr die Qual der Wahl hat und unter den rund 50 Angeboten wählen muss was einen interessiert. Herausragend sind jedoch das Kunstmuseum, das Röhsska Designmuseum und das Stadtmuseum, die es erlauben der schwedischen Kultur näher zu kommen.

Wer Göteborg besucht, darf auch nicht vergessen, dass ein Teil der Stadt sich auch über die Schären verteilt, die alle eine eigene Geschichte erzählen können, da jede der bewohnten Inseln eine andere Gruppe an Menschen anzog, was sich selbst auf die Baustile auswirkt. Diese Inseln vor Göteborg waren bereits bewohnt als vom heutigen Zentrum Göteborgs noch nichts zu sehen war.

Zu Göteborg gehört natürlich auch Liseberg mit seinen Kaninchen und den zahlreichen Attraktionen für jedes Alter, denn ein Besuch in Göteborg ohne im größten Vergnügungspark Schwedens gewesen zu sein, lässt sich kaum entschuldigen, da man in Liseberg nicht nur Aktivitäten finden, sondern auch einen Lustgarten, der liebevoll angelegt wurde und zu einem Spaziergang einlädt. Hier findet auch der jährliche Weihnachtsmarkt, die Landwirtschaftsausstellung und unzählige Konzerte mit schwedischen Künstlern statt.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/09

Piteå, die Stadt der Musik und des Pitepalt

Piteå gehört mit zu den nördlichsten Städten Schwedens und liegt gerade einmal 100 Kilometer südlich des Polarkreises, eine Stadt die im nördlichsten Teil Schwedens meist nur Pite, Piitin oder von den Sami auch Biŧon genannt wird. Etwa die Hälfte des Tourismus in ganz Norrbotten vereint sich im Sommer in Piteå, allen voran norwegische Besucher.

Auch wenn die Geschichte Piteås bis ins Mittelalter zurückreicht, so beginnt die Geschichte der heutigen Stadt erst im Jahre 1620, als Olof Bure den Auftrag hatte im nördlichsten Teil des Landes eine Stadt zu bauen. Dieses erste Piteå baute Olof Bure gegen jede Regel der damaligen Stadtplanung als dreieckige Stadt mit der Kirche im Zentrum. Bereits ein Jahr später bekam Piteå dann von Gustav II. Adolf die Stadtrechte verliehen. Diese erste Stadt existierte allerdings nur bis 1666, da sie bei einem Grossbrand dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Da die schwedische Politik jedoch darauf strebte das Land der Sami in das schwedische Reich zu integrieren, entstand bereits innerhalb von nur zwei Jahren ein neues Piteå, das in nächster Nähe errichtet wurde, jedoch im klassischen Baustiel Schwedens jener Zeit und am Wasser, also mit einem Zugang zur Ostsee. Im älteren Teil Piteås blieb das Strassennetz aus dieser Zeit erhalten und bei einem Spaziergang kann man immer noch einige Häuser aus der Gründungszeit Piteås entdecken.

Wie alle schwedischen Städte, so entwickelte sich auch Piteå durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert zu einer bedeutenden Stadt, was auch die Ankunft der Eisenbahnlinie förderte. Vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen Sägewerke und Papierindustrie nach Piteå, da die Bäume als das Gold des Nordens empfunden wurden und hohe Einkünfte versprachen.

Das älteste Gebäude Piteås ist die Stadtkirche, die zwischen 1684 und 1686 errichtet wurde und damit die älteste Holzkirche Nordschwedens ist. Die Kirche wurde weitgehend im Orginalzustand belassen und überlebte selbst den Brand von 1721, als die Russen die Stadt anzündeten. Die Kirche war jedoch als größtes Gebäude der Stadt, als Hauptquartier der Armee vorgesehen und entkam so den Flammen. Der Glockenturm kam, wie bei fast allen schwedischen Kirchen, später hinzu, in diesem Fall im Jahre 1727.

Da Piteå seinen mittelalterlichen Charakter auch in Zukunft behalten will, findet man im Zentrum kaum Neubauten und keinerlei großen Geschäfte, was den besonderen Charme der Stadt ausmacht, denn jeder Einkauf innerhalb des Stadtkerns wird dadurch eine persönliche Angelegenheit.

Der größte Anziehungspunkt Piteås ist das etwa zehn Kilometer südöstlich liegende Pite havsbad (Meeresbad) mit seinen kilometerlangen Sandstränden, einem der größten Campingplätze Schwedens und einem der größten Konferenz- und Hotelkomplexe Nordeuropas, dem ein Erlebniszentrum angegliedert ist. Hier wird jede Art von Sommer- und Winteraktivität geboten, wobei der Campingplatz allerdings nur während der Sommermonate geöffnet ist.

Bereits seit Mitte des letzten Jahrhunderts entwickelt sich Piteå zu einem musikalischen Zentrum Schwedens, was sich auch durch die Musikhochschule, die musikalisch ausgerichtete Volkshochschule und zahlreiche private Einrichtungen ausdrückt. Nicht zu verwundern daher, dass im Juli und August dort zwei bedeutende schwedische Musikfestivals stattfinden.

Ende Juli kommt das Festival Piteå dansar och ler (PDOL), das 1961 erstmals organisiert wurde und heute 135.000 Besucher anzieht, ein Vielfaches der Bevölkerung der Stadt. Anschließend folgen die Piteåre Festspiele, die in den 80er Jahren mit einem mehr schwedischen Programm begannen, nun aber Künstler aus der ganzen Welt einladen.

Am Rande Piteås findet man die Gråträsk Kapelle, einen Zeugen aus dem Jahre 1645. Auch wenn es sich bei dem Gebäude um eine Rekonstruktion handelt, die erst 1934 erbaut wurde, so zeigt sie ein Bauweise, die bei der schwedischen Erschließung Lapplands sehr häufig für kleinere Kirchen angewandt wurde.

Neben der Öjeby Kyrka, der ältesten Steinkirche in Norrbotten, findet man das Öjeby Kirchdorf aus dem 17. Jahrhundert, das noch heute so aussieht wie vor über 300 Jahren, als diese Gebäude für die Kirchgänger aus der weiteren Umgebung gebaut wurden, damit sie dort übernachten konnten. Hier findet auch am Wochenende nach Mittsommer der jährliche Markt statt, der jedes Jahr rund 20.000 Besucher anzieht.

Wer sich mehr für die Kultur Piteås interessiert, findet in der Stadt auch vier Museen sehr unterschiedlicher Art, angefangen vom Piteå Museum, das die Geschichte der Stadt erzählt, dem Piteå Båtmuseum, das der Geschichte der schwedischen Seefahrt gewidmet ist, das Kjell Perssons Bruksmuseum, dem größten europäischen Museum für Holzwerkzeuge und Geräten zu Fischfang und Jagd, sowie das Jävre Kvarn och Bygdemuseum mit der Geschichte und den Geräten der nordischen Mühlen.

Bevor man dann Piteå verlässt, sollte man jedoch auch das Nationalgericht der Stadt versuchen, den Pitepalt, eine Art Knödel, der mit Preiselbeeren, Butter und einem Glas Milch gegessen wird. Wer das Glück hat den 13. Juli in Piteå zu verbringen, bekommt die Pitepalt sogar kostenlos geboten, da dieser Tag als der Paltdagen eine Art Festtag ist.


Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/06

Sala und die Silbergruben Schwedens

Auch wenn Sala bereits unter den Wikingern eine wichtige Rolle spielte, was zahlreiche Funde beweisen, so beginnt die Geschichte des heutigen Sala erst mit der Entwicklung des Bergbaus nach der Reformation, genauer genommen mit der Silberfunden in Sala, die der Stadt einen besonderen Status in Schweden verliehen.

Die Silbergrube führte, verbunden mit dem Bevölkerungswachstum, auch dazu, dass  Sala im Jahre 1624 von Gustav II. Adolf die Stadtrechte verliehen bekam und der Ort an seine heutige Stelle verlegt wurde. Aber nicht nur Gustav II. Adolf wurde durch das Silber zur Stadt gezogen, denn bis zum 18. Jahrhundert besuchten zahlreiche Könige und Königen Schwedens die Silbergruben, was sich heute noch an den Namen der verschiedenen Gruben deutlich macht.

Die Wohnung des Direktors der Silbergrube in Sala

Bei ihren Besuchen wohnten die königlichen Gäste jeweils im Väsby Kungsgård, der, trotz mehrerer Umbauten, noch heute den mittelalterlichen Charakter trägt und sich im Sommer in ein Freiluftmuseum verwandelt in dem man rund 7000 Gegenstände entdecken kann, umgeben von einer Atmosphäre und Kleidung, die an das 16. und 17. Jahrhundert erinnern.

Nachdem Sala sowohl 1736 als auch 1880 nahezu vollständig abbrannte, sind die meisten Häuser der Stadt als relativ jung zu bezeichnen, vom Väsby Kungsgård, der Kirche, die ihen Namen nach Königin Kristina erhielt, und den Bauwerken der Silbergrube abgesehen. Das Straßensystem, der zentrale Markplatz und die Dämme, die der Stadt noch heute ihren Charakter geben, entsprechen jedoch nach wie vor dem ursprünglichen Stadtbild während der Blütezeit der Grubenindustrie.

Die Silbergrube, die bereits 1906 geschlossen wurde, war im 17. und 18. Jahrhundert eine der wichtigsten Einkommensquellen Schwedens, was auch dazu führte, dass sich die Stadt mit über 5000 Bewohnern Ende des 19. Jahrhunderts in eine Großstadt verwandelt hatte. Heute ist die Silbergrube erneut der wichtigste Anziehungspunkt Salas, auch wenn der Ort durch die Landflucht nun immer mehr Bewohner verliert.

Wer heute Sala besucht, will natürlich die alten Silbergruben entdecken und wird nicht enttäuscht, denn die Gänge können aus aller Nähe erkundet werden, wobei allein eine Fahrt zur Ulrika Eleonora Grube ein Erlebnis ist, da die Reise 155 Meter in die Tiefe führt.

Aber Sala ist heute natürlich nicht nur Silber, sondern hat sich auf Grund der Dämme und Kanäle, die das Wasser zu den Gruben brachten, in eine grüne Stadt verwandelt, deren Umgebung mit seinen Feuchtgebieten, landwirtschaftlichen Flächen und Seen, insbesondere im Svartådalen, zu grünen Aktivitäten locken. Hier kann man das Schweden des 19. Jahrhunderts zu Fuß, mit dem Pferd, dem Fahrrad und auch dem Kanu entdecken. Die Seen in nächster Nähe laden nicht nur Badegäste ein, sondern auch Angler, die dort eine reiche Beute erwarten können.

Aber das heutige Sala ist nicht nur Natur, Väsby Kungsgård und Silbergrube, denn wer sich im Fremdenverkehrsamt des Ortes die Kulturführer des Ortes beschafft, kann bei eine Wanderung durch die Stadt rund 400 Jahre Geschichte entdecken, die dem Besucher ein völlig neues Schweden-Bild präsentieren und auch an die Liebesgeschichte zwischen Gustav II. Adolf und der Hofdame Ebba Brahe erinnern.

Wer Sala mehr auf eigene Faust entdecken will, sollte, außer der Silbergrube und dem Väsby Kungsgård, nicht das Anguéli Museum, das Polizeimuseum, das Grubenmuseum und das Traktormuseum vergessen. Im Anguéli Museum findet man die größte Sammlung Schwedens an Werken des Künstlers, der in Sala geboren wurde. Ivan Aguéli, der sich nach seiner Konvertierung zum Islam Abd Al-Hadi Aqhili nannte, gehört heute mit zu den bedeutendsten Malern Schwedens, der seiner Zeit weit voraus war.

Ein Gebäude, das man ebenfalls nicht links liegen lassen sollte, ist auch die Kirche Salas, die in großen Zügen bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht, ausgenommen des abseits stehenden Kirchturms, der erst viel später hinzugefügt wurde. Im Inneren der Kirche findet man im Jahre 1931 restaurierte Kalkmalereien des größten Künstlers Schwedens des Mittelalters. Albertus Pictor signierte dieses Werk noch mit seinem deutschen Namen Albertus Ymmenhausen, was darauf schließen lässt, dass es sich dabei um das erste Werk des Künstlers auf schwedischem Boden handelt.

Copyright: Herbert Kårlin