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2012/10/23

Visby, die mittelalterliche Stadt Schwedens

Visby, die größte Stadt Gotlands und ein UNESCO Weltkulturerbe, ist die Stadt Schwedens, in der man das Mittelalter am deutlichsten spüren kann, nicht zuletzt auch wegen der 3,4 Kilometer langen Stadtmauer, die heute noch ein Symbol Visbys ist. Geschichtlich gesehen war Visby ein alter Kultplatz auf dem sich langsam eine Stadt entwickelte. Die ältesten Funde gehen hier bis etwa 700 nach Christus zurück,  was einerseits bedeutet, dass Visby nicht die älteste Ansiedlung auf Gotland war, andererseits aber auch die Aussage zulässt, dass sie mit dem steigenden Handel ab der Zeit der Wikinger eine immer größere Bedeutung auf der Insel erlangte.

In Visby entstand vermutlich gegen Mitte des 11. Jahrhunderts die erste Kirche auf Gotland, die auf einem vorchristlichen Opferplatz erbaut wurde um die Macht des neuen Gottes zu demonstrieren. Gleichzeitig stellte diese Kirche jedoch auch eine gewisse neutrale Zone für alle Kaufleute dar, die um diese Zeit in Visby Halt machten. Bereits lange Zeit bevor die Hanse einen Einfluss in Visby gewann, hatte der Ort bereits nachweislich Handelsverträge mit Schweden, mit Dänemark und mit Russland.

In diesem Rahmen muss man auch sehen, dass Gotland erst sehr spät Teil des schwedischen Reiches wurde, sondern sehr lange eine gewisse Selbständigkeit bewahrte, die sich an eigenen Gesetzen, den Gutalagen, ausdrückte, aber auch an einer eigenen Sprache, die sich erheblich vom Urschwedischen unterschied. Auch die Vorgeschichte Gotlands weicht in vielen Punkten von der schwedischen Geschichte ab.

Auch wenn man bei der Ankunft in Visby unmittelbar in die mittelalterliche Atmosphäre der Altstadt mit der Ringmauer eintauchen möchte, so ist es sinnvoll, sich zuerst ein wenig mit der Entwicklung und der Geschichte Visbys auseinanderzusetzen und einen Besuch im Gotlands Museum zu planen, da  man nach dem Besuch der verschiedenen Ausstellung weitaus mehr von Gotland verstehen wird als bei einem unmittelbaren Besuch der historischen Sehenswürdigkeiten.

Wenn man dann während der kulturellen Wanderung durch Visby unruhige Kinder bei sich hat, so bietet sich ein Abstecher in das Science Center Gotland, denn hier wurde nicht nur die Geschichte des Wissens zusammengetragen, sondern Kinder können hier auch spielerisch zahlreiche Experimente anschaulich nachvollziehen.

Wer sich mehr für die Verteidigung Schwedens und insbesondere jener Gotlands interessiert, kann natürlich auch einen Blick in das FörsvarsMuseum in Visby werfen, das vor allem die letzten hundert Jahre der nordischen Verteidigung näher bringt, aber mit Themenausstellungen auch weiter in die Vergangenheit zurückgeht.

Das Kunstmuseum auf Gotland ist vor allem deswegen einzigartig in Schweden, weil hier weniger ein Schwerpunkt auf allgemeine Kunst oder auch nordische Kunst gelegt wird, sondern das Museum sich auf Künstler Gotland und Kunst, die Gotland zeigt, spezialisiert hat. Die Gemälde der gotländischen Künstler sind überwiegend aus dem 19. und dem 20. Jahrhundert.

Visby bietet für seine knapp 23.000 Einwohner ein reiches Angebot an weiteren Museen, denn nur vier Kilometer von der Stadt entfernt liegt da Museum mit Veteranenautomobile und etwas weiter entfernt stößt man auch auf eine landwirtschaftliches Museum das Eisenbahnmuseum Gotlands und zahlreiche andere Museen oder Ausstellungsräume.

Um die rund 150 mittelalterlichen Häuser Visbys zu finden, muss man nur durch die Altstadt spazieren, denn dem Scharm dieser Häuser kann man kaum entkommen, wobei man dabei natürlich daran denken sollte, dass alle Häuser hervorragend restauriert wurden und heute vermutlich sogar weitaus romantischer wirken als im Mittelalter. Und man sollte auch daran denken, dass auf Gotland auch im Mittelalter bereits weniger in Holz gebaut wurde als auf dem schwedischen Festland.

Am meisten beeindruckt in Visby die sieben Meter hohe Stadtmauer mit ihren 27 erhaltenen Türmen und den verschiedenen Toren, die alle einen eigenen Namen haben und auch eine bestimmte Funktion erfüllten. Diese Stadtmauer wurde als solches bereits 1288 fertig gestellt, fordert nun aber erneut einige dringende Reparationen.

Außer den zahlreichen Ruinen an Kirchen, die man in Visby findet, gibt es auch eine Kirche, die noch heute nahezu vollständig aus dem Mittelalter erhalten ist, denn die Domkirche Visbys, die im Jahre 1225 eingeweiht wurde, war eigentlich für deutsche Händler bestimmt, wurde aber im 16. Jahrhundert die allgemeine Kirche Visbys.

Eine etwas makabre Sehenswürdigkeit liegt etwas außerhalb der Stadt im Naturschutzgebiet Galgberget, wo man noch heute die Stelle besuchen kann an der über Jahrhunderte hinweg, und letztmals im Jahre 1845, Straftäter gehängt wurden. Die Pfeiler auf der Mauer, die ursprünglich mit Holzbalken verbunden waren, zeugen noch davon, dass so manches Mal nicht nur eine Person getötet wurde, sondern die Vorrichtung auch für mehrere Personen gleichzeitig ausgerichtet war.

Die größte Grünanlage Visbys ist natürlich der Botanische Garten, der so manchen Besucher erstaunt, da es das Klima und die geschützte Lage Gotlands erlauben auch Feigen, Magnolien und andere Gewächse so hoch im Norden zu zeigen, die man sonst weitaus näher am Mittelmeers erwartet.

Das größte Ereignis Gotlands ist das Mittelalter-Festival (Medeltidsveckan) in der ersten Hälfte im August, das nächstes Mal vom 4. bis zum 11. August 2013 zum 30. Mal ausgetragen wird und mit seinen Ritterspielen die Geschichte Gotlands und insbesondere Visbys um 600 Jahre zurückdreht.

Aber natürlich ist Visby auch ein idealer Ausgangsort um ganz Gotland zu entdecken, wobei man in vielen Fällen mehr sieht, wenn man sich ein Fahrrad mietet statt mit dem Auto auf die Suche nach historischen Sehenswürdigkeiten oder Naturschönheiten zu suchen.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/10/20

Skara, eine der ersten Städte Schwedens

Das westschwedische Skara gehört mit zu den ältesten Städten Schwedens und wurde bereits im Jahre 1070 von Adam von Bremen schriftlich genannt. Der Ort, der bereits während der Zeit der Wikinger ein Verkehrsknotenpunkt und zugleich ein Zentralort Västergötlands mit einem alten Thingplatz war, gilt als ein religiöses und politisches Zentrum des schwedischen Mittelalters. In Skara entstand ein katholische Zentrum des Landes von wo aus eine bedeutende Missionsarbeit ausging, wo aber auch wichtige politische Treffen abgehalten wurden.

Das Zentrum Skaras hat um das Rathaus und die Domkirche sein mittelalterliches Straßennetz behalten, wobei in diesem Bereich auch noch einige Holzhäuser aus dem 19. Jahrhundert zu finden sind, die dem Bauboom der 60er und 70er Jahre entkommen konnten. Das historische Skara beschränkt sich daher insbesondere auf die Straßenführung der Innenstadt und einige wenige Bauten.

Die Windsäge im Museumsdorf in Skara

Um die lange Geschichte Skaras zu entdecken, muss man das Västergötlands Museum der Stadt besuchen, wo man der gesamten Geschichte des Ortes in Form einer sehr ausführlichen Ausstellung folgen kann und die die Entwicklung Skaras von der Eiszeit bis heute dokumentiert wird.

Direkt neben dem Museum findet man das Museumsdorf Skara mit etwa 30 Gebäuden aus dem Västergötland, die sich den Sommer über beleben und vor allem zu Mittsommer und dem schwedischen Nationaltag ein natürliches Zentrum werden. Das Besondere bei diesem Museumsdorf sind jedoch nicht nur die gut ausgestatteten Gebäude, sondern auch die Tatsache, dass hier auch Bäume, Kräuter und Blumen angebaut werden, die mittlerweile der Vergangenheit angehören.

Eines der wichtigsten Gebäude Skaras ist natürlich die Domkirche in der noch einzelne Elemente aus dem 12. Jahrhundert erhalten sind, auch wenn die Kathedrale den gotischen Stil erst bei bedeutenden Umbauten zwischen 1886 und 1894 erhielt. Das Innere der monumentalen Kirche, die zu den größten Schwedens gehört, ist ein wahres Museum, wo man auch noch ein Steinrelief des 12. Jahrhunderts findet.

Ein Erlebnis völlig anderer Art ist der Besuch des Veterinärhistorischen Museums in Skara, das mit seiner Ausstellung bis zu Peter Hernqvist zurückreicht, der in diesem Gebäude mit der Genehmigung von Gustv III. im Jahre 1775 die erste Veterinärausbildung Schwedens anbieten konnte. Peter Hernqvist selbst hatte sich seine Kenntnisse vor allem in Frankreich angeeignet, nachdem er in Uppsala bereits Medizin studiert hatte.

Wer sich mehr für die Geschichte der Eisenbahn interessiert, sollte Skara im Sommer besuchen, da das Eisenbahnmuseum nur um diese Zeit öffnet und zugleich Reisen mit der Dampflok und entsprechenden Waggons anbietet, die von Skara bis zum Kurort Lundsbrunn führt, der mittlerweile auf eine 300-jährige Geschichte zurückblicken kann.

Der ehemalige Veterinär Peter Hernqvist, ein Schüler von Carl von Linné, hinterließ in Skara auch einen kleinen Botanischen Garten, den Hortus Botanicus Scarensis, wo er außer Obstbäumen vor allem Küchenkräuter und Heilpflanzen anbaute. In den letzten Jahren hat dieser Garten nun weitgehend seinen ursprünglichen Charakter zurückerhalten, wobei hier im Mai der Männerchor des Ortes seine Konzerte gibt.

Im Seengebiet Vallebygden etwa zehn Kilometer östlich von Skara findet man in sechs der Naturschutzgebieten die deutlichsten Zeichen die die Eiszeit in Schweden zurückließ, wobei auch jedes der Naturschutzgebiete eine andere Vegetation aufweist. Kaum eine andere Gegend Schwedens weist auf einer so kleinen Fläche eine solche Vielfalt auf, in einer Umgebung, die mittlerweile über 10.000 Jahre alt ist.

Im Zentrum des Gebietes findet man auf dem Drottningkullen die Ruinen der Schlossruine Gamla Höjentorp, das im 13. Jahrhundert gebaut wurde und 1284 dem Bischof von Skara geschenkt wurde. Das Schloss brannte allerdings 1722 bis auf den Grund ab, wobei nach einer Legende die Königin Ulrika Eleonora diesen Tag das Schloss besucht haben soll.


Wer mehr auf Vergnügen aus ist, findet in Axvall, das etwa acht Kilometer östlich von Skara liegt, das Skara Sommarland, das mit zu den größten Vergnügungsparks Schwedens gehört, auch wenn die Anlage nicht wie Göteborg (Liseberg) oder Stockholm (Gröna Lund) auf Sensationen aus ist, sondern auch mehr klassische Attraktionen anbietet, die als Dauerbrenner bezeichnet werden können.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/10/06

Växjö, die grünste Stadt Europas

Da sich in Växjö im Mittelalter die verschiedenen Wege aus allen Richtungen trafen, bezeichnete sich die Stadt in modernerer Zeit als die Stadt an der alle Wege zusammenführen, zumindest bis zu jenem Tag, als BBC den Ort im Småland als die grünste Stadt Europas bezeichnete, was vielleicht nicht ganz genau stimmt, aber der Wahrheit dennoch ziemlich nahe kommt, da Växjö eine der umweltbewusstesten Städte Schwedens ist und über viel Grün und eine sehr gute Luft verfügt.

Zu welcher Zeit Växjö erstmals besiedelt wurde, ist nichts bekannt. Sicher ist jedoch, dass an seiner Stelle bereits im Jahr 1000 einige Häuser standen, zumal die Sigfridslegende erzählt, dass der englische Missionar Sigfrid der erste war, der Schweden missionierte und sich entschied in Växjö die erste Bischofskirche des Landes zu bauen. Vermutlich führte diese Legende auch dazu, dass der damals sehr kleine Ort Växjö im Jahre 1170 Bischofssitz wurde und sich damit zu einem Zentrum für Pilger entwickelte. Als der Ort dann am 13. Februar 1342 von Magnus Eriksson die Stadtprivilegien verliehen bekam, so geschah dies wiederum ausschließlich dafür um dem Bischof, der Växjö vollkommen beherrschte, den Handel zu ermöglichen.

Das Theater in Växjö von 1849, das zweitälteste Landestheater Schwedens

Durch die Grenzlage zu Dänemark wuchs Växjö auch in den kommenden Jahrhunderten nur unbedeutend und selbst als die Industrialisierung im 19. Jahrhundert über ganz Schweden zog, lag die gesamte Stadt Växjö noch immer innerhalb der im Mittelalter geschaffenen Grenzen. In einer Reichstagsdebatte gegen 1890 wurde Växjö sogar noch als die dunkelste Stadt Smålands bezeichnet. Allerdings hat sich die Einwohnerzahl während der letzten 50 Jahre nun verdreifacht und man zählt heute nahezu 61.000 Einwohner.

Unter den Bauten der Stadt gilt die Schlossruine Kronoberg am Rande Växjös als Symbol der mittelalterlichen Macht, die erst als Bischofsburg, dann unter Nils Dacke und schließlich noch unter Gustav Vasa eine wichtige Rolle spielte, aber nach dem Frieden von Roskilde dem Verfall überlassen wurde.

Die Domkirche Växjös ist ebenfalls mit dem Heiligen Sigfrid (im Deutschen oft Siegfried geschrieben) verbunden, dessen Heiligenschrein sich bis zum 17. Jahrhundert in der Kirche befand. Vom ursprünglichen Dom ist allerdings nur noch der romanische Westturm vom 12. Jahrhundert erhalten. Das heutige Aussehen erhielt die Domkyrkan erst im 19. und 20. Jahrhundert.

Die Bedeutung Växjös als katholische Hochburg des Mittelalter kann man auch an einigen Kirchen etwas außerhalb der Stadt entdecken, denn die Verteidigungskirche Bergunda hat ein Taufbecken des 12. Jahrhunderts und wird erstmals zu Beginn des 14. Jahrhunderts in schriftlichen Quellen genannt, die Hemmesjö Kyrka wurde bereits 1175 gebaut und die Ör-Ormesberga Kirche ersetzte im 17. Jahrhundert eine frühere Holzkirche, die ebenfalls bereits im Mittelalter erbaut wurde.

Unter den Museen Växjös ist vor allem das Smålands Museum zu nennen, das älteste Regionalmuseum Schwedens, das an Hand von Funden und anderen Ausstellungsgegenständen die Geschichte der Umgebung Växjös vom Ende der Eiszeit bis heute schildert, aber auch temporäre Ausstellungen zur Regionalgeschichte bietet.

Einen Besuch ist auch das Glasmuseum wert, das an Hand von verschiedensten Objekten die Geschichte der Glasherstellung und der Glaskunst Schwedens erzählt. Das älteste Glas der Sammlung stammt vom Jahre 1580. Ergänzt wird diese Ausstellung von Studioglas, das künstlerische Arbeiten von rund 70 schwedischen Künstlern nach dem Jahre 1968 präsentiert.

Ein besonderes Museum ist auch Psykiatrihistoriska Museet, das das Gesundheitswesen vom Mittelalter bis heute beleuchtet und dabei die frühe Psychiatrie mit einschließt, aber auch die sozialen Aspekte des Krankenhauswesens Schwedens der letzten Jahrhunderte erklärt.

Växjö hat auch im Straßenmilieu eine Attraktion zu bieten, denn entlang der Sandgärdsgatan haben acht Künstler der Glashütte Kosta Boda Glaskunst geschaffen, die dem Straßenzug einen besonderen und einmaligen Charakter verleiht.

Wer die grüne Stadt Växjö sucht, findet nicht weniger als 22 Naturschutzgebiete in und um die Stadt, die zum Wandern einladen und dabei dem Besucher die Natur Smålands näher bringen. Hinzu kommt noch die Anlage Linnéparken (Linné-Park), die in drei Teile aufgeteilt ist und eine Verbindung zum Växjösjön ist, einem See, der mitten in die Stadt hineinragt.

Etwa fünf Kilometer außerhalb des Zentrums von Växjö findet man das Schloss Teleborg aus dem 18. Jahrhundert mit einem beeindruckenden Schlosspark. Allerdings ist das Schloss selbst ein Hotel und kann nicht besichtigt werden. Der Schlosspark ist an gewissen Tagen im Jahr auch der Allgemeinheit zugänglich, wobei dort auch regelmäßig musikalische Veranstaltungen organisiert werden. Das daneben liegende Naturschutzgebiet kann jedoch von allen besucht werden.

Mit der Bevölkerungszunahme Växjös wurde Mitte des 20. Jahrhunderts auch der Ruf nach einer Universität laut, was 1967 dazu führte, dass hier eine Zweigstelle der Universität Lund eingerichtet wurde, was jedoch die Stadt nicht befriedigte. Bereits 1999 wurde daher die Universität Växjö gegründet, die selbstständig jedoch nur einen sehr kurzen Bestand hatte, da sich bereits ein Jahr später die Universitäten Växjö und Kalmar zur Linnéuniversität zusammenschlossen, zu denen sich Zweigstellen in Hultsfred, Ljungby und Nybro gesellten.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/17

Uppsala, die schwedische Stadt des Wissens

Wenn man von Uppsala, der viertgrößten Stadt Schwedens, spricht, so meint man im Grunde zwei Städte, die mittlerweile zu einer verschmolzen sind, nämlich Gamla Uppsala, das zur Zeit der Wikinger Uppsala hieß und das neue Uppsala, das damals als Östra Aros bekannt war und im Jahre 1273 zu Uppsala wurde, als der damalige Erzbischof seinen Sitz vom historischen Uppsala nach Östra Aros verlegte.

Das heutige Uppsala erhielt, trotz seiner historischen Bedeutung, erst im Jahre 1497 seine Stadtprivilegien und durfte sogar erst ab dem 19. Jahrhundert, als „Stapelstad“ Waren direkt exportieren und importieren, was jedoch die industrielle Entwicklung kaum behinderte und lediglich den direkten Handel mit anderen Ländern bremste.

Die Mühle an der Fyrisån in Uppsala (18. Jahrhundert)

Der erste Gedanke, der sich mit der schwedischen Stadt Uppsala verbindet, ist in der Regel die Universität Uppsala, die bereits 1477 gegründet wurde und damit die älteste Universität im nordischen Raum ist. Allerdings sollte man dabei nicht vergessen, dass die ersten 300 Jahre lang dort nur Priester ausgebildet wurden denen eine wichtige Rolle im Erziehungswesen und der Führungsschicht der Kirche zugedacht war. Die ersten nichtkirchlichen Ausbildungen tauchten an der Universität erst im 18. Jahrhundert auf, was allerdings nicht nur in Uppsala der Fall war.

Wenn man sich Uppsala nähert, so fallen zwei andere Gebäude zuerst ins Auge, als erstes die Domkirche, eine monumentale Kathedrale in gotischem Stil, die im 13. Jahrhundert begonnen wurde und deren Türme erst im 16. Jahrhundert fertig waren. Nach ausgedehnten Restaurationen hat die Domkyrka heute wieder ihr ursprüngliches Aussehen aus dem 16. Jahrhundert erhalten.

Das zweite Gebäude, das man schon aus der Ferne entdeckt ist das Schloss in Uppsala, das 1549 von Gustav Vasa als Befestigung geplant war und Mitte des 18. Jahrhunderts das heutige Aussehen annahm, nachdem der vorherige Renaissancepalast durch einen Brand zerstört worden war. Im Schlosspark finden auch einige der bedeutendsten Feste der Stadt statt, insbesondere die Walpurgisfeiern mit den traditionellen Gesängen.

Uppsala gehört zu den Städten Schwedens in denen das Stadtbild eine Mischung aus historischen Gebäuden und modernen Großstadt (zum Beispiel das Konzerthaus) ist, so dass man sich im Grunde nur entscheiden muss, was man eigentlich sehen will. Vor allem die neoklassischen Gebäude der Stadt aus dem Ende des 19. Jahrhunderts fielen den Stadtplanern der 60er und 70er Jahre zum Opfer, da ein Neubau weitaus billiger war als die alten Gebäude zu modernisieren und zu restaurieren.

Wer sich in Uppsala mehr für Kultur interessiert, sollte auf jeden Fall Bror Hjorths Hus besuchen, das ehemalige Atelier des schwedischen Künstlers Bror Hjorth, das heute in ein Museum umgewandelt wurde, das Evolutionsmuseum mit der größten nordischen Sammlung an Dinosaurier und das Pelle Svanslös Hus, das einen Ausflug in die Sagenwelt Schwedens ermöglicht.

Für alle, die mehr nach Natur suchen, bietet sich, außer einem Spaziergang entlang der Fyrisån, der Botanische Garten aus dem 17. Jahrhundert an, der einst von Olof Rudbeck für das Königshaus angelegt wurde, das Linnémuseum mit dem Linnégarten, der nach dem System Carl von Linnés angelegt wurde und das Biotopia, ein interaktives Naturmuseum, das insbesondere Kindern den Zugang zum Erlebnis Natur erleichtert.

Um sich etwas austoben zu können und gleichzeitig ein tropisches Milieu zu entdeckten, empfiehlt sich ein Ausflug ins Abenteuerbad Fyrishof, das sich in den Sportanlagen der Stadt befindet und ganzjährig geöffnet hat.

Wer dann noch einen Blick in die früheste Zeit Uppsalas werfen will, muss sich Richtung Königshügel nach Gamla Uppsala begeben, denn auch wenn man auf den grünen Hügeln nicht unbedingt an die Wikinger erinnert wird, so wird man im Gamla Uppsala Museum entschädigt und kann einer Reise vom Jahre 500 bis zum Jahre 1100 folgen.

Während der Sommermonate ist in Gamla Uppsala auch der Disagården geöffnet, ein Freilichtmuseum, das dem Landleben des Uppland mit historischen Gebäuden und mit Vorführungen aus vier Jahrhunderten gewidmet ist. Vor allem ein Aufenthalt zu Mittsommer ist hier ein wahres Erlebnis und lohnt die Summe für den Eintritt.

Ein Erlebnis besonderer Art ist auch eine Reise auf der schmalspurigen historischen Eisenbahn, die zwischen Uppsala und Faringe verkehrt, denn es gibt nicht mehr viele Stelle, wo man mit einer Dampflok gemütlich durch die Schönheit des Uppland geführt wird. Die rund 32 Kilometer lange Strecke wird nur im Sommer regelmäßig befahren.

Copyright: Herbert Kårlin
 

2012/09/13

Karlstad, die Wasserstadt im Värmland

Karlstad, die größte Stadt des Värmlands zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich im Delta des Klarälven befindet, der dort in den nördlichsten Teil des Vänern mündet. Mit über 60.000 Einwohnern nimmt Karlstad den 17. Platz in der Rangordnung der schwedischen Städte ein.

Auch wenn Karlstad bereits zur Zeit der Wikinger ein Handelsplatz war, der unter dem Namen Tingvalla im 13. Jahrhunderts erstmals in offiziellen Dokumenten genannt wird, ein Ort, an dem auch das jährliche Ting abgehalten wurde, so erhielt Karlstad seine Stadtprivilegien erst im Jahre 1584 von Karl IX., der dem Ort auch seinen Namen gab. Allerdings verfügte die gesamte Stadt um diese Zeit gerade einmal über 150 Einwohner, die sich auf 45 Haushalte verteilten.

Die längste Steinbrücke Schwedens findet man in Karlstad.
 
Das Logo von Karlstad ist eine freundliche Sonne, was jedoch nicht ein Ausdruck für die Sonnenstunden am Vänern sein soll, sondern an Sola i Karlstad, die Bedienung Eva Lisa Holtz erinnern soll, der eine ständige gute Laune nachgesagt wird und die heute als Statue vor dem Stadthotel steht.

Auf Grund der zahlreichen Brände, die Karlstad heimsuchten, hat die Stadt nicht nur einen modernen Charakter, sondern selbst das Straßennetz entstand wegen der Brandgefahr. Die Straßen sind daher sehr breit und sollten als Feuerschutz dienen. Entsprechend gehört auch der zentrale Stora Torget zu den größten Plätzen Schwedens auf dem dreimal die Woche Marktstände aufgebaut werden.

Seit 1999 verfügt Karlstad über eine Universität, die sich vor allem auf die Forschung spezialisiert hat, aber auch Ausbildungen in Naturwissenschaft, Gesellschaftswissenschaft und Medizin anbietet. Im Jahre 2009 entstand dann ebenfalls eine Handelshochschule, wobei beide Einrichtungen gemeinsam etwa 10.000 Studenten ausbilden.

Das dominanteste Gebäude Karlstads ist die Domkirche in überwiegend barockem Stil. Auf Grund der Brände und mehrere Umbauten hat die Kirche keinen klaren Stil und selbst der Hauptaltar stammt erst aus dem Jahre 1967. Interessant ist daher vor allem der alte Altar mit den beiden Engeln des schwedischen Künstlers Johan Tobias Sergel.

Unter den Museen der Stadt sticht vor allem das Värmlands Museum hervor, das zu den meistbesuchten Regionalmuseen Schwedens gehört und einen Gesamtüberblick über das Värmland von der frühesten Zeit bis heute bietet, also eine Reise durch eine 10.000-jährige Geschichte erlaubt.

Das Brigademuseum mit dem Schwerpunkt „Kalter Krieg“, das bereits im Jahre 2012 öffnen sollte, wird nun offiziell am 1. Juni 2013 seine Türen öffnen. Das Museum wird von einem Verein getragen und will mit seinen interaktiven Ausstellungen jedes Alter ansprechen.

Im Juni 2012 öffnete das Lars Lerin Museum mit einer reichen Auswahl an Aquarellbildern des Künstlers, der in Munkfors im Värmland geboren wurde. Der Gegenwartskünstler Lars Lerin gilt als einer der herausragendsten Aquarellmaler des modernen Schweden. Sein Museum, das sich vorher in Munkfors befand, ist mittlerweile geschlossen.

Einige Kilometer außerhalb von Karlstad findet man das Geburtshaus des größten värmländischen Dichters Gustaf Fröding. Das Gut aus dem 18. Jahrhundert beherbergt eine kleine Ausstellung zum Nationalskalden des Värmland, wobei ein Besuch vor allem Ende August von größerem Interesse ist, da der Geburtstag des Dichters auf besondere Weise gefeiert wird. Ansonsten ist der Alster Herrgård eine beliebte Ausflugsstelle für die Bewohner Karlstads.

Wer der Stadtatmosphäre entkommen will, dem bietet Karlstad Ausflüge in die Schären des Vänern an, eine fotografische Biberjagd im Klarälven von einem Kajak aus, 90 Kilometer an Fahrradtouren in der Umgebung, fern von jedem Autoverkehr oder auch eine Entspannung bei einer Runde Golf.

Kulturell bietet Karlstad mit seiner Oper, dem Scalateatern und dem Värmlandsteatern ein Angebot, das einer größeren Stadt gerecht werden kann, wobei insbesondere die Oper mit 65 fest angestellten Solisten eine sehr hohe Qualität bietet, die Besucher aus ganz Schweden anzieht.

Der sogenannte Sandgrundsudden, der von beiden Seiten von Armen des Klarälven umgeben ist und am Värmlandsmuseum liegt, ist im Sommer das kulturelle Zentrum Karlstads, wo man nicht nur bei einem Picknick an den Stränden und auf den Wiesen liegen kann, sondern wo auch zahlreiche Konzerte und andere Veranstaltungen stattfinden.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/07

Västerås, eine zukünftige Großstadt Schwedens

Västerås, die Stadt am Mälaren mit seinen Schären ist heute die fünftgrößte Stadt Schwedens. Auch wenn der Ort an dem sich heute die Stadt Västerås befindet bereits zur Jungsteinzeit besiedelt war, so geht die Geschichte der Stadt „nur“ bis zum Jahr 990 zurück, was bedeutet, dass Västerås mit zu den ältesten Städten Schwedens gehört.

Obwohl sich Västerås im Laufe der letzten Jahrhunderte zu einer modernen Industriestadt entwickelt hat, so hat das Stadtzentrum seinen Stadtplan vom Mittelalter erhalten und nördlich der Domkirche findet man nach heute Gebäude, die bereits mehrere hundert Jahre hinter sich haben, die klassische Baukunst Schwedens behalten haben und sich sehr deutlich von den moderneren Stadtteilen abgrenzen.

Die Elba legt im Hafen von Västerås an

Wer sich mehr für das historische Västerås interessiert, sollte natürlich das Museumsdorf Vallby besuchen, das sich nur zwei Kilometer nördlich von Västerås befindet, denn hier findet man zahlreiche historische Gebäude aus Västerås und anderen Teilen des Västmanland in mittelalterlicher Form. Das älteste Gebäude des Museumsdorfes stammt aus dem 17. Jahrhundert, wobei verschiedene Vorführungen und Kurse, die dort während des Sommers stattfinden, auch das Leben jener Epoche schildern.

Nicht zu vergessen ist natürlich die Domkirche in Västerås, die am 16. August 1271 eingeweiht wurde und an der man deutlich die Entwicklung vom 13. Jahrhundert bis zum 18. Jahrhundert entdecken kann. Der Ziegelbau war beim Bau von Kirche mit den Bettelmönchen erst kürzlich nach Schweden gekommen, weshalb man in Västerås noch die älteste Ziegelkunst Schwedens finden kann.

Auch Teile des Schlosses in Västerås, das teilweise besichtigt werden kann, kommen noch aus dem 13. Jahrhundert, ein Schloss, das unter Gustav Vasa eine wichtige Rolle für die Geschichte Schwedens spielte und sein heutiges Aussehen im 16. Jahrhundert bekam, nach einem Brand im Jahre 1737 jedoch teilweise neu aufgebaut werden musste. Die letzte Restauration fand dann 1965 und 1966 statt, was auch dazu führte, dass Teile des Schlosses von der Regionalregierung benutzt werden.

Das moderne Västerås wurde vor allem vom Stadtarchitekten Erik Hahr zwischen 1909 und 1935 geschaffen, als die schwedische Industrialisierung auch nach Västerås gefunden hatte. Ergänzt wurde dieser Teil dann mit dem fünfthöchsten „Wolkenkratzer“ Schwedens, dem Skrapan mit seinen 25 Etagen und dem Rathaus mit seinem 65 Meter hohen Turm mit Glockenspiel, das nur wenige Meter von der Svartån entfernt liegt.

Für Kunstliebhaber bietet Västerås, die Stadt in der das erste Hennes & Mauritz gegründet wurde, das Kunstmuseum mit rund 8000 Werken, wobei sich das Museum auf schwedische Künstler spezialisiert hat und daher einen guten Einblick in die schwedische Kunstgeschichte bietet und auch zahlreiche moderner Künstler des Landes ausstellt.

Wer sich mehr für Kunst und Kultur in Västerås interessiert, findet natürlich auch mehrerere Theater, etwa 300 öffentliche Kunstwerke, kann der Västerås Sinfonietta lauschen, einem der ältesten Symphonieorchester Schwedens, das Västmanlands läns Museum besuchen, das Flugmuseum, das Freizeitbootmuseum oder auch das Schulmuseum.

Wer mehr Ruhe in Västerås sucht, sollte bei einem Bummel in der Stadt der Brücken einen Blick auf die Parkanlagen von Västerås werfen und vor allem nicht den ältesten Botanischen Garten Schwedens vergessen, der bereits im 17. Jahrhundert gegründet wurde und die Pflanzen in eine künstlerische Atmosphäre einbettet.

Vor allem im Sommer ist der tägliche Markt am Stora Torget eine wahre Attraktion, an der Sich Bewohner der Stadt und Besucher kreuzen. Als Besucher sollte man nicht vergessen hier auch Ausschau nach den Gurken aus Västerås zu halten, die bekanntesten Gurken Schwedens, die einst über den deutschen Gärtner Bernhard Johan Bohnsack nach Västerås kamen und von hier aus nach ganz Europa exportiert wurden.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/04

Strängnäs, die Stadt am Ufer des Mälaren im Södermanland

Die schwedische Kleinstadt Strängnäs hat auf Grund ihrer idealen Lage am Mälaren eine reiche Geschichte, wobei man bei einem Besuch der Stadt auch daran denken sollte, dass der Poet Bo Setterlind aus Växjö einst sagte, dass die Gyllenhjelmsgatan in Strängnäs die schönste Straße ganz Schwedens sei, eine Straße, die vom Zentrum direkt zum Eingang der Domkirche führt und rechts und links mit Holzhäusern bebaut ist, die im Sommer ein Traumschweden bieten.

Das zentrale Gebäude von Strängnäs ist natürlich die Domkirche (Domkyrka) in gotischem Ziegelbau, die ab 1250 auf einem Opferplatz der Wikinger erbaut wurde und eine Stabkirche ersetze.  Das Gebäude drückt noch heute aus, dass um diese Zeit die Dominikaner und ihr Kloster eine wichtige Rolle in Strängnäs spielten. In der Kirche wurden, wie sehr häufig in jener Epoche, zwei Fragmente von Runensteinen eingemauert, deren Inhalt leider nicht vollständig ist.

Ein Besuch in der historischen Windmühle in Strängnäs.

Mitten in Strängnäs findet man auch den sogenannten Grassagården, der seit Beginn des 17. Jahrhunderts an dieser Stelle steht und dessen vier Gebäude noch so aussehen wie vor 400 Jahren. Seinen Namen bekam der Grassagården nach der Besitzern Olof Christian und Wilhelmina Grass, die dort im 18. Jahrhundert ein Landrestaurant betrieben. Im Sommer werden hier den Besuchern Theatervorstellungen und Musik geboten.

Ebenso deutlich wie man die Domkirche von Strängnäs sieht, ebenso deutlich entdeckt man ein anderes Symbol der Stadt, nämlich die Windmühle, die 1855 eine frühere Mühle ersetzte. Nahezu alle Teile der Mühle wurden aus Holz hergestellt, wobei der Heimatverein im Laufe des Sommers die Mühle auch mehrmals für Besucher öffnet.

Sehr interessant ist auch das private Technische Museum in Strängnäs, dessen 50.000 Ausstellungsstücke gerne vom Besitzer Lars Adebring, der direkt im Anschluss ans Museum wohnt, gezeigt werden. Die Ausstellungsstücke bieten einen Einblick in die technische Entwicklung Schwedens von 1859 bis 1950, wobei ein Teil der Gegenstände auch eine lokale Anknüpfung hat.

Ebenfalls während der Sommermonate sollte man in Strängnäs nicht das Arsenalen vergessen, das seit 2011 die militärische Geschichte Schwedens des 20. Jahrhunderts erzählt, insbesondere die Zeit des kalten Krieges, der sehr starke Veränderungen in Schweden mit sich führte. Das Museum mit einer großen Anzahl an militärischen Fahrzeugen, wird ständig weiter ausgebaut und beendet die Saison Anfang September jeweils mit einer großen Vorführung der verschiedenen Fahrzeuge im Einsatz.

Wer sich mehr für die Natur interessiert, findet am Mälaren einen idealen Platz für Ausflüge mit dem Kanu oder einem Kajak, von historischen Stadtwanderungen oder Wanderungen in der nahen Natur ganz abgesehen.

Viele Besucher Schwedens nehmen Strängnäs auch aus Ausgangspunkt für interessante Ausflüge, denn das Schloss Gripsholm ist gerade einmal 15 Kilometer von der Stadt entfernt. Aber auch Mariefred, Eskilstuna, Enköping und Södertälje findet man in nächster Nähe.

Copyright: Herbert Kårlin