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2012/10/15

Mariestad, die Perle am Vänern

Mariestad wird wegen seiner idealen Lage am Vänern oft als die Perle am Vänern bezeichnet und wurde im Jahre 1583 von Herzog Karl, dem späteren Karl IX. gegründet, der den Ort nach seiner Frau Maria von der Pfalz benannte, wobei selbst das Stadtwappen auf ein Erlebnis der damaligen Kronprinzessin zurückführt und einen Ochsen zeigt, der gerade aus dem Wasser steigt. Heute denkt man bei Mariestad allerdings weniger an Maria von der Pfalz, sondern mehr an das Mariestad Bier, das allerdings seit 1972 nicht mehr an seinem historischen Ort gebraut wird und nur noch den Namen der Stadt trägt.

Heute gilt Mariestad als Paradies für Segler und zieht jede Art von Wassertourismus an, was mit Sicherheit auch daran liegt, dass vor Mariestad die größte Ansammlung von Inlandschären zu finden ist, die noch Zeugen der letzten Eiszeit sind.

Blick vom Hafen auf Mariestad und die Domkirche

Mariestad, das vom steigenden Wasserniveau des Vänern bedroht ist, ist vermutlich die Stadt Schwedens, die gegenwärtig die größten Veränderungen erlebt und sich architektonisch in zwei Teile spaltet, denn während die Umgebung um die Domkirche, die Stadt der Holzhäuser, ihren Charakter vom 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts behalten hat, wird sich der Teil des Ortes, der am Ufer des Vänern liegt, zu einer der modernsten Städte Schwedens verwandeln, die mit einer Mauer gegen die steigenden Wasser des Sees geschützt wird.

Auch wenn die Altstadt noch einige, mittlerweile restaurierte Häuser, aus dem 18. Jahrhundert besitzt und die Straße das ursprüngliche Kopfsteinpflaster erhalten hat, so wirken die dort parkenden Autos wie Eindringlinge in einem historischen Raum.

Die Domkirche in Mariestad spielt in zwei Hinsichten eine besondere Rolle in Schweden, denn zum einen gehört sie zu den sehr wenigen Kirchen, die im 16. Jahrhundert gebaut wurden, wobei sie diesen Aspekt voll behalten hat, und zum anderen trägt sie, neben der Domkirche in Kalmar, den Titel einer Kathedrale ohne jedoch ein Bischofssitz zu sein. Mit einem königlichen Schreiben vom 9. Januar 1696 sollte die Kirche in Mariestad den Titel Domkirche sogar ablegen, was bis heute nicht geschah.

Neben zahlreichen Kunstgalerien findet man in Mariestad das Vadsbo Museum, das vor allem die industrielle Entwicklung der Stadt während der letzten 300 Jahre zeigt, aber auch temporäre Ausstellung bietet und einen Raum der aktuellen Kunst Schwedens widmet.

Das Theater in Mariestad gehört mit zu den ältesten Landsortsteatrar Schwedens, das nach alter Tradition auch noch lokale Stücke präsentiert, darunter die Neujahrsrevue mit dem Segelklub von Mariestad. Das Theater, das am 4. Januar 1843 eingeweiht wurde, erinnert noch an die reisenden Theatergesellschaften des letzten und vorletzten Jahrhunderts und steht mittlerweile unter Denkmalschutz.

In der Nähe des Västerängs Koloniegebietes am Rande Mariestads findet man die ältesten Zeichen der Besiedlung der Umgebung, nämlich ein Grabfeld und einen Runenstein aus der Eisenzeit Schwedens. Das Koloniegebiet ist heute eines der wichtigsten Ausflugsziele der Stadt, auch wenn es die Schären von der Anzahl der Besucher nicht schlagen kann.

Außerhalb von Mariestad findet man mehrere Naturschutzgebiete, die man am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkundet. Besonders empfehlenswert sind dabei das Brömmö Naturreservat und das Logården Naturreservat, wobei man bei den Dünen von Brommö auch einen herrlichen Badestrand findet. Logården ist vor allem als Vogelparadies bekannt und für seine deutlichen Spuren der Wasserniveaus, die noch deutliche Zeugen der Landhebung Schwedens sind.

Nur mit eigenem Boot oder per Taxiboot ist der Djurö Nationalpark mit seinen 35 Inseln und einer Größe von 2400 Hektar zu erreichen. Der Besucher wird jedoch mit einer einzigartigen Natur belohnt in der sich Pflanzen und Tiere seit dem 16. Jahrhundert frei entfalten konnten, da diese Inseln nur extrem dünn besiedelt waren und damit sehr seltene Gewächse erhalten blieben.

Wer nach einem besonderen Ausflugsziel in der Umgebung Mariestads sucht, sollte zum Lugnåsberget aufbrechen, wo man eine der dortigen 55 Steinbrüche für Mahlsteine besuchen kann, die im 12. Jahrhundert geöffnet und 1919 endgültig geschlossen wurde. Es handelt sich hier um einen der wenigen Steinbrüche dieser Art, die man irgendwo auf der Welt auch besuchen kann. Das kleine Museum erzählt zusätzlich die Geschichte dieser sehr staubigen Arbeit, die vielen das Leben kostete.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/10/07

Örnsköldsvik, die schwedische Stadt des Abenteuers

Örnsköldsvik, die größte Stadt im Ångermanland wurde bereits zur Bronzezeit besiedelt, wobei die über 7000 Grabhügel der Umgebung auch beweisen, dass diese Region Schwedens sehr früh zu einem Handelsort wurde, auch wenn man hierüber nicht sehr viel weiß. In diesem Zusammenhang darf man natürlich auch nicht vergessen, dass sich zwischen Härnösand und Örnsköldsvik die Landhebung Schwedens am deutlichsten bemerkbar machte, was letztendlich auch dazu führte, dass man hier eines der Weltkulturerbe Schwedens findet, nämlich die Höga Kusten, die Hohe Küste.

Auch wenn das Wort Örn als Adler übersetzt wird und man in Örnsköldsvik einen Adler als Stadtsymbol findet, so ist dies natürlich mehr eine touristische Erfindung, denn die Stadt wurde nach dem Regionalpolitiker Per Abraham Örnsköld benannt und ist damit eine der wenigen Städte Schwedens, die nach einer bürgerlichen Person benannt wurden.

Blick auf die Skisprungschanze in Örnsköldsvik

Örnsköldsvik ist vor allem als Stadt des Sports bekannt, wobei man selbst bei der Durchfahrt die Skischanze sieht, die geradezu zum Symbol der Stadt wurde, und Örnsköldsvik ist natürlich die letzte Stadt der Höga Kusten, die geradezu unbegrenzte Möglichkeiten für Naturliebhaber jeder Art bietet. Viele, die nach Örnsköldvik kommen benutzen die Stadt als solches nur um hier zu schlafen und um einzukaufen, obwohl Örnsköldsvik weitaus mehr zu bieten hat.

Um mehr über die Vergangenheit Örnsköldsviks zu erfahren, bietet sich ein Besuch des städtischen Museums an, dem auch eine Kunsthalle mit wechselnden Ausstellungen angeschlossen ist, denn hier kann man nicht nur übliche Ausstellungsgegenstände mit entsprechenden Erklärungen finden, sondern im Filmraum auch alle Dokumentationen über Örnsköldsvik betrachten.

Eine Erlebnis besonderer Art bietet das kleine Hans Hedberg Museum in Örnsköldsvik, wo man die glasierten Keramikfrüchte des im Jahre 2007 verstorbenen Künstlers Hans Hedberg sehen kann, Werke, die insbesondere in Frankreich einen großen Erfolg hatten.

In der Stadt Örnsköldsvik selbst findet man schließlich noch das Paradiset, eines der größten Hallenbäder Nordeuropas mit allem, was man sich in einem Abenteuerbad nur wünschen kann, wobei man im Paradisbadet auch die längste Wasserrutschbahn Europas findet, die je in einer Halle aufgebaut wurde.

Mitten in Örnsköldsvik liegt auch der sogenannte Varvsberget mit seinen Sportanlagen, dessen Spitze man mit der Seilbahn oder auch zu Fuß erreichen kann um eine unvergessliche Aussicht zu finden. Auf dem 125 Meter hohen Varvsberget beginnt auch der Wanderpfad Höga Kusten (Höga Kustenleden) und das Hörnsjöns Naturreservat.

Wer eine längere Wanderung in Örnsköldsvik beginnen will, kann den Höga Kustenleden wählen, der in 13 Etappen durch das Weltkulturerbe und den Nationalpark Skuleskogen führt oder, alternativ, den Arnäsleden mit seinen 70 Kilometern, die in acht Etappen aufgeteilt sind und selbst für Kinder geeignet ist. Hier kommt man an den typischen Scheunen des Ångermanland vorbei, an den Räckebergsgrotten und an Badeplätzen, die sich für eine Rast und ein Picknick eignen.

Wer Örnsköldsvik als Basis nimmt, darf auf keinen Fall vergessen einen Ausflug nach der beiden Inseln Ulvön einzuplanen, einer Doppel-Insel, die Teil der Schären ist, die sich direkt vor der Stadt erstrecken. Norra und Södra Ulvön, die als das Herz der Höga Kusten bezeichnet werden, sind vor allem durch den Surströmming bekannt, der noch heute dort eingemacht wird und zu den bedeutendsten Delikatessen Schwedens zählt. Auf Ulvön findet man auch die Ulvö Gamla Kapell von 1622, die älteste noch erhaltene Holzkirche des Ångermanland mit sehr gut erhaltenen Wandmalereien. Allerdings kann diese Kapelle nur im Sommer von innen besichtigt werden.

Die Ausflugsmöglichkeiten von Örnsköldsvik sind nahezu unbegrenzt, egal ob man mit einem Fahrzeug, dem Kanu oder zu Fuß unterwegs ist. Unter den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Umgebung sind die Skallbergsgrottorna zu nennen unter denen einige von Jedermann zu besichtigen sind, sollte man den Helm und die Taschenlampe nicht vergessen haben. Die Mehrheit der Grotten sind allerdings für Hobbyabenteurer nicht geeignet.

Andere Ausflugsmöglichkeiten können das Surströmmingsmuseum, dem ein Bootsmuseum angeschlossen ist, in Skeppsmaln sein, das Brynge Kulturområde mit seinem Kraftwerk und der industriellen Geschichte des Ångermanland, die Själevads Kyrka, die vor einigen Jahren zur schönsten Kirche Schwedens gewählt wurde, oder auch die Gammelgården in Myckelgensjö mit seinen 28 Gebäuden aus dem 17. Jahrhundert und dem Bauernhof der gleichen Epoche. Für jene, die sich für Geschichte interessieren kann auch Genesmon im Ort Gene von großem Interesse sein, die Rekonstruktion eines Dorfes aus der römischen Eisenzeit, gebaut nach der nahen Fundstelle, die in den 60er Jahren erstmals untersucht wurde.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/14

Stockholm, die Stadt, die aus dem Wasser stieg

Stockholm ist mit seinen nahezu 900.000 Einwohnern nicht nur die größte Stadt Schwedens, sondern auch das kulturelle, wirtschaftliche und politische Zentrum Schwedens, eine Stadt, die jedes Jahr über 1,5 Million Besucher zählt und damit in mehreren Bereichen bereits von einem steigenden Tourismus abhängig ist.


Die Geschichte Stockholms ist relativ jung und geht gerade einmal bis zum frühen 13. Jahrhundert zurück, was allerdings seine Erklärung darin hat, dass nahezu die gesamte Gegend Stockholms während der Eisenzeit noch unter Wasser lag und sich die zahlreichen Inseln erst einmal durch die Landhebung zu einem Festland entwickeln mussten. Sie Entwicklung der Gamla Stan (Altstadt) wurde in dieser Hinsicht von Archäologen weitgehend untersucht.

Die Stadtprivilegien erhielt Stockholm erst am 1. Mai 1436, lange nachdem andere schwedische Städte sich bereits zu Zentren entwickelt hatten. Heute wird dieser Tag als jener betrachtet, an dem Stockholm nicht nur Stadt, sondern Hauptstadt Schwedens wurde, auch wenn es noch bis 1634 dauerte bis die gesamte Verwaltung Schwedens nach Stockholm verlegt wurde.

Wenn man an Stockholm denkt, so denkt man auch heute noch meist zuerst an die über 30.000 Inseln, die die Schären vor der Stadt ausmachen und die größte Ansammlung an Inseln Schwedens sind. Während man von April bis September mehrere der Inseln auch mit einer Fähre erreichen kann, muss man zu anderen Zeiten über ein eigenes Boot verfügen, da die touristische Erschließung der Schären sich bisher auf den Sommer beschränkt.

Auf Grund der Größe Stockholms und der Menge der verschiedenen Sehenswürdigkeiten, ist es unmöglich die Stadt nur in einigen Tagen entdecken zu können, was zur Folge hat, dass nahezu jeder Besucher sein eigenes Stockholm entdeckt und dabei nur einige der bekanntesten Stellen von jedem Neuling in der Stadt besucht werden.

Einer der ersten Wege in Stockholm führt vermutlich in die Altstadt, die Gamla Stan, das mittelalterliche Zentrum der Stadt, das als erstes erbaut wurde, aber auch teilweise durch mehre Brände zerstört wurde. In der Gamla Stan findet man auch einige der wichtigsten Gebäude der Stadt, nämlich das königliche Schloss, die Storkyrkan, das alte Reichstagsgebäude, die Deutsche Kirche und das Nobelmuseum. Nicht zu vergessen den Stortorget und die zahlreichen anderen historischen Gebäude, und die besondere Atmosphäre, die in der Altstadt herrscht.

Der zweite Weg führt vermutlich zum Skansen im Stadtteil Djurgården, dem größten Freilichtmuseum Schwedens, wo man historische Gebäude aus dem ganzen Land findet, auch wenn dadurch die verschiedensten Baustile kreuz und quer gemischt liegen. Im Skansen, dem auch der Stockholmer Zoo angegliedert ist, werden auch alle größeren Feste wie Mittsommer, Walpurgis oder Lucia gefeiert und hier findet auch der jährliche Weihnachtsmarkt Stockholms statt.

Da man bei einem Besuch in Stockholm nicht weit über 100 Museen besuchen kann, so führt einer der Wege jedoch sicherlich zum Vasamuseet (Vasa Museum) mit seinem Kriegsschiff aus dem 17. Jahrhundert, das 1961 geborgen wurde.

Wer sich vor allem für nordische Kunst interessiert, sollte außer dem Modernen Museum und dem Nationalmuseum in Stockholm vor allem die Thielska Gallerie, die Porträtsammlung von Bonniers und das Nordische Museum mit Werken von August Strindberg besuchen, und natürlich den Millesgården, der allerdings nicht mehr in Stockholm, sondern auf Lidingö zu finden ist.

Als die modernste Attraktion Stockholms kann man die Gondel SkyView nennen, die es erlaubt auf den Globen zu fahren und Stockholm aus 130 Meter Höhe zu erforschen, eine Reise von 30 Minuten, die sich lohnen.

Und natürlich findet man in Stockholm auch einen Vergnügungspark, wobei Gröna Lund in permanenter Konkurrenz zu Göteborgs Liseberg steht, die sich beide permanent an Attraktionen überbieten wollen und dadurch nahezu das gleiche Angebot haben.

Auch wenn Stockholm einem Besucher tagelang eine Beschäftigung und neue Entdeckungen bieten kann, so kann ein Besuch in der Hauptstadt Schwedens auch als Basis für Ausflüge in die Schären, nach dem legendären Birka oder zu den bekanntesten Schlössern in der Umgebung genutzt werden.

Wer außer dem normalen kulturellen Angebot einer Großstadt wie Stockholm besondere Ereignisse sucht, sollte daran denken, dass Mitte August das Kulturfestival stattfindet, ein kostenloses Ereignis, das sich auf mehrere Tage erstreckt. Weiter wichtige Ereignisse sind natürlich das Stockholm Pride Festival Anfang August und der Stockholm Marathon, der am 1. Juni 2013 erneut vom Stapel geht.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/13

Karlstad, die Wasserstadt im Värmland

Karlstad, die größte Stadt des Värmlands zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich im Delta des Klarälven befindet, der dort in den nördlichsten Teil des Vänern mündet. Mit über 60.000 Einwohnern nimmt Karlstad den 17. Platz in der Rangordnung der schwedischen Städte ein.

Auch wenn Karlstad bereits zur Zeit der Wikinger ein Handelsplatz war, der unter dem Namen Tingvalla im 13. Jahrhunderts erstmals in offiziellen Dokumenten genannt wird, ein Ort, an dem auch das jährliche Ting abgehalten wurde, so erhielt Karlstad seine Stadtprivilegien erst im Jahre 1584 von Karl IX., der dem Ort auch seinen Namen gab. Allerdings verfügte die gesamte Stadt um diese Zeit gerade einmal über 150 Einwohner, die sich auf 45 Haushalte verteilten.

Die längste Steinbrücke Schwedens findet man in Karlstad.
 
Das Logo von Karlstad ist eine freundliche Sonne, was jedoch nicht ein Ausdruck für die Sonnenstunden am Vänern sein soll, sondern an Sola i Karlstad, die Bedienung Eva Lisa Holtz erinnern soll, der eine ständige gute Laune nachgesagt wird und die heute als Statue vor dem Stadthotel steht.

Auf Grund der zahlreichen Brände, die Karlstad heimsuchten, hat die Stadt nicht nur einen modernen Charakter, sondern selbst das Straßennetz entstand wegen der Brandgefahr. Die Straßen sind daher sehr breit und sollten als Feuerschutz dienen. Entsprechend gehört auch der zentrale Stora Torget zu den größten Plätzen Schwedens auf dem dreimal die Woche Marktstände aufgebaut werden.

Seit 1999 verfügt Karlstad über eine Universität, die sich vor allem auf die Forschung spezialisiert hat, aber auch Ausbildungen in Naturwissenschaft, Gesellschaftswissenschaft und Medizin anbietet. Im Jahre 2009 entstand dann ebenfalls eine Handelshochschule, wobei beide Einrichtungen gemeinsam etwa 10.000 Studenten ausbilden.

Das dominanteste Gebäude Karlstads ist die Domkirche in überwiegend barockem Stil. Auf Grund der Brände und mehrere Umbauten hat die Kirche keinen klaren Stil und selbst der Hauptaltar stammt erst aus dem Jahre 1967. Interessant ist daher vor allem der alte Altar mit den beiden Engeln des schwedischen Künstlers Johan Tobias Sergel.

Unter den Museen der Stadt sticht vor allem das Värmlands Museum hervor, das zu den meistbesuchten Regionalmuseen Schwedens gehört und einen Gesamtüberblick über das Värmland von der frühesten Zeit bis heute bietet, also eine Reise durch eine 10.000-jährige Geschichte erlaubt.

Das Brigademuseum mit dem Schwerpunkt „Kalter Krieg“, das bereits im Jahre 2012 öffnen sollte, wird nun offiziell am 1. Juni 2013 seine Türen öffnen. Das Museum wird von einem Verein getragen und will mit seinen interaktiven Ausstellungen jedes Alter ansprechen.

Im Juni 2012 öffnete das Lars Lerin Museum mit einer reichen Auswahl an Aquarellbildern des Künstlers, der in Munkfors im Värmland geboren wurde. Der Gegenwartskünstler Lars Lerin gilt als einer der herausragendsten Aquarellmaler des modernen Schweden. Sein Museum, das sich vorher in Munkfors befand, ist mittlerweile geschlossen.

Einige Kilometer außerhalb von Karlstad findet man das Geburtshaus des größten värmländischen Dichters Gustaf Fröding. Das Gut aus dem 18. Jahrhundert beherbergt eine kleine Ausstellung zum Nationalskalden des Värmland, wobei ein Besuch vor allem Ende August von größerem Interesse ist, da der Geburtstag des Dichters auf besondere Weise gefeiert wird. Ansonsten ist der Alster Herrgård eine beliebte Ausflugsstelle für die Bewohner Karlstads.

Wer der Stadtatmosphäre entkommen will, dem bietet Karlstad Ausflüge in die Schären des Vänern an, eine fotografische Biberjagd im Klarälven von einem Kajak aus, 90 Kilometer an Fahrradtouren in der Umgebung, fern von jedem Autoverkehr oder auch eine Entspannung bei einer Runde Golf.

Kulturell bietet Karlstad mit seiner Oper, dem Scalateatern und dem Värmlandsteatern ein Angebot, das einer größeren Stadt gerecht werden kann, wobei insbesondere die Oper mit 65 fest angestellten Solisten eine sehr hohe Qualität bietet, die Besucher aus ganz Schweden anzieht.

Der sogenannte Sandgrundsudden, der von beiden Seiten von Armen des Klarälven umgeben ist und am Värmlandsmuseum liegt, ist im Sommer das kulturelle Zentrum Karlstads, wo man nicht nur bei einem Picknick an den Stränden und auf den Wiesen liegen kann, sondern wo auch zahlreiche Konzerte und andere Veranstaltungen stattfinden.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/11

Göteborg, die Stadt, die aus dem Sumpf wuchs

Während die meisten schwedischen Städte bereits an Stellen gegründet wurden, die nicht nur von strategischer Sicht her eine Bedeutung hatten, sondern wo man bereits vorher eine Ansiedlung fand, so ist Göteborg hierbei eine Ausnahme, denn auch wenn man am Rande der Stadt sehr viele Zeichen einer früheren Besiedlung findet, so war dort, wo Gustav II. Adolf im Jahre 1621 die Stadt haben wollte, nur Lehm und Sumpf zu finden.

Gustav II. Adolf hatte allerdings den Vorteil der Lage sofort erkannt, denn mit Hilfe von Holländern und Deutschen konnte er hier eine befestigte Stadt schaffen, die nicht nur uneinnehmbar war, sondern auch über Hügel verfügte von wo aus der Feind schon in weiter Ferne entdeckt werden konnte und wo Kanäle die Seefahrt erleichterten und einen ausgedehnten Handel mit anderen Ländern ermöglichte.

In den folgenden Jahrhunderten dehnte sich die Stadt natürlich immer weiter aus und heute gehören auch zwei Vorläufer der Stadt, nämlich Älvsborg und das Götheborg von Karl IX. zu Göteborg. Nur die beiden Lödöse, die ebenfalls Vorläufer der heutigen Stadt waren, sind so weit vom heutigen Göteborg entfernt, dass sie kaum noch mit der Stadt in Verbindung gebracht werden.

Göteborg, die zweitgrößte Stadt Schwedens, war vom ersten Tag an als Hafenstadt geplant und sollte die Wege in andere Welten ermöglichen, was sich bisher auch 400 Jahre lang bestätigt hat und jede industrielle Bewegung und jede Art von Handel in die Stadt brachte und die Stadt prägte. Allerdings muss man bei Göteborg bedenken, dass die Stadt im Jahre 1850, also zu Beginn der großen Auswanderungsbewegung Schwedens, gerade einmal 20.000 Einwohner hatte und bis zum Ende der Auswanderungswelle zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits auf 130.000 Bewohner angewachsen war.

Auch wenn Göteborg gesamt gesehen eine relativ moderne Stadt ist, was nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen ist, dass sie mehrmals abbrannte, so blieb aus den Anfängen Göteborgs die Neue Festung Älvsborg erhalten, die Verteidigungstürme, ein Teil der unterirdischen Gänge und mit dem Kronhuset und der Residenset auch zwei Gebäude, die fast bis zur Gründungszeit der Stadt zurückgehen.

Dass sich das wirtschaftliche Zentrum der Stadt entlang der Kanäle bildete ist auch heute noch deutlich zu sehen, denn hier findet man das alte Zollgebäude, das Gebäude der Ostindiengesellschaft, das Rathaus, die Deutsche Kirche und die Marktplätze. Und selbst das moderne Göteborg zieht sich mit der Feskekôrka, der Oper, dem Stora Teatern oder dem Hauptbahnhof den Kanälen entlang, auch wenn einige der Kanäle mittlerweile gefüllt wurden.

Göteborg wird oft als die grüne Stadt Schwedens bezeichnet, da man hier sehr ausgedehnte Anlagen findet, die alle einige Besonderheiten aufweisen. Wer sich daher für Natur in der Stadt interessiert, wird mit der Trädgårdsföreningen, dem Botanischen Garten, dem Königspark, dem Schlosswald und anderen groß angelegten Flächen selbst einige Tage in der grünen Stadt verbringen können ohne sich zu langweilen.

Da auch die Kirchen Göteborgs relativ jung sind, findet man weder in der Domkyrkan, noch der Hagakyrkan oder der Masthuggskyrkan besondere historische Werte, auch wenn jede der Kirchen einen eigenen Charakter hat. Eine Ausnahme ist dabei die Tyska Kyrkan, also die Deutsche Kirche, deren Aussehen und deren Ausstattung die Bedeutung der Kirche für die deutschen Einwanderer im 17. Jahrhundert zeigt. Alle historischen Kapellen und Kirchen der Stadt sind verschlossen und können nicht besucht werden.

Göteborg ist auch eine Stadt der Museen und Ausstellungen, wobei man hier mehr die Qual der Wahl hat und unter den rund 50 Angeboten wählen muss was einen interessiert. Herausragend sind jedoch das Kunstmuseum, das Röhsska Designmuseum und das Stadtmuseum, die es erlauben der schwedischen Kultur näher zu kommen.

Wer Göteborg besucht, darf auch nicht vergessen, dass ein Teil der Stadt sich auch über die Schären verteilt, die alle eine eigene Geschichte erzählen können, da jede der bewohnten Inseln eine andere Gruppe an Menschen anzog, was sich selbst auf die Baustile auswirkt. Diese Inseln vor Göteborg waren bereits bewohnt als vom heutigen Zentrum Göteborgs noch nichts zu sehen war.

Zu Göteborg gehört natürlich auch Liseberg mit seinen Kaninchen und den zahlreichen Attraktionen für jedes Alter, denn ein Besuch in Göteborg ohne im größten Vergnügungspark Schwedens gewesen zu sein, lässt sich kaum entschuldigen, da man in Liseberg nicht nur Aktivitäten finden, sondern auch einen Lustgarten, der liebevoll angelegt wurde und zu einem Spaziergang einlädt. Hier findet auch der jährliche Weihnachtsmarkt, die Landwirtschaftsausstellung und unzählige Konzerte mit schwedischen Künstlern statt.

Copyright: Herbert Kårlin