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2012/10/02

Eskilstuna, eine finnische Verwaltungsgemeinde im Södermanland

Die Stadt Eskilstuna war bereits vor der Christianisierung Schwedens ein Handelsort, auch wenn es sich damals noch um zwei verschiedene Ansiedlungen handelte, nämlich Tuna und Fors, die noch direkt am Mälaren lagen, da die Landhebungen noch nicht so fortgeschritten waren, und dort der Übergang vom Wasserweg zum Landweg war.

Tuna wurde bereits 1104 in offiziellen Dokumenten genannt und seit dieser Zeite mit der Legende des Heiligen Eskil in Verbindung gebracht, der Ende des 11. Jahrhunderts während seiner Missionsarbeit in Strängnäs ermordet wurde. Geschichtsforscher nehmen an, dass Tuna im Jahr 1266 von Tuna in Eskilstuna verwandelt wurde um die Verbindung zum Heiligen deutlicher zu machen.

Auch wenn die Geschichte Eskilstuna bis Mitte des 17. Jahrhunderts immer wieder Höhepunkte hatte, hier das schwedische Hauptkloster der Johanniter gebaut wurde, Herzog Karl das Schloss Eskilstunahus bauen ließ und letztendlich der Eskilstuna Kanal eine Verbindung zwischen Mälaren und Hjälmaren schuf, so wurden dem Ort mehrmals die Stadtprivilegien versagt. Dies änderte sich erst unter Karl X. Gustav, der aus Eskilstuna eine der größten Industriestädte Schwedens machen wollte. Auch wenn nur etwa 20 Prozent seiner Pläne verwirklicht wurden und die Stadt nie Karl Gustavs Stad hieß, so erlangte der Ort dank dieser Idee im Jahre 1659 die Stadtrechte.

Auch wenn das Kloster der Johanniter im Jahre 1585 abgerissen wurde, damit das Eskilstunahus gebaut werden konnte, das wiederum 1680 vollkommen abbrannte und somit keine Reste der beiden Bauten in Eskilstuna zu finden sind, so ist die Fors Kyrka mit Resten aus dem 11. Jahrhundert noch eine Erinnerung an das Mittelalter und den Heiligen Eskil.

Eskilstuna präsentiert sich dem Besucher in erster Linie als moderne Industriestadt, so dass man sich zuerst auf die Suche nach der Altstadt (Gamla Stan) mit der „Långa Gatan“ (Lange Straße), die eigentlich Köpmansgatan heißt, machen sollte wo man den mittelalterlichen Charakter des Ortes noch am deutlichsten spüren kann. Ein Blick auf die Holzhäuser entlang der Eskilstunaån bleibt ein unvergesslicher Eindruck.

Wer sich etwas mehr mit Eskilstuna auseinandersetzen will, sollte das Eskilstuna Stadsmuseum mit der Faktoriet und den waffentechnischen Sammlungen besuchen, denn hier findet man nahezu alle Erklärungen und Gegenstände, die dem Besucher das Eskilstuna vom 17. Jahrhundert bis heute näher bringen.

Der nächste Weg sollte möglichst zu den Rademachersmedjorna führen, der Stadt der Schmiede, die Karl X. Gustav als Waffenfabrik errichten ließ. Heute sind diese Gebäude mit den verschiedensten Schmieden eine Mischung zwischen Museumsdorf und aktiven Schmieden, die nach alter Tradition arbeiten.

Ebenfalls der Industrie gewidmet ist das Munktellmuseet in Eskilstuna. Hier kann man, unter anderem, der ersten Traktor Schwedens aus dem Jahre 1913 sehen, einen Lastwagen von 1954 und selbst einen Film über die Geschichte Volvos betrachten. Alle Geräte und Fahrzeuge des Museums sind funktionsfähig, was für ein Museum wohl einzigartig ist.

Vor allem im Sommer, und natürlich zu Mittsommer, sind die Sörmlandsgården, ein Museumsdorf aus dem 19. Jahrhundert, ein Erlebnis, da man hier die Leinverarbeitung, das Schafscheren und vieles mehr aus nächster Nähe betrachten kann, und all dies in einem typischen landwirtschaftlichen Gut des Sörmlands (Södermanland).

Wer sich für schwedische Malerei interessiert, wird vom Kunstmuseum in Eskilstuna nicht enttäuscht, denn außer den regelmäßigen temporären Ausstellungen modernen schwedischer Künstler umfasst die Sammlung repräsentative Gemälde schwedischer Künstler vom 17. Jahrhundert bis heute, wobei der Schwerpunkt des Museum beim 20. Jahrhundert liegt und sich auch auf Design und Kunsthandwerk erstreckt.

Um die Vorgeschichte Eskilstunas zu erleben, muss man sich etwas außerhalb der Stadt bewegen, denn hier findet man nicht weniger als drei Vorburgen, nämlich Ogaklev, Stenby und Uvberget, die alle drei von der Bedeutung des Ortes zeugen und beweisen, dass hier bereits 500 nach Christus eine rege Aktivität zu finden war.

Auch ein Ausflug nach Sundby, das rund zehn Kilometer von Eskilstuna entfernt ist, sollte bei einem Aufenthalt in der Stadt eingeplant werden, denn dort findet man außer dem Mälarschloss Sundbyholm, dessen Parkanlage das ganze Jahr über Besuchern offen steht, auch die sogenannten Sigurdsristningen, die nahezu 1000 Jahre alten Runeninschriften, die die Sage von Sigurd Fafnesbane aus der isländischen Edda erzählen, einer der interessantesten historischen Funde im Södermanland.

Aber auch für Kinder hat Eskilstuna etwas zu bieten, nämlich den Parken Zoo, der eine Mischung aus Tiergarten mit Tieren aus aller Welt und Vergnügungspark für die jüngeren Besucher ist, oder das Abenteuerbad Vattenpalatset, das erste Abenteuerbad, das in Schweden geöffnet wurde.

Da Eskilstuna, prozentual gesehen, die größte Anzahl an finnischstämmigen Bewohnern in ganz Schweden hat, wurde der Ort im Jahr 2010 zu einem finnischen Verwaltungsgebiet erklärt, was bedeutet, dass man hier auch mit Finnisch ganz gut zurecht kommt und wichtige Informationen für die Bevölkerung nicht nur in schwedischer, sondern auch in finnischer Sprache existieren.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/15

Örebro, die Stadt der Schuhmacher

Örebro hatte allein wegen seiner Lage am Hjälmaren und an der Svartån eine strategisch wichtige Lage, so dass die Geschichte Örebros vom 14. bis zum 18. Jahrhundert zahlreiche Höhepunkte hatte, aber auch der Austragungsort von Streitigkeiten war, eine Tatsache, die sicher mit dafür verantwortlich ist, dass Örebro heute die sechstgrößte Stadt Schwedens ist und mit einer Geschwindigkeit wächst, dass sie bereits 2015 größer sein kann als Västerås und diese dann vom fünften Platz verdrängt.

Auch wenn heute nichts mehr an diese Epoche erinnert, so war Örebro im 19. Jahrhundert die schwedische Hauptstadt der Schuhindustrie. Im Jahre 1873 zählte man in der Stadt 365 verschiedene Schuhfabriken und kleinere Schuhmacher. Unter ihnen fand man die bedeutendsten Schuhmarken Schwedens, die allerdings der Globalisierung nicht gewachsen waren. Schon 1970 musste der letzte Hersteller seinen Laden schließen.

Das Schloss in Örebro

Auch in anderen Hinsichten hat sich Örebro seit dem 19. Jahrhundert stark verändert, denn die Industrie machte mehr und mehr dem Handel und Dienstleistungsunternehmen Platz, wobei heute die Universität und das Universitätskrankenhaus als die größten Arbeitgeber der Stadt gelten, nachdem selbst die Garnison bereits vor Jahren abzog.

Selbst wenn man weiß, dass Örebro sehr früh eine wichtige Rolle in Schweden spielte und unter Birger jarl gegen 1260 eine erste Festung erbaut wurde, so ist unbekannt wann die Stadtprivilegien ausgestellt wurden. Sicher ist jedoch, dass Örebro etwa zur gleichen Zeit Stadt wurde wie Stockholm, Nyköping oder Arboga, auch wenn sich die Strukturen der vier Städte heute sehr unterscheiden.

Das dominante Gebäude Örebros ist auch heute noch das Schloss, das sich unter Herzog Karl aus einer einfachen Festung zu einem prächtigen Bau entwickelte. Leider können nur Teile des Schlosses bei Führungen besichtigt werden, ausgenommen das Schlossmuseum, das in einem der Türme untergebracht ist und die Geschichte des Schlosses dokumentiert.

Um eine Reise in die Vergangenheit Örebros zu unternehmen, muss man das historische Städtchen Wadköping besuchen, des nur einen mittleren Spaziergang vom Zentrum entfernt liegt und nahezu alle historischen Gebäude vereint, die einst das Zentrum der Stadt ausmachten. Sehr viele der Gebäude beinhalten zusätzliche noch Museen innerhalb der Museumsstadt.

Von großem Interesse ist auch die Sankt Nicolai Kirche am Stortorget, die noch einige Elemente behalten hat, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen und alle Umbauten überlebten. Der monumentale Turm der Kirche ist allerdings weitaus jünger und erhielt das heutige Aussehen erst Ende des 19. Jahrhunderts.

Bauwerke des 19. Jahrhunderts sind in Örebro noch relativ zahlreich, angefangen vom Rathaus, das ebenfalls am Stora Torget liegt, über das Theater und den Hauptbahnhof bis zum Stora Hotellet oder dem Gamla Sparbankshuset.

Wer sich für die Geschichte Örebros und der Region Närke interessiert, wird im Örebro Länsmuseum voll auf seine Kosten kommen, denn hier wird die Geschichte der Stadt in mehreren Räumen von den ersten Funden bis heute auf eindrucksvolle Weise demonstriert, wobei temporäre Ausstellungen auch in die Gegenwart führen.

Im Sommer findet das Leben Örebros, wenn man von den Grünflächen absieht, am Stora Torget statt, wobei hier der Begriff „Stora“ wörtlich zu nehmen ist, denn dieser Platz misst eine Länge von 362 Metern, wobei man rechts und links auch zahlreiche Cafés und Restaurants jeder Preisklasse findet. Dominiert wird der Platz vor allem von der Statue des lokalen Helden Engelbrekt Engelbrektsson.

Unter den Grünflächen Örebros sollte man weder den Stadtpark mit seinen unzähligen Rosen und den blühenden Gartenanlagen, noch den Schlosspark vom Jahre 1760 vergessen, der auf einer kleinen Insel liegt, die auch über eine Brücke erreicht werden kann. Beide Parkanlagen liegen nahe der Museumsstadt Wadköping. Etwas außerhalb der Stadt findet man auch die beiden Naturreservate Oset und Rynningeviken, die beide am Hjälmaren liegen.

Besondere Ereignisse in Örebro sind die Kunstbiennale OpenART, die für Sommer 2013 wieder geplant ist, das Örebrofesten Anfang August, das vor allem Essen und Musik zum Thema hat, der Weihnachtsmarkt in Wadköping und die Hindersmässan Ende Januar, die bereits seit mehreren hundert Jahren in Örebro organisiert wird, ein Jahrmarkt, der mittlerweile rund 80.000 Besucher anzieht.

Copyright Foto und Text: Herbert Kårlin

2012/09/07

Västerås, eine zukünftige Großstadt Schwedens

Västerås, die Stadt am Mälaren mit seinen Schären ist heute die fünftgrößte Stadt Schwedens. Auch wenn der Ort an dem sich heute die Stadt Västerås befindet bereits zur Jungsteinzeit besiedelt war, so geht die Geschichte der Stadt „nur“ bis zum Jahr 990 zurück, was bedeutet, dass Västerås mit zu den ältesten Städten Schwedens gehört.

Obwohl sich Västerås im Laufe der letzten Jahrhunderte zu einer modernen Industriestadt entwickelt hat, so hat das Stadtzentrum seinen Stadtplan vom Mittelalter erhalten und nördlich der Domkirche findet man nach heute Gebäude, die bereits mehrere hundert Jahre hinter sich haben, die klassische Baukunst Schwedens behalten haben und sich sehr deutlich von den moderneren Stadtteilen abgrenzen.

Die Elba legt im Hafen von Västerås an

Wer sich mehr für das historische Västerås interessiert, sollte natürlich das Museumsdorf Vallby besuchen, das sich nur zwei Kilometer nördlich von Västerås befindet, denn hier findet man zahlreiche historische Gebäude aus Västerås und anderen Teilen des Västmanland in mittelalterlicher Form. Das älteste Gebäude des Museumsdorfes stammt aus dem 17. Jahrhundert, wobei verschiedene Vorführungen und Kurse, die dort während des Sommers stattfinden, auch das Leben jener Epoche schildern.

Nicht zu vergessen ist natürlich die Domkirche in Västerås, die am 16. August 1271 eingeweiht wurde und an der man deutlich die Entwicklung vom 13. Jahrhundert bis zum 18. Jahrhundert entdecken kann. Der Ziegelbau war beim Bau von Kirche mit den Bettelmönchen erst kürzlich nach Schweden gekommen, weshalb man in Västerås noch die älteste Ziegelkunst Schwedens finden kann.

Auch Teile des Schlosses in Västerås, das teilweise besichtigt werden kann, kommen noch aus dem 13. Jahrhundert, ein Schloss, das unter Gustav Vasa eine wichtige Rolle für die Geschichte Schwedens spielte und sein heutiges Aussehen im 16. Jahrhundert bekam, nach einem Brand im Jahre 1737 jedoch teilweise neu aufgebaut werden musste. Die letzte Restauration fand dann 1965 und 1966 statt, was auch dazu führte, dass Teile des Schlosses von der Regionalregierung benutzt werden.

Das moderne Västerås wurde vor allem vom Stadtarchitekten Erik Hahr zwischen 1909 und 1935 geschaffen, als die schwedische Industrialisierung auch nach Västerås gefunden hatte. Ergänzt wurde dieser Teil dann mit dem fünfthöchsten „Wolkenkratzer“ Schwedens, dem Skrapan mit seinen 25 Etagen und dem Rathaus mit seinem 65 Meter hohen Turm mit Glockenspiel, das nur wenige Meter von der Svartån entfernt liegt.

Für Kunstliebhaber bietet Västerås, die Stadt in der das erste Hennes & Mauritz gegründet wurde, das Kunstmuseum mit rund 8000 Werken, wobei sich das Museum auf schwedische Künstler spezialisiert hat und daher einen guten Einblick in die schwedische Kunstgeschichte bietet und auch zahlreiche moderner Künstler des Landes ausstellt.

Wer sich mehr für Kunst und Kultur in Västerås interessiert, findet natürlich auch mehrerere Theater, etwa 300 öffentliche Kunstwerke, kann der Västerås Sinfonietta lauschen, einem der ältesten Symphonieorchester Schwedens, das Västmanlands läns Museum besuchen, das Flugmuseum, das Freizeitbootmuseum oder auch das Schulmuseum.

Wer mehr Ruhe in Västerås sucht, sollte bei einem Bummel in der Stadt der Brücken einen Blick auf die Parkanlagen von Västerås werfen und vor allem nicht den ältesten Botanischen Garten Schwedens vergessen, der bereits im 17. Jahrhundert gegründet wurde und die Pflanzen in eine künstlerische Atmosphäre einbettet.

Vor allem im Sommer ist der tägliche Markt am Stora Torget eine wahre Attraktion, an der Sich Bewohner der Stadt und Besucher kreuzen. Als Besucher sollte man nicht vergessen hier auch Ausschau nach den Gurken aus Västerås zu halten, die bekanntesten Gurken Schwedens, die einst über den deutschen Gärtner Bernhard Johan Bohnsack nach Västerås kamen und von hier aus nach ganz Europa exportiert wurden.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/05

Norrköping, 400 Jahre Industrie in Schweden

Auch wenn die Geschichte Norrköpings bis zur Bronzezeit oder auch weiter zurückführt und auch die Wikinger hier einige Spuren hinterlassen haben, so beginnt die Geschichte der Stadt erst im Jahre 1384, als sie die Stadtrechte erhielt und sich damit dem Handwerk und dem Handel öffnen konnte. Die Entwicklung der Stadt und ihre heutige Struktur gehen dann immerhin noch bis zum Jahre 1618 zurück, als der Holländer Louis de Geer hier ankam und die industrielle Bewegung Norrköpings in Gang setzte. Zur Erinnerung daran findet man auf dem Gamla Torg seine Statue, die der bekannte schwedische Bildhauer Carl Milles schuf.


Norrköping ist mit seinen rund 130.000 Einwohnern die zehntgrößte Stadt Schwedens und verdankt seine Entwicklung seiner Lage am Motala Ström, der in Norrköping allgemein nur als „Strömmen“ bezeichnet wird, denn hier konnte man Mühlen aufbauen, das starke Gefälle diente dem Antrieb der Maschinen und letztendlich öffnete der Strömmen einen Handelsweg direkt zur Ostsee.

Louis de Geer hatte diese Möglichkeiten unmittelbar erkannt und gründete in der damals zweitgrößten Stadt Schwedens eine Papierfabrik, eine Waffenfabrik, stellte Kleidung her und baute eine Werft auf. Diese Entwicklung setzte in den folgenden Jahrhunderten fort, wobei vor allem die Textilindustrie Norrköpings bis zu den 60er Jahren bedeutend zum Reichtum der Stadt beitrug. Dank dieser Entwicklung liegt die Arbeitslosigkeit in Norrköping noch heute weit unter dem Landesschnitt.

Nachdem sich die Industriegebäude ab den 70er Jahren leerten und sich die moderne Industrie und der Handel in Neubauten ansiedelten, entschied sich Norrköping in den 80er Jahren das heute als Industrielandschaft bekannte Gebiet zu erhalten, zu modernisieren und ihm eine neue Aufgabe zu geben, wodurch der kulturhistorische Wert der Stadt erhalten bleiben konnte.

Große Teile der Gebäude aus dem 17. und 18. Jahrhundert, so der Holmentornet, sind mittlerweile wahre Kennzeichen Norrköpings geworden. So findet man heute auch neben Gewölben vom 18. Jahrhundert die Universität Norrköpings, die in der alten Textilfabrik Einzug hielt und direkt am Strömmen über eine ideale Lage verfügt.

Die frühere Papierfabrik wurde zum Konzerthaus und einem Kongresszentrum und mit dem Stadtmuseum, dem Arbeitsmuseum und zahlreichen Cafés und Restaurants wurde das gesamte kulturelle Zentrum Norrköpings in die Industrielandschaft am Fluss eingebettet, eine Besonderheit, die man nur in Norrköping in diesem Ausmaß finden kann.

Während eines Besuches in Norrköping sollte man jedoch nicht nur die Industrielandschaft der Stadt besuchen, sondern auch den Gamla Torg mit seinen Gebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert, sowie die Drottninggatan entlang bummeln, die vielleicht wichtigste Straße Norrköpings an der auch der Karl Johans Park liegt in dem man seit den 30er Jahren regelmäßig von Frühling bis Herbst die „Kaktuspflanzung“ findet, eine Anlage mit etwa 25.000 Gewächsen, darunter rund 6000 Kakteen, die zu einem gigantischen Bild angeordnet werden.

Wie jede Universitätsstadt, so ist das kulturelle Leben Norrköpings stark auf die knapp 6000 Studenten ausgerichtet, was sich sowohl auf das musikalische Programm auswirkt als auch auf Kunst und Theater. Die Linköpings Universität (LiU), zu der die philosophische Fakultät und die Technische Hochschule Norrköpings gehören, zählt insgesamt nahezu 30.000 Studenten, wobei die beiden Städte nur rund 40 Kilometer voneinander entfernt liegen.

Auf Grund von mehreren Bränden verfügt Norrköping über keine Kirche, die bis zur Gründungszeit der Stadt zurückreicht. Alle drei architektonisch und geschichtlich interessanten Kirchen der Stadt wurden mehrmals restauriert. Teile der Hedvigs Kyrka, die sogenannte Deutsche Kirche, reichen bis zum Ende des 17. Jahrhunderts zurück, die S:t Olai Kyrka wurde Ende des 18. Jahrhunderts im heutigen Stil gebaut und die Matteus Kyrka Ende des 19. Jahrhunderts.

Das Kunstmuseum in Norrköping ist auf schwedische Kunst des 19. Jahrhunderts spezialisiert, verfügt jedoch über eine Sammlung schwedischer Kunst vom 17. Jahrhundert bis heute. Die graphische Sammlung des Museums gehört zu den bedeutendsten Schwedens.

Im Stadtmuseum entdeckt man vor allem das Norrköping von vor hundert Jahren, wobei im sogenannten Webraum des Museum weiterhin Tücher auf herkömmliche Art gewoben werden. Hier kann man etwa 50 verschiedene Handwerke entdecken, die Norrköping zu seinem Reichtum verholfen haben.

Das Arbeitsmuseum widmet sich mehr der gegenwärtigen Entwicklung Norrköpings und bietet dem Besucher einen Einblick in Zeitströmungen, die nicht nur für Norrköping von Interesse sind, sondern für ganz Schweden.

Im Hällristingsmuseum kann man in einer permanenten Ausstellung die Geschichte der Bronzezeit in Schweden erfahren, wobei die Steinritzungen vor allem „Modell standen“ für die verschiedensten Modelle, die das kleine Museum bietet, wobei Fotografien und Textmaterial einen Einblick in die Vergangen bietet über die man nur wenig im „Land der Wikinger“ redet.

Das EWK-Museum zeigt eine Dauerausstellung der politischen Zeichnungen von Ewert Karlsson, der seine Werke mit EWK signierte. Das Museum zeigt rund 2000 seiner Zeichnungen und bietet einen Einblick das Leben und die Arbeitsweise des Künstlers.

Etwa zehn Kilometer nördlich von Norrköping befindet sich das Schloss Löfstad mit seinem englischen Park, das seit 1926 unverändert blieb und ganzjährig für Besucher geöffnet ist. Das Schloss wurde im 17. Jahrhundert gebaut und blieb bis zum Tod von Emilie Piper im Jahre 1926 im Besitz der gleichen Familie.

Copyright: Herbert Kårlin