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2012/10/17

Jokkmokk, die Stadt der Sami

Jokkmokk, beziehungsweise Jåhkåmåhkke oder Dálvvadis, wie es von den Sami teilweise genannt wird, war vermutlich bis weit in die Vergangenheit ein Winterlager der Sami, dessen Schicksal sich im 16. Jahrhundert änderte, als der Ort erstmals als Steuerzahler auftaucht. Im Auftrag des schwedischen Königs reiste im Jahre 1611 dann auch Andreas Bureus nach Jokkmokk, das direkt am Polarkreis liegt, um die erste Karte Lapplands zu erstellen und dabei die Grundlage dafür zu legen, dass auch diese Gegend in das schwedische Reich integriert wird. Wenn man Dálvvadis übersetzt, so bedeutet dies noch heute „Winterlager“, auch wenn sich heute viele Sami neben den einstigen schwedischen Siedlern fest in Jokkmokk niedergelassen haben und nur noch ein Teil der Bevölkerung das Leben von Rentier-Nomaden führt.

Natürlich war Jokkmokk bis 1605 weder eine feste Ansiedlung noch ein fest geregelter Handelsplatz, aber da sich hier die Sami trafen, entschied Karl IX. an dieser Stelle, die durch zahlreiche Wege eine wichtige Stelle einnahm, einen Marktplatz einzurichten, was natürlich damit verbunden war hier auch eine Kirchstadt entstand, von der heute jedoch nicht noch einige Reste zu finden sind. Dies garantierte, dass sich in Jokkmokk auch königstreue Händler niederließen und bald auch Siedler dazustießen. Dies garantierte, allein durch die Kirchpflicht und den festgelegten Markt im Winter, dass Sami ihre Steuern an den König bezahlten, aber ihre Waren auch in erster Linie nach Stockholm kamen.

Wer nach Jokkmokk kommt, selbst wenn man nur die Durchreise zu den vier Nationalparks in Laponia plant, sollte auf jeden Fall am Ájtte anhalten, dem schwedischen Gebirgs- und Samenmuseum, dem größten Museum samischer Kultur des Nordens, das gleichzeitig ein Informationszentrum über das Gebirge Nordschwedens enthält und wo man sehr viele Hinweise findet, die Probleme in der Gebirgswelt vermeiden helfen.

Wer sich dann für gegenwärtiges samisches Kunsthandwerk interessiert, sollte Sámi Duodji besuchen, eine Stiftung, die sich für den Fortbestand samischen Handwerks einsetzt und auch Kurse in den verschiedensten Techniken anbietet. Sámi Duodji ergänzt in gewisser Weise das Ájtte-Museum.

Wer noch mehr über samische Tradition und Kunsthandwerk erfahren will, wird in Jokkmokks Tenn fündig, wo man traditionelle Arbeiten in Zinn entdeckt, die nicht nur Kleidungsstücke zierten, sondern mit ihren mythologischen Symbolen auch eine Zauberkraft vermittelten. Nach einem Besuch in Jokkmokks Tenn wird man die Kulturgeschichte der Sami weitaus besser verstehen als nur eine Broschüre darüber zu lesen.

Sowohl die Gamla Kyrkan Jokkmokks, die nach einem Brand im Jahre 1972 vollkommen neu aufgebaut wurde als auch die Jokkmokk Kyrka aus dem Jahre 1889, die allgemeine Versammlungskirche, haben sehr interessant architektonische und künstlerische Details, sind jedoch zu jung um historisch von größerer Bedeutung zu sein und stehen in gewisser Weise im Kontrast zur ursprünglichen Kulturgeschichte Lapplands.

Bevor man im Gebirge um Jokkmokk die dort typische Vegetation in seiner natürlichen Umgebung entdecken kann, ist ein Besuch im Fjällträdgård des Ortes als Empfehlung zu sehen, da hier die Gewächse der Bergwelt in Miniatur und in komplexer Form zu entdecken ist und auch erklärt wird, was später das Wiedererkennen der typisch lappländischen Vegetation erheblich erleichtert.

Auch wenn Jokkmokk eine reiches kulturelles Leben bietet, so ist das wichtigste Ereignis des Jahres der Jokkmokk Marknad, der samische Wintermarkt (Samenmarkt), der einst von Karl IX. als feste Einrichtung geschaffen wurde. Vom 7. bis zum 9. Februar 2013 kann man im ganzen Ort das nächste größte nordeuropäische Winterfest erleben. Dieser Mark beginnt jedes Jahr am ersten Donnerstag im Februar, wobei er allerdings nicht mehr drei Wochen dauert wie zu seiner Anfangszeit, sondern nur noch drei Tage. Der Besucher sollte sich allerdings darauf einstellen, dass Jokkmokk mit seinen knapp 3000 Einwohnern in dieser Zeit über 40.000 Besucher zählt, die diesen Markt mindestens einmal erleben wollen.

Wer auf seiner Reise bereits Jokkmokk und den Polarkreis erreicht hat, findet allein in der Gesamtgemeinde Jokkmokk noch mehrere andere bedeutende Sehenswürdigkeiten, unter anderem in Porjus und Vuollerim. Aber es wartet auch das Gebirge Schwedens (Fjällen) und das 9400 Quadratkilometer große Laponia mit seinen Nationalparks Sarek, Muddus, Padjelanta und Stora Sjöfallet, die seit 1996 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/13

Karlstad, die Wasserstadt im Värmland

Karlstad, die größte Stadt des Värmlands zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich im Delta des Klarälven befindet, der dort in den nördlichsten Teil des Vänern mündet. Mit über 60.000 Einwohnern nimmt Karlstad den 17. Platz in der Rangordnung der schwedischen Städte ein.

Auch wenn Karlstad bereits zur Zeit der Wikinger ein Handelsplatz war, der unter dem Namen Tingvalla im 13. Jahrhunderts erstmals in offiziellen Dokumenten genannt wird, ein Ort, an dem auch das jährliche Ting abgehalten wurde, so erhielt Karlstad seine Stadtprivilegien erst im Jahre 1584 von Karl IX., der dem Ort auch seinen Namen gab. Allerdings verfügte die gesamte Stadt um diese Zeit gerade einmal über 150 Einwohner, die sich auf 45 Haushalte verteilten.

Die längste Steinbrücke Schwedens findet man in Karlstad.
 
Das Logo von Karlstad ist eine freundliche Sonne, was jedoch nicht ein Ausdruck für die Sonnenstunden am Vänern sein soll, sondern an Sola i Karlstad, die Bedienung Eva Lisa Holtz erinnern soll, der eine ständige gute Laune nachgesagt wird und die heute als Statue vor dem Stadthotel steht.

Auf Grund der zahlreichen Brände, die Karlstad heimsuchten, hat die Stadt nicht nur einen modernen Charakter, sondern selbst das Straßennetz entstand wegen der Brandgefahr. Die Straßen sind daher sehr breit und sollten als Feuerschutz dienen. Entsprechend gehört auch der zentrale Stora Torget zu den größten Plätzen Schwedens auf dem dreimal die Woche Marktstände aufgebaut werden.

Seit 1999 verfügt Karlstad über eine Universität, die sich vor allem auf die Forschung spezialisiert hat, aber auch Ausbildungen in Naturwissenschaft, Gesellschaftswissenschaft und Medizin anbietet. Im Jahre 2009 entstand dann ebenfalls eine Handelshochschule, wobei beide Einrichtungen gemeinsam etwa 10.000 Studenten ausbilden.

Das dominanteste Gebäude Karlstads ist die Domkirche in überwiegend barockem Stil. Auf Grund der Brände und mehrere Umbauten hat die Kirche keinen klaren Stil und selbst der Hauptaltar stammt erst aus dem Jahre 1967. Interessant ist daher vor allem der alte Altar mit den beiden Engeln des schwedischen Künstlers Johan Tobias Sergel.

Unter den Museen der Stadt sticht vor allem das Värmlands Museum hervor, das zu den meistbesuchten Regionalmuseen Schwedens gehört und einen Gesamtüberblick über das Värmland von der frühesten Zeit bis heute bietet, also eine Reise durch eine 10.000-jährige Geschichte erlaubt.

Das Brigademuseum mit dem Schwerpunkt „Kalter Krieg“, das bereits im Jahre 2012 öffnen sollte, wird nun offiziell am 1. Juni 2013 seine Türen öffnen. Das Museum wird von einem Verein getragen und will mit seinen interaktiven Ausstellungen jedes Alter ansprechen.

Im Juni 2012 öffnete das Lars Lerin Museum mit einer reichen Auswahl an Aquarellbildern des Künstlers, der in Munkfors im Värmland geboren wurde. Der Gegenwartskünstler Lars Lerin gilt als einer der herausragendsten Aquarellmaler des modernen Schweden. Sein Museum, das sich vorher in Munkfors befand, ist mittlerweile geschlossen.

Einige Kilometer außerhalb von Karlstad findet man das Geburtshaus des größten värmländischen Dichters Gustaf Fröding. Das Gut aus dem 18. Jahrhundert beherbergt eine kleine Ausstellung zum Nationalskalden des Värmland, wobei ein Besuch vor allem Ende August von größerem Interesse ist, da der Geburtstag des Dichters auf besondere Weise gefeiert wird. Ansonsten ist der Alster Herrgård eine beliebte Ausflugsstelle für die Bewohner Karlstads.

Wer der Stadtatmosphäre entkommen will, dem bietet Karlstad Ausflüge in die Schären des Vänern an, eine fotografische Biberjagd im Klarälven von einem Kajak aus, 90 Kilometer an Fahrradtouren in der Umgebung, fern von jedem Autoverkehr oder auch eine Entspannung bei einer Runde Golf.

Kulturell bietet Karlstad mit seiner Oper, dem Scalateatern und dem Värmlandsteatern ein Angebot, das einer größeren Stadt gerecht werden kann, wobei insbesondere die Oper mit 65 fest angestellten Solisten eine sehr hohe Qualität bietet, die Besucher aus ganz Schweden anzieht.

Der sogenannte Sandgrundsudden, der von beiden Seiten von Armen des Klarälven umgeben ist und am Värmlandsmuseum liegt, ist im Sommer das kulturelle Zentrum Karlstads, wo man nicht nur bei einem Picknick an den Stränden und auf den Wiesen liegen kann, sondern wo auch zahlreiche Konzerte und andere Veranstaltungen stattfinden.

Copyright: Herbert Kårlin