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2012/10/18

Halmstad, die Stadt mit den drei Herzen

Wie sehr viele schwedische Orte, die ihre Ahnen bereits zwischen dem Jahr 1000 und 1100 haben, so liegt auch die heutige Stadt Halmstad nicht mehr an ihrem ursprünglichen Platz, sondern wurde erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts an die heutige Stelle verlagert. Daraus ergibt sich auch, dass der Ort mehrmals die Stadtprivilegien erhielt, an der heutigen Stelle im Jahre 1322.

Halmstad unterlag bis zum Frieden in Brömsebro im Jahre 1645 dem dänischen Königshaus und kam sogar erst mit dem Frieden von Roskilde im Jahre 1658 endgültig zu Schweden. Bis zu dieser Zeit war es daher, wegen der nahen Grenze zu Schweden, nötig die Stadt als Verteidigungsstadt auszubauen. Teile dieser Befestigung kann man während eines Spaziergangs durch Halmstad nach wie vor entdecken, obwohl 1734 entschieden wurde alles
abzureißen was an Befestigung erinnerte. Selbst die Norre Port, das Nordtor, eines der früheren vier Stadttore, konnte bis heute erhalten werden.

Das Kunstmuseum in Halmstad

Der Umstieg von einer Kriegsstadt zu einer industriellen Stadt ging in Halmstad, der größten Stadt Hallands, sehr langsam voran und entwickelte sich erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts, nachdem der Hafen ausgebaut und modernisiert worden war. Heute ist Halmstad allerdings zu einem der wichtigsten touristischen Orte an der Südwestküste Schwedens geworden, der sich durch ein starkes kulturelles Angebot auszeichnet.

Das Schloss in Halmstad aus dem Jahre 1609 kann nur zu einem geringen Teil bei Führung besichtigt werden, da hier die Regionalregierung und andere offiziellen Einrichtungen ihren Sitz haben. Das Schloss wurde noch zu dänischer Zeit gebaut und diente dem König lediglich als Übernachtungsstelle. Das Gebäude wurde mehrmals restauriert und hat weitgehend seinen ursprünglichen Charakter beibehalten.

Älter als das Schloss ist in Halmstads allerdings das Stadttor im Norden (Norra Port), das seit 1601 an dieser Stelle zu finden ist. Dies ist auch der Ort, von dem aus man zur Bastionen kommt und zum Katts Park mit einem Themaspielplatz „Pippi Langstrumpf“.

Um einen Blick in die Vergangenheit Hallands zu werfen, ist ein Besuch im Museumsdorf Hallandsgården auf dem Galgberget vorzuschlagen, denn hier findet man etwa zehn Gebäude der Region aus dem 18. und 19. Jahrhundert vereint. Aktivitäten und geführte Besichtigungen finden allerdings nur während der Sommermonate statt.

Wer sich für Kunst interessiert, wird in Halmstad ebenfalls nicht enttäuscht, denn hier findet man sowohl das Kunstmuseum, das sich auf die Kunstgeschichte Hallands spezialisiert hat und sowohl Gemälde, als auch Volkskunst, Kunsthandwerk und Design umfasst. Die Kunsthalle lädt jedes Jahr zu temporären Ausstellungen zeitnaher Kunst ein, wobei auch hier ein Schwerpunkt bei den Künstlern aus dem Halland liegt. Schließlich findet man noch das Mjellby Konstmuseum mit internationaler Gegenwartskunst und der berühmten Sammlung der Halmstadgruppe.

In eine etwas andere Richtung geht dann das Luftabwehrmuseum Halmstads, das zur Gruppe der militärhistorischen Museen Schwedens gehört und an Hand seiner Ausstellungen die Rolle der schwedischen Luftabwehr und des Regiments mit seiner 140-jährigen Geschichte erklärt.

Die Sankt Nikolai Kirche in Halmstad in Form einer Pseudobasilika geht zwar auf das Jahr 1432 zurück, als sie erstmals schriftlich erwähnt wurde, wurde jedoch mehrmals umgebaut und erweitert. Das heutige Aussehen bekam die Kirche daher erst zwischen 1869 und 1872. Das Inventar der Kirche stammt teilweise noch aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Halmstad, das wegen seines Stadtwappens den Beinamen Stadt der drei Herzen erhielt, könnte auch den Beinamen Hauptstadt des Golf tragen, denn in nächster Umgebung der Stadt zählt man nicht weniger als zwölf Golfplätze, die auch die besten Golfspieler Schwedens regelmäßig anziehen. Neben Golf bietet sich in Halmstad natürlich auch das Surfen an und die Entdeckung der Küste per Kajak. Der Wanderweg Hallandsleden mit der südschwedischen Vegetation liegt ebenfalls vor der Tür Halmstads.

Als Ausflugsziel bietet sich vor allem die gut 15 Kilometer entfernte Windmühle Särdals Kvarn an, eine der größten Windmühlen Schwedens, wo im Sommer auch Kunstausstellungen statt finden, so dass man neben der Geschichte der Mühle mit seiner historischen Einrichtung auch moderne Kunst aus dem Halland entdecken kann.

Wer sich Anfang August in Halmstad aufhält, kann auch vom jährlichen Internationalen Festival des Straßentheaters profitieren, das mittlerweile regelmäßig rund 15.000 Besucher anzieht und bei dem einige der weltweit bekanntesten Straßenkünstler ihr Bestes geben.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/26

Kalmar, der Schlüssel Schwedens

Kalmar gehört mit zu den ältesten Städten Schwedens und hatte bereits zur Zeit der Wikinger eine gewisse Bedeutung als Handelszentrum, auch wenn Kalmar, das im Mittelalter als der Schlüssel Schwedens bezeichnet wurde, mehr wegen der nahen Kämpfe zwischen Dänemark und Schweden und der Kalmarer Union bekannt wurde, als hier ein wichtiger Teil der Geschichte Schwedens geschrieben wurde.

Diese Grenzsituation zu Dänemark, verbunden mit der Bedeutung Kalmars ab dem 12. Jahrhundert, führte auch dazu, dass Kalmar relativ früh befestigt wurde, die ältesten Teile des Schlosses bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts zurückreicht und Kalmar über einen Stadtteil verfügt, der teilweise noch aus dem 17. Jahrhundert stammt.

Renaissance-Schloss in Kalmar

Wer heute Kalmar besucht, auch ohne sich tiefer für die Geschichte der Stadt zu interessieren, findet im Grunde zwei historische Gebiete, die beide in die Ostsee hineinragen und früher sehr schwer zugänglich waren. Zum einen handelt es sich dabei um das Schloss Kalmar, das man über die Gamla Stan (Altstadt) erreichen kann. In diesem Schloss wurden einige der wichtigsten Verträge geschlossen, was jedoch den langsamen Verfall nach dem Frieden von Roskilde kaum aufhalten konnte, hätte nicht Oscar I. sich Mitte des 19. Jahrhunderts entschieden das gesamte Schloss zu restaurieren und ihm das heutige Aussehen zu geben.

Die sogenannte Altstadt Kalmars, die Gamla Stan war das ursprüngliche Zentrum der Stadt, das jedoch bei einem Großbrand im Jahre 1640 nahezu vollständig zerstört wurde. Da dieser Teil der Stadt anschließend nach Kvarnholmen verlegt wurde, nutzten die Bürger Kalmars die unbebaute Fläche um dort ihre Sommerhäuser zu bauen, eine Struktur, die bis heute erhalten geblieben ist und gewissermaßen zu einer Museumsstadt innerhalb der Stadt wurde.

Der zweite wichtige historische Teil Kalmars ist der Stadtteil Kvarnholmen, der heute durch mehrere Straßen mit dem Festland verbunden ist. Dieser Stadtteil entstand nach dem Großbrand im Jahre 1640 und verfügt noch über Teile der Befestigungsmauern und die ältesten Gebäude der Stadt, unter anderem die Domkirche, die 1682 eingeweiht wurde und ein Zeichen des schwedischen Großmachtdenkens jener Epoche ist. Im Inneren der Domkirche findet man zahlreiche Gegenstände aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Auf Kvarnholmen findet man auch das Kalmar Läns Museum, das außer den wechselnden Ausstellung eine Reise zum Kriegsschiff Kronan bietet, einem der mächtigsten schwedischen Schiffe des 17. Jahrhunderts, das 1676 vor Öland explodierte und sank, jedoch 1980 mit über 30.000 Fundstücken geborgen werden konnte. Die zweite Dauerausstellung ist Jenny Nyström gewidmet, dem Mädchen aus Kalmar, das einst nach Paris reiste und später einige der bekanntesten Volksillustrationen schuf, unter anderem den freundlichen Weihnachtsmann.

Aber Kvarnholmen ist auch wegen seiner gesamten architektonischen Schönheit zu besuchen, da hier die schwedische Abreißwut der 60er und der 70er Jahre kaum einen Einfluss hatte, was dazu führte, dass Kvarnholmen der schwedische Stadtteil ist, der heute über die meisten denkmalgeschützten Gebäude Schwedens verfügt und nicht nur Architekten einen Blick in die vergangenen Bau- und Wohnweisen erlaubt.

Eine Besonderheit Kalmars ist auch das letzte noch erhaltene Klapp- och Tvätthus, die öffentliche Wäscherei der Stadt, die seit dem 15. April 1857 von der Allgemeinheit benutzt werden kann um dort Wäsche und Teppiche zu waschen. Noch heute trifft man hier immer wieder einmal jemanden, der die frühere Waschmethode zu schätzen weiss.

Eine der modernsten Sehenswürdigkeiten Kalmars ist die Ölandsbrücke, die es Reisenden möglich macht nördlich der Stadt auf einfachste Weise nach Öland zu kommen und Besuchern der Stadt eine interessante Ausflugsstelle für einen Tag bietet. Als die Ölandsbron im Jahre 1972 eröffnet wurde, war sie mit ihren 6072 Metern die längste Brücke Europas.

Das Kunstmuseum Kalmars, das nach starkem Protest der Bevölkerung im Jahre 2008 ein modernes Gebäude im Stadtpark erhielt, hat  sich auf moderne Kunst und Regionalkunst spezialisiert. Allerdings wurde das Gebäude bekannter als der Inhalt des Museums als es noch 2008 den Kasper Salin Preis erhielt, den begehrtesten Architekturpreis Schwedens.

Die frühere Hochschule von Kalmar wurde 2010 mit der Hochschule in Vaxjö zusammen gelegt und damit zur Linnéuniversitetet, der sich Hultsfred mit seiner Musikausbildung und Nybro mit einer Designausbildung zusätzliche anschlossen. Der Schwerpunkt der Universität Kalmar liegt bei Ökologie, Biologie und Chemie, während Växjö sich auf Geisteswissenschaften und Wirtschaft spezialisierte.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/21

Alingsås, die Stadt der Cafés und des Lichtes

Als Gustav II. Adolf im Jahre 1619 Alingsås die Stadtrechte verlieh, war der Ort vor allem für Bürger aus Nya Lödöse gedacht, einem historischen Vorläufer Göteborgs. Und wenn der gleiche König nicht zwei Jahre später auch das heutige Göteborg gegründet hätte, so wäre Alingsås heute vermutlich die wichtigste Stadt im Västra Götaland geworden, obwohl die direkte Verbindung zum Kattegat fehlte. Aber als Militärstratege schuf der König Göteborg und Alingsås musste sogar bis 1639 auf den Privilegienbrief warten.

In Dokumenten taucht Alingsås erstmals im Jahre 1382 auf, entwickelte sich jedoch sehr langsam, woran auch die Stadtrechte nicht viel änderten, denn als Jonas Alströmer 1720 dort seine Manufakturen aufbaute, so hatte Alingsås gerade einmal 150 Einwohner, die dann mit der vorindustriellen Aktivität innerhalb von etwa 70 Jahren auf rund 1000 Bewohner anwuchsen, was etwa zehn Prozent der Bewohner Göteborgs entsprach.


Das älteste Gebäude in Alingsås (am Lilla Torget)
In den folgenden Jahrhunderten hatte Alingsås seine Hoch und Tief, konnte sich jedoch nicht zu einer bedeutenden Stadt entwickeln, was 1971 dazu führte, dass die Stadt Alingsås aufhörte zu existieren und zur Gemeinde Alingsås abgestuft wurde, jedoch das Zentrum eines größeren Gebietes blieb.

Heute ist Alingsås vor allem bekannt wegen seinem Kartoffelfestival Mitte Juni, das daran erinnern soll, dass Jonas Alströmer aus Alingsås der erste war, der in Schweden Kartoffeln in großem Stil anbaute, wegen seinem Lichterfestival Lights in Alingsås, das jeden Oktober rund 50.000 Besucher in den Ort lockt und wegen seiner Dichte an Cafés, denn kaum ein Ort Schwedens verfügt über so viele Cafés, gemessen an der Einwohnerzahl, wie Alingsås.

Auch die Caféhauskultur des Ortes geht auf Jonas Alströmer zurück, denn als die Frauen aus Alingsås Mitte des 18. Jahrhunderts in den Manufakturen arbeiteten, hatten sie keine Zeit mehr zu backen und die Cafés, die auch Brot verkauften, übernahmen dann diese Tätigkeit, was sich in gewisser Weise bis heute gehalten hat und dem Ort seine Gemütlichkeit verleiht.

Das Alströmer Magasinet am Lilla Torget aus dem Jahre 1730 ist das älteste erhaltene profane Gebäude in Alingsås und steht seit 1983 unter Denkmalschutz. Bis 2010 fand man in diesem Gebäude auch das Alingsås Museum, das jedoch aus finanziellen Gründen gegenwärtig geschlossen ist, aber auf ein Comeback wartet.

Heute findet man in Alingsås nur noch zwei Museen von Interesse, nämlich die Kunsthalle mit wechselnden Ausstellungen aktueller Künstler aus der ganzen Welt und das Alingsås Dock & Nallemuseum mit einer Sammlung von über 720 Puppen und knapp 300 Teddybären und anderen Schmusetieren. Das Puppenmuseum ist allerdings nur samstags geöffnet.

Zu den Gebäuden, die man bei Alingsås besuchen sollte, gehört die Ruine des Schlosses Gräfnäs mit seinen Parkanlagen. Die Schlossruine liegt direkt am See Anten, wobei das Schloss bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Allerdings liegt die Ruine etwa 20 Kilometer außerhalb des Ortes, im Gegensatz zum Nolhaga Schloss, das nahezu eingebettet in Alingsås liegt. Dieses Schloss ist heute ein Restaurant mit Konferenzanlagen, wobei die Parkanlagen jedoch für die Allgemeinheit offen sind.

Alingsås verfügt über vier Naturreservate, die ohne Probleme zu Fuß erreicht werden können, darunter die Nolhagaviken, einem Naturwald, der vor allem für Vogelliebhaber ein beliebtes Ziel ist, sich aber auch für längere Spaziergänge eignet. Mit dem Fahrrad oder Auto kann man auch die Seengebiete um Alingsås entdecken, unter anderem die beiden wichtigsten Seen Mjörn, den zweitgrößten See im Västra Götaland, und Gerdsken, wo während des Kartoffelfestivals Drachenboote kreuzen und ein Wettrudern veranstaltet wird.

Mitte April findet in Alingsås der Potatiscupen, der Kartoffelcup statt, eine der größten nordischen Ausscheidungen für Hallenhandball, der nach seiner 33-jährigen Existenz auch immer mehr ausländische Teilnehmer lockt. Am Karfreitag findet der Alingsås Chicken Race statt, ein Mopedrennen an dem jedes Jahr über 600 Teilnehmer gezählt werden und selbst die zahlreichen Veteran-Mopeds eine Chance haben.

Ein besonderes Erlebnis ist auch der Anten-Gräfnäs Järnväg, eine zwölf Kilometer lange Museums-Eisenbahnstrecke in der Nähe von Alingsås, wo man gemütlich mit einer Dampflokomotive die Natur der Umgebung erleben kann. Die Eisenbahn verkehrt jedoch nur an Wochenenden im Sommer.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/17

Uppsala, die schwedische Stadt des Wissens

Wenn man von Uppsala, der viertgrößten Stadt Schwedens, spricht, so meint man im Grunde zwei Städte, die mittlerweile zu einer verschmolzen sind, nämlich Gamla Uppsala, das zur Zeit der Wikinger Uppsala hieß und das neue Uppsala, das damals als Östra Aros bekannt war und im Jahre 1273 zu Uppsala wurde, als der damalige Erzbischof seinen Sitz vom historischen Uppsala nach Östra Aros verlegte.

Das heutige Uppsala erhielt, trotz seiner historischen Bedeutung, erst im Jahre 1497 seine Stadtprivilegien und durfte sogar erst ab dem 19. Jahrhundert, als „Stapelstad“ Waren direkt exportieren und importieren, was jedoch die industrielle Entwicklung kaum behinderte und lediglich den direkten Handel mit anderen Ländern bremste.

Die Mühle an der Fyrisån in Uppsala (18. Jahrhundert)

Der erste Gedanke, der sich mit der schwedischen Stadt Uppsala verbindet, ist in der Regel die Universität Uppsala, die bereits 1477 gegründet wurde und damit die älteste Universität im nordischen Raum ist. Allerdings sollte man dabei nicht vergessen, dass die ersten 300 Jahre lang dort nur Priester ausgebildet wurden denen eine wichtige Rolle im Erziehungswesen und der Führungsschicht der Kirche zugedacht war. Die ersten nichtkirchlichen Ausbildungen tauchten an der Universität erst im 18. Jahrhundert auf, was allerdings nicht nur in Uppsala der Fall war.

Wenn man sich Uppsala nähert, so fallen zwei andere Gebäude zuerst ins Auge, als erstes die Domkirche, eine monumentale Kathedrale in gotischem Stil, die im 13. Jahrhundert begonnen wurde und deren Türme erst im 16. Jahrhundert fertig waren. Nach ausgedehnten Restaurationen hat die Domkyrka heute wieder ihr ursprüngliches Aussehen aus dem 16. Jahrhundert erhalten.

Das zweite Gebäude, das man schon aus der Ferne entdeckt ist das Schloss in Uppsala, das 1549 von Gustav Vasa als Befestigung geplant war und Mitte des 18. Jahrhunderts das heutige Aussehen annahm, nachdem der vorherige Renaissancepalast durch einen Brand zerstört worden war. Im Schlosspark finden auch einige der bedeutendsten Feste der Stadt statt, insbesondere die Walpurgisfeiern mit den traditionellen Gesängen.

Uppsala gehört zu den Städten Schwedens in denen das Stadtbild eine Mischung aus historischen Gebäuden und modernen Großstadt (zum Beispiel das Konzerthaus) ist, so dass man sich im Grunde nur entscheiden muss, was man eigentlich sehen will. Vor allem die neoklassischen Gebäude der Stadt aus dem Ende des 19. Jahrhunderts fielen den Stadtplanern der 60er und 70er Jahre zum Opfer, da ein Neubau weitaus billiger war als die alten Gebäude zu modernisieren und zu restaurieren.

Wer sich in Uppsala mehr für Kultur interessiert, sollte auf jeden Fall Bror Hjorths Hus besuchen, das ehemalige Atelier des schwedischen Künstlers Bror Hjorth, das heute in ein Museum umgewandelt wurde, das Evolutionsmuseum mit der größten nordischen Sammlung an Dinosaurier und das Pelle Svanslös Hus, das einen Ausflug in die Sagenwelt Schwedens ermöglicht.

Für alle, die mehr nach Natur suchen, bietet sich, außer einem Spaziergang entlang der Fyrisån, der Botanische Garten aus dem 17. Jahrhundert an, der einst von Olof Rudbeck für das Königshaus angelegt wurde, das Linnémuseum mit dem Linnégarten, der nach dem System Carl von Linnés angelegt wurde und das Biotopia, ein interaktives Naturmuseum, das insbesondere Kindern den Zugang zum Erlebnis Natur erleichtert.

Um sich etwas austoben zu können und gleichzeitig ein tropisches Milieu zu entdeckten, empfiehlt sich ein Ausflug ins Abenteuerbad Fyrishof, das sich in den Sportanlagen der Stadt befindet und ganzjährig geöffnet hat.

Wer dann noch einen Blick in die früheste Zeit Uppsalas werfen will, muss sich Richtung Königshügel nach Gamla Uppsala begeben, denn auch wenn man auf den grünen Hügeln nicht unbedingt an die Wikinger erinnert wird, so wird man im Gamla Uppsala Museum entschädigt und kann einer Reise vom Jahre 500 bis zum Jahre 1100 folgen.

Während der Sommermonate ist in Gamla Uppsala auch der Disagården geöffnet, ein Freilichtmuseum, das dem Landleben des Uppland mit historischen Gebäuden und mit Vorführungen aus vier Jahrhunderten gewidmet ist. Vor allem ein Aufenthalt zu Mittsommer ist hier ein wahres Erlebnis und lohnt die Summe für den Eintritt.

Ein Erlebnis besonderer Art ist auch eine Reise auf der schmalspurigen historischen Eisenbahn, die zwischen Uppsala und Faringe verkehrt, denn es gibt nicht mehr viele Stelle, wo man mit einer Dampflok gemütlich durch die Schönheit des Uppland geführt wird. Die rund 32 Kilometer lange Strecke wird nur im Sommer regelmäßig befahren.

Copyright: Herbert Kårlin
 

2012/09/15

Örebro, die Stadt der Schuhmacher

Örebro hatte allein wegen seiner Lage am Hjälmaren und an der Svartån eine strategisch wichtige Lage, so dass die Geschichte Örebros vom 14. bis zum 18. Jahrhundert zahlreiche Höhepunkte hatte, aber auch der Austragungsort von Streitigkeiten war, eine Tatsache, die sicher mit dafür verantwortlich ist, dass Örebro heute die sechstgrößte Stadt Schwedens ist und mit einer Geschwindigkeit wächst, dass sie bereits 2015 größer sein kann als Västerås und diese dann vom fünften Platz verdrängt.

Auch wenn heute nichts mehr an diese Epoche erinnert, so war Örebro im 19. Jahrhundert die schwedische Hauptstadt der Schuhindustrie. Im Jahre 1873 zählte man in der Stadt 365 verschiedene Schuhfabriken und kleinere Schuhmacher. Unter ihnen fand man die bedeutendsten Schuhmarken Schwedens, die allerdings der Globalisierung nicht gewachsen waren. Schon 1970 musste der letzte Hersteller seinen Laden schließen.

Das Schloss in Örebro

Auch in anderen Hinsichten hat sich Örebro seit dem 19. Jahrhundert stark verändert, denn die Industrie machte mehr und mehr dem Handel und Dienstleistungsunternehmen Platz, wobei heute die Universität und das Universitätskrankenhaus als die größten Arbeitgeber der Stadt gelten, nachdem selbst die Garnison bereits vor Jahren abzog.

Selbst wenn man weiß, dass Örebro sehr früh eine wichtige Rolle in Schweden spielte und unter Birger jarl gegen 1260 eine erste Festung erbaut wurde, so ist unbekannt wann die Stadtprivilegien ausgestellt wurden. Sicher ist jedoch, dass Örebro etwa zur gleichen Zeit Stadt wurde wie Stockholm, Nyköping oder Arboga, auch wenn sich die Strukturen der vier Städte heute sehr unterscheiden.

Das dominante Gebäude Örebros ist auch heute noch das Schloss, das sich unter Herzog Karl aus einer einfachen Festung zu einem prächtigen Bau entwickelte. Leider können nur Teile des Schlosses bei Führungen besichtigt werden, ausgenommen das Schlossmuseum, das in einem der Türme untergebracht ist und die Geschichte des Schlosses dokumentiert.

Um eine Reise in die Vergangenheit Örebros zu unternehmen, muss man das historische Städtchen Wadköping besuchen, des nur einen mittleren Spaziergang vom Zentrum entfernt liegt und nahezu alle historischen Gebäude vereint, die einst das Zentrum der Stadt ausmachten. Sehr viele der Gebäude beinhalten zusätzliche noch Museen innerhalb der Museumsstadt.

Von großem Interesse ist auch die Sankt Nicolai Kirche am Stortorget, die noch einige Elemente behalten hat, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen und alle Umbauten überlebten. Der monumentale Turm der Kirche ist allerdings weitaus jünger und erhielt das heutige Aussehen erst Ende des 19. Jahrhunderts.

Bauwerke des 19. Jahrhunderts sind in Örebro noch relativ zahlreich, angefangen vom Rathaus, das ebenfalls am Stora Torget liegt, über das Theater und den Hauptbahnhof bis zum Stora Hotellet oder dem Gamla Sparbankshuset.

Wer sich für die Geschichte Örebros und der Region Närke interessiert, wird im Örebro Länsmuseum voll auf seine Kosten kommen, denn hier wird die Geschichte der Stadt in mehreren Räumen von den ersten Funden bis heute auf eindrucksvolle Weise demonstriert, wobei temporäre Ausstellungen auch in die Gegenwart führen.

Im Sommer findet das Leben Örebros, wenn man von den Grünflächen absieht, am Stora Torget statt, wobei hier der Begriff „Stora“ wörtlich zu nehmen ist, denn dieser Platz misst eine Länge von 362 Metern, wobei man rechts und links auch zahlreiche Cafés und Restaurants jeder Preisklasse findet. Dominiert wird der Platz vor allem von der Statue des lokalen Helden Engelbrekt Engelbrektsson.

Unter den Grünflächen Örebros sollte man weder den Stadtpark mit seinen unzähligen Rosen und den blühenden Gartenanlagen, noch den Schlosspark vom Jahre 1760 vergessen, der auf einer kleinen Insel liegt, die auch über eine Brücke erreicht werden kann. Beide Parkanlagen liegen nahe der Museumsstadt Wadköping. Etwas außerhalb der Stadt findet man auch die beiden Naturreservate Oset und Rynningeviken, die beide am Hjälmaren liegen.

Besondere Ereignisse in Örebro sind die Kunstbiennale OpenART, die für Sommer 2013 wieder geplant ist, das Örebrofesten Anfang August, das vor allem Essen und Musik zum Thema hat, der Weihnachtsmarkt in Wadköping und die Hindersmässan Ende Januar, die bereits seit mehreren hundert Jahren in Örebro organisiert wird, ein Jahrmarkt, der mittlerweile rund 80.000 Besucher anzieht.

Copyright Foto und Text: Herbert Kårlin

2012/09/12

Das Schloss Bogesund im schwedischen Uppland

Per Brahe der Jüngere, der auf dem Schloss Rydboholm aufgewachsen war, erbte im Jahre 1630 das Gut Bogesund, das damals noch Bogösund hieß, von seinem Vater, aber da ihn der alte Bau nicht interessierte, ließ er das Gut abreißen um ab 1640 ein für die damalige Zeit moderneres Schloss an der gleichen Stelle erbauen zu lassen.

Das Schloss Bogesund im schwedischen Uppland war quadratisch gebaut und hatte vier Etagen sowie zwei Dachwohnungen, eine Struktur, die heute noch deutlich zu sehen ist. Die charakteristischen Türme, die heute dem Schloss den Charakter verleihen, kamen erst Mitte des 19. Jahrhunderts bei einem Umbau des Gebäudes hinzu.

Stich: Suecia antiqua et hodierna
 
Per Brahe der Jüngere ließ auch den Garten um das Schloss anlegen, der allerdings bereits damals nicht so prachtvoll war wie die meisten anderen Schlossgärten, die um diese Zeit üblich waren. Die Ursache ist vermutlich, dass Brahe das Gebäude mehr als Wohnung ansah und weniger für repräsentative Zwecke nutzen wollte.

Als die letze Brahe-Erbin, Kristina Anna Brahe, starb, bewohnte ihr Mann das Schloss Bogesund noch bis zu seinem Tod im Jahre 1753. Die Erben Brahes verkauften es dann wenige Jahre später an Fredrik von Rosen, der es allerdings nur sieben Jahre lang besaß und 1774 an Albert von Lantingshausen verkaufte, einen engen Freund des Königs Gustav III.

Fredrik von Rosen ließ das Schloss restaurieren, ohne jedoch die Bausubstanz zu verändern. Aus der Zeit, als Rosen das Schloss bewohnte, sind noch heute mehrere Details im Schloss zu finden, unter anderem von Tapeten, Kachelöfen und einige Schnitzereien.

Albert von Lantinghausen wollte dem Schloss Bogesund dann mehr Prunk geben und beauftragte den Architekten Thor Medelplan mit dem Umbau. In dieser Zeit entstanden dann erst die Eingangstreppen und der monumentale Eingang und später die Türme und eine Schlosskapelle. Lantinghausen ließ auch einen Wintergarten anlegen und gab dem Schlosspark einen romantischen Einschlag, der allerdings nicht erhalten wurde. Allerdings sah Albert von Lantinghausen nie das fertige Gebäude, da er vorher starb. Das Schloss blieb jedoch weiterhin in der Familie.

Nils von Lantinhausen von Höpken, der das Schloss Bogesund im Jahre 1906 erbte, interessierte sich wenig für das Gebäude und ließ es langsam verfallen. Dies führte 1946 dazu, dass das Schloss enteignet wurde und Nils erhielt eine Entschädigung in Höhe von 11,6 Millionen Kronen. Allerdings dauerte es noch viele Jahre bis der schwedische Staat das Schloss Bogesund dann tatsächlich restaurierte, denn anfangs wurde es als Gefängnis benutzt und 1949 wurde es, in dem Zustand in dem es sich befand, unter Denkmalschutz gestellt.

Als das Schloss Bogesund dann 1993 an das Statens Fastighetsverk eingegliedert wurde, begann man sich über die Restauration Gedanken zu machen und 1996 begann man endgültig mit den Arbeiten und versuchte möglichst viele Details des Schlosses auch zu konservieren um eine weitere Degradation zu verhindern.

Nachdem im Jahre 2012 die letzten Restaurationen abgeschlossen wurden und das Schloss Bogesund wieder sein Aussehen erhalten hatte, das es gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte, wurden große Teile des Gebäudes auch für die Allgemeinheit geöffnet und  mehrere Säle können besichtigt werden.

Die Wälder und die parkähnliche Umgebung des Schlosses wird seit vielen Jahren von der schwedischen Landwirtschaftsuniversität für Forschungsprojekte benutzt. Gegenwärtig erwägt die Regierung das zum Schloss gehörige Waldgebiet in eine staatliche Aktiengesellschaft zu verwandeln und gewinnbringend anzuwenden.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/10

Gävle, die Stadt des brennenden Weihnachtsbocks

Gävle im Gästriksland ist mit seinen knapp 72.000 Einwohner die dreizehnt größte Stadt des Landes und liegt durch die Gävlebucht direkt an der Ostsee, was in der Geschichte Gävles von großer Bedeutung war. Einen gewissen Ruf erwarb Gävle durch den Weihnachtsbock, der trotz aller Sicherheitsmaßnahmen nahezu jedes Jahr in Flammen aufgeht und durch die schwedische Kaffeemarke Gevalia, was nichts anderes als der lateinische Name des Ortes ist.

Wann Gävle erstmals besiedelt wurde, ist unbekannt, aber bereits 1413 wird der Ort in offiziellen Dokumenten als Stadt bezeichnet und die ältesten bekannten Stadtprivilegien stammen von 1446, wobei der Hafen für den Export von Eisen aus dem nördlichen Bergslagen benutzt wurde und die Fischer Gävles über lange Zeit hinweg auch das königliche Monopol auf den Fischfang entlang der gesamten nordschwedischen Küste hatten.

An der Drottninggatan in Gävle findet man einen besonderen Gävlebocken

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Gävle zu einer der bedeutendsten Industriestädte nördlich von Stockholm, da sich hier Papierindustrie, mechanische Industrie und Textilindustrie ansiedelten zu denen sich dann die Herstellung von Süßigkeiten, Werft und chemische Fabriken gesellten. Dieser Entwicklung ist zu verdanken, dass sich Gävle auch als Stadt behaupten konnte, wobei Gävle bis heute in einem beachtlichen Tempo weiterwächst. Im Jahre 1800 hatte die Stadt 5410 Einwohner, deren Anzahl sich innerhalb eines Jahrhunderts vervierfachte und nun jedes Jahr um rund 600 Personen anwächst.

Der heute größte touristische Anziehungspunkt Gävles ist das Eisenbahnmuseum mit einer weltweit einzigartigen Sammlung, die die 150-jährige Geschichte der Eisenbahn unter den verschiedensten Aspekten und an Originalen sowie an Modellen, Uniformen und vielem anderen zeigt.

Das Schloss in Gävle wurde nach dem Brand im Jahre 1727 nicht mehr in der früheren Bauweise errichtet, sondern gleicht mehr einem großen Wohnhaus. Das Gebäude wird vom Vertreter der Regionalregierung bewohnt und kann nicht besichtigt werden, im Gegensatz zum Schlosspark, der für die Allgemeinheit geöffnet ist.

In nächster Nähe des Schlosses findet man das Gefängnismuseum, das in zwei Teile geteilt ist. Auf der einen Seite der Straße findet man das düstere Schlossgefängnis und auf der anderen das Zellengefängnis. In diesem Museum wird die Geschichte des gesamten schwedischen Strafsystems dokumentiert, wobei man auch frühere Sträflinge in Form von Puppen entdecken kann.

Wer sich mehr für Kunst interessiert, findet in Gävle das Länsmuseet Gävleborg, das sich insbesondere auf die schwedische Kunst der 60er und der 70er Jahre spezialisiert hat. Carl Larsson, Bruno Liljefors und Sigrid Hjerén sind nur einige der Namen, die das Regionalmuseum zu einem Anziehungspunkt machen.

Ein Erlebnis besonderer Art kann der Besuch in der Whiskydestillerie Mackmyras sein, die direkt im Anschluss an Gävle zu finden ist und wo in der Gravitationsdestillerie schwedischer Whisky hergestellt wird. Der Besucher kann dort innerhalb von 90 Minuten das Gesamtverfahren der Whiskyherstellung verfolgen, allerdings das hochprozentige Getränk nicht erwerben, da der Verkauf den Systembolaget vorbehalten ist.

Die Heliga Trefaldighets Kyrka im Zentrum Gävles wurde erst Mitte des 17. Jahrhunderts gebaut und in der Folgezeit mehrmals restauriert. Außer einem Runenstein hat die Kirche relativ wenig zu bieten und dient überwiegend dem Gebet.

Nicht zu vernachlässigen ist auch das kleine Museum im Joe Hill Gården, wo der Dichter, Musiker und Kämpfer für das Recht der Arbeiter einst aufwuchs. Im Museum kann man den Lebensweg Joe Hills nachgehen, einer Person, die bis heute selbst in den USA noch in aller Munde ist.

Ein sehr interessanter Ausflug von Gävle führt nach Bönan, dem alten Fischerort aus dem 18. Jahrhundert, der nicht nur zu einem interessanten Spaziergang einlädt, sondern auch das Leuchtturmmuseum Böna Fyrmuseum bietet und die Böna Kapell, eine Holzkapelle mit einem sehr eigenwilligen, separaten Glockenturm aus dem Jahre 1843, die heute als die Hochzeitskapelle der gesamten Umgebung gilt.

Wenn man sich in Gävle befindet, so sollte man auch einen Tag für den Furuviksparken vorsehen, der sich etwa zehn Kilometer östlich von Gävle befindet und eine Mischung aus Erlebnispark, Tierpark und Vergnügungspark mit hervorragenden Bademöglichkeiten ist. Zu Mittsommer wird hier grundsätzlich eine åländische Mittsommerstange aufgestellt, was außerhalb Ålands extrem selten ist.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/07

Västerås, eine zukünftige Großstadt Schwedens

Västerås, die Stadt am Mälaren mit seinen Schären ist heute die fünftgrößte Stadt Schwedens. Auch wenn der Ort an dem sich heute die Stadt Västerås befindet bereits zur Jungsteinzeit besiedelt war, so geht die Geschichte der Stadt „nur“ bis zum Jahr 990 zurück, was bedeutet, dass Västerås mit zu den ältesten Städten Schwedens gehört.

Obwohl sich Västerås im Laufe der letzten Jahrhunderte zu einer modernen Industriestadt entwickelt hat, so hat das Stadtzentrum seinen Stadtplan vom Mittelalter erhalten und nördlich der Domkirche findet man nach heute Gebäude, die bereits mehrere hundert Jahre hinter sich haben, die klassische Baukunst Schwedens behalten haben und sich sehr deutlich von den moderneren Stadtteilen abgrenzen.

Die Elba legt im Hafen von Västerås an

Wer sich mehr für das historische Västerås interessiert, sollte natürlich das Museumsdorf Vallby besuchen, das sich nur zwei Kilometer nördlich von Västerås befindet, denn hier findet man zahlreiche historische Gebäude aus Västerås und anderen Teilen des Västmanland in mittelalterlicher Form. Das älteste Gebäude des Museumsdorfes stammt aus dem 17. Jahrhundert, wobei verschiedene Vorführungen und Kurse, die dort während des Sommers stattfinden, auch das Leben jener Epoche schildern.

Nicht zu vergessen ist natürlich die Domkirche in Västerås, die am 16. August 1271 eingeweiht wurde und an der man deutlich die Entwicklung vom 13. Jahrhundert bis zum 18. Jahrhundert entdecken kann. Der Ziegelbau war beim Bau von Kirche mit den Bettelmönchen erst kürzlich nach Schweden gekommen, weshalb man in Västerås noch die älteste Ziegelkunst Schwedens finden kann.

Auch Teile des Schlosses in Västerås, das teilweise besichtigt werden kann, kommen noch aus dem 13. Jahrhundert, ein Schloss, das unter Gustav Vasa eine wichtige Rolle für die Geschichte Schwedens spielte und sein heutiges Aussehen im 16. Jahrhundert bekam, nach einem Brand im Jahre 1737 jedoch teilweise neu aufgebaut werden musste. Die letzte Restauration fand dann 1965 und 1966 statt, was auch dazu führte, dass Teile des Schlosses von der Regionalregierung benutzt werden.

Das moderne Västerås wurde vor allem vom Stadtarchitekten Erik Hahr zwischen 1909 und 1935 geschaffen, als die schwedische Industrialisierung auch nach Västerås gefunden hatte. Ergänzt wurde dieser Teil dann mit dem fünfthöchsten „Wolkenkratzer“ Schwedens, dem Skrapan mit seinen 25 Etagen und dem Rathaus mit seinem 65 Meter hohen Turm mit Glockenspiel, das nur wenige Meter von der Svartån entfernt liegt.

Für Kunstliebhaber bietet Västerås, die Stadt in der das erste Hennes & Mauritz gegründet wurde, das Kunstmuseum mit rund 8000 Werken, wobei sich das Museum auf schwedische Künstler spezialisiert hat und daher einen guten Einblick in die schwedische Kunstgeschichte bietet und auch zahlreiche moderner Künstler des Landes ausstellt.

Wer sich mehr für Kunst und Kultur in Västerås interessiert, findet natürlich auch mehrerere Theater, etwa 300 öffentliche Kunstwerke, kann der Västerås Sinfonietta lauschen, einem der ältesten Symphonieorchester Schwedens, das Västmanlands läns Museum besuchen, das Flugmuseum, das Freizeitbootmuseum oder auch das Schulmuseum.

Wer mehr Ruhe in Västerås sucht, sollte bei einem Bummel in der Stadt der Brücken einen Blick auf die Parkanlagen von Västerås werfen und vor allem nicht den ältesten Botanischen Garten Schwedens vergessen, der bereits im 17. Jahrhundert gegründet wurde und die Pflanzen in eine künstlerische Atmosphäre einbettet.

Vor allem im Sommer ist der tägliche Markt am Stora Torget eine wahre Attraktion, an der Sich Bewohner der Stadt und Besucher kreuzen. Als Besucher sollte man nicht vergessen hier auch Ausschau nach den Gurken aus Västerås zu halten, die bekanntesten Gurken Schwedens, die einst über den deutschen Gärtner Bernhard Johan Bohnsack nach Västerås kamen und von hier aus nach ganz Europa exportiert wurden.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/02

Das Schloss Rydboholm im schwedischen Uppland

Das Schloss Rydboholm (Rydboholms slott) in der Gemeinde Österåker im Uppland gehört zu jenen Schlössern, die in Schweden weniger bekannt sind, da das Gebäude in Privatbesitz ist und nur der englische Garten und zu wenigen Gelegenheiten auch der Vasaturm zu besichtigen ist. Allerdings lohnt es sich diese Besichtigungen einzuplanen, da vor allem der Vasaturm mit seinen Originalmalereien auf den Paneelen und der Einrichtung aus dem 16. Jahrhundert ein Wunderwerk ist.

Die ältesten Teile des Schlosses Rydboholm stammen aus dem 15. Jahrhundert, als dort ein Sätesgård gebaut wurde, also der Sitz eines Adeligen, dem die Steuerfreiheit gewährt worden war. Aus dieser Zeit stammt auch der Vasaturm. Der größte Teil des heutigen Schlosses wurde dann im 16. Jahrhundert umgebaut oder hinzugefügt. Auch die Einrichtung des Vasaturmes geht daher nur bis etwa 1550 zurück. Wenn man das Schloss Rydboholm jedoch als Ganzes betrachtet, so entdeckt man überwiegend den Stil des 18. Jahrhunderts, jener Zeit, als Magnus Fredrik Brahe die Gebäude nach seinen Ideen verändern ließ und gleichzeitig den englischen Park anlegte.

Rydboholm gehörte im 15. Jahrhundert dem Adelsgeschlecht Sture und war eines der größten Güter im Großraum Stockholm. Einige der Höfe und einige Torp (bäuerliche Hütten) sind noch relativ gut erhalten und können auf dem Weg zum Schloss betrachtet werden. Durch eine Ehe ging der Besitz dann in das Geschlecht Vasa über um wiederum später in das Geschlecht der Brahe zu gelangen, wo es,  bis auf die Zeit zwischen 1756 und 1761, bis zum Jahre 1930 blieb, als die Linie Brahe ausstarb. Nach einem Testament erhielt das Schloss Rydboholm anschließend der Freiherr W. Von Essen, der Neffen von Magnus Per Brahe. Heute wird das Schloss von der Gräfin Elisabeth Douglas und dem Grafen Gustaf Douglas bewohnt.

Als Geschichtswissenschaftler herausfinden wollten wo Gustav Vasa eigentlich geboren wurde, so kam man zum Ergebnis, dass er entweder im Lindholmes gård in Vallentuna oder aber im Schloss Rydboholm geboren wurde. Der Turm, der nach Gustav Vasa benannt ist, wurde lange Zeit als der Studienraum Gustavs betrachtet, bis Analysen ergaben, dass er erst gebaut wurde, als Gustav Vase bereits den Thron bestiegen hatte. Bestätigt wurde jedoch, dass sich der zukünftige König in seiner Jugend sehr viel im Rydboholms slott aufgehalten hat.

Wer bereits das Schloss Rydboholm besucht, sollte daran denken, dass sich in nächster Nähe auch die Östra Ryds Kirche (Östra Ryds Kyrka) aus dem 14. Jahrhundert befindet und das Grabfeld Tibble mit zwei Runensteinen, wobei einer davon den Wikinger Fröger aus Roslagen nennt.

Für die Besichtigung des Vasaturmes ist es sinnvoll sich rechtzeitig an das Fremdenverkehrsamt in Österåker zu wenden, das mit den Nachbargemeinden unter dem Namen Roslagen zusammenarbeitet.

Copyright: Herbert Kårlin