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2012/09/26

Kalmar, der Schlüssel Schwedens

Kalmar gehört mit zu den ältesten Städten Schwedens und hatte bereits zur Zeit der Wikinger eine gewisse Bedeutung als Handelszentrum, auch wenn Kalmar, das im Mittelalter als der Schlüssel Schwedens bezeichnet wurde, mehr wegen der nahen Kämpfe zwischen Dänemark und Schweden und der Kalmarer Union bekannt wurde, als hier ein wichtiger Teil der Geschichte Schwedens geschrieben wurde.

Diese Grenzsituation zu Dänemark, verbunden mit der Bedeutung Kalmars ab dem 12. Jahrhundert, führte auch dazu, dass Kalmar relativ früh befestigt wurde, die ältesten Teile des Schlosses bis zur Mitte des 11. Jahrhunderts zurückreicht und Kalmar über einen Stadtteil verfügt, der teilweise noch aus dem 17. Jahrhundert stammt.

Renaissance-Schloss in Kalmar

Wer heute Kalmar besucht, auch ohne sich tiefer für die Geschichte der Stadt zu interessieren, findet im Grunde zwei historische Gebiete, die beide in die Ostsee hineinragen und früher sehr schwer zugänglich waren. Zum einen handelt es sich dabei um das Schloss Kalmar, das man über die Gamla Stan (Altstadt) erreichen kann. In diesem Schloss wurden einige der wichtigsten Verträge geschlossen, was jedoch den langsamen Verfall nach dem Frieden von Roskilde kaum aufhalten konnte, hätte nicht Oscar I. sich Mitte des 19. Jahrhunderts entschieden das gesamte Schloss zu restaurieren und ihm das heutige Aussehen zu geben.

Die sogenannte Altstadt Kalmars, die Gamla Stan war das ursprüngliche Zentrum der Stadt, das jedoch bei einem Großbrand im Jahre 1640 nahezu vollständig zerstört wurde. Da dieser Teil der Stadt anschließend nach Kvarnholmen verlegt wurde, nutzten die Bürger Kalmars die unbebaute Fläche um dort ihre Sommerhäuser zu bauen, eine Struktur, die bis heute erhalten geblieben ist und gewissermaßen zu einer Museumsstadt innerhalb der Stadt wurde.

Der zweite wichtige historische Teil Kalmars ist der Stadtteil Kvarnholmen, der heute durch mehrere Straßen mit dem Festland verbunden ist. Dieser Stadtteil entstand nach dem Großbrand im Jahre 1640 und verfügt noch über Teile der Befestigungsmauern und die ältesten Gebäude der Stadt, unter anderem die Domkirche, die 1682 eingeweiht wurde und ein Zeichen des schwedischen Großmachtdenkens jener Epoche ist. Im Inneren der Domkirche findet man zahlreiche Gegenstände aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Auf Kvarnholmen findet man auch das Kalmar Läns Museum, das außer den wechselnden Ausstellung eine Reise zum Kriegsschiff Kronan bietet, einem der mächtigsten schwedischen Schiffe des 17. Jahrhunderts, das 1676 vor Öland explodierte und sank, jedoch 1980 mit über 30.000 Fundstücken geborgen werden konnte. Die zweite Dauerausstellung ist Jenny Nyström gewidmet, dem Mädchen aus Kalmar, das einst nach Paris reiste und später einige der bekanntesten Volksillustrationen schuf, unter anderem den freundlichen Weihnachtsmann.

Aber Kvarnholmen ist auch wegen seiner gesamten architektonischen Schönheit zu besuchen, da hier die schwedische Abreißwut der 60er und der 70er Jahre kaum einen Einfluss hatte, was dazu führte, dass Kvarnholmen der schwedische Stadtteil ist, der heute über die meisten denkmalgeschützten Gebäude Schwedens verfügt und nicht nur Architekten einen Blick in die vergangenen Bau- und Wohnweisen erlaubt.

Eine Besonderheit Kalmars ist auch das letzte noch erhaltene Klapp- och Tvätthus, die öffentliche Wäscherei der Stadt, die seit dem 15. April 1857 von der Allgemeinheit benutzt werden kann um dort Wäsche und Teppiche zu waschen. Noch heute trifft man hier immer wieder einmal jemanden, der die frühere Waschmethode zu schätzen weiss.

Eine der modernsten Sehenswürdigkeiten Kalmars ist die Ölandsbrücke, die es Reisenden möglich macht nördlich der Stadt auf einfachste Weise nach Öland zu kommen und Besuchern der Stadt eine interessante Ausflugsstelle für einen Tag bietet. Als die Ölandsbron im Jahre 1972 eröffnet wurde, war sie mit ihren 6072 Metern die längste Brücke Europas.

Das Kunstmuseum Kalmars, das nach starkem Protest der Bevölkerung im Jahre 2008 ein modernes Gebäude im Stadtpark erhielt, hat  sich auf moderne Kunst und Regionalkunst spezialisiert. Allerdings wurde das Gebäude bekannter als der Inhalt des Museums als es noch 2008 den Kasper Salin Preis erhielt, den begehrtesten Architekturpreis Schwedens.

Die frühere Hochschule von Kalmar wurde 2010 mit der Hochschule in Vaxjö zusammen gelegt und damit zur Linnéuniversitetet, der sich Hultsfred mit seiner Musikausbildung und Nybro mit einer Designausbildung zusätzliche anschlossen. Der Schwerpunkt der Universität Kalmar liegt bei Ökologie, Biologie und Chemie, während Växjö sich auf Geisteswissenschaften und Wirtschaft spezialisierte.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/14

Stockholm, die Stadt, die aus dem Wasser stieg

Stockholm ist mit seinen nahezu 900.000 Einwohnern nicht nur die größte Stadt Schwedens, sondern auch das kulturelle, wirtschaftliche und politische Zentrum Schwedens, eine Stadt, die jedes Jahr über 1,5 Million Besucher zählt und damit in mehreren Bereichen bereits von einem steigenden Tourismus abhängig ist.


Die Geschichte Stockholms ist relativ jung und geht gerade einmal bis zum frühen 13. Jahrhundert zurück, was allerdings seine Erklärung darin hat, dass nahezu die gesamte Gegend Stockholms während der Eisenzeit noch unter Wasser lag und sich die zahlreichen Inseln erst einmal durch die Landhebung zu einem Festland entwickeln mussten. Sie Entwicklung der Gamla Stan (Altstadt) wurde in dieser Hinsicht von Archäologen weitgehend untersucht.

Die Stadtprivilegien erhielt Stockholm erst am 1. Mai 1436, lange nachdem andere schwedische Städte sich bereits zu Zentren entwickelt hatten. Heute wird dieser Tag als jener betrachtet, an dem Stockholm nicht nur Stadt, sondern Hauptstadt Schwedens wurde, auch wenn es noch bis 1634 dauerte bis die gesamte Verwaltung Schwedens nach Stockholm verlegt wurde.

Wenn man an Stockholm denkt, so denkt man auch heute noch meist zuerst an die über 30.000 Inseln, die die Schären vor der Stadt ausmachen und die größte Ansammlung an Inseln Schwedens sind. Während man von April bis September mehrere der Inseln auch mit einer Fähre erreichen kann, muss man zu anderen Zeiten über ein eigenes Boot verfügen, da die touristische Erschließung der Schären sich bisher auf den Sommer beschränkt.

Auf Grund der Größe Stockholms und der Menge der verschiedenen Sehenswürdigkeiten, ist es unmöglich die Stadt nur in einigen Tagen entdecken zu können, was zur Folge hat, dass nahezu jeder Besucher sein eigenes Stockholm entdeckt und dabei nur einige der bekanntesten Stellen von jedem Neuling in der Stadt besucht werden.

Einer der ersten Wege in Stockholm führt vermutlich in die Altstadt, die Gamla Stan, das mittelalterliche Zentrum der Stadt, das als erstes erbaut wurde, aber auch teilweise durch mehre Brände zerstört wurde. In der Gamla Stan findet man auch einige der wichtigsten Gebäude der Stadt, nämlich das königliche Schloss, die Storkyrkan, das alte Reichstagsgebäude, die Deutsche Kirche und das Nobelmuseum. Nicht zu vergessen den Stortorget und die zahlreichen anderen historischen Gebäude, und die besondere Atmosphäre, die in der Altstadt herrscht.

Der zweite Weg führt vermutlich zum Skansen im Stadtteil Djurgården, dem größten Freilichtmuseum Schwedens, wo man historische Gebäude aus dem ganzen Land findet, auch wenn dadurch die verschiedensten Baustile kreuz und quer gemischt liegen. Im Skansen, dem auch der Stockholmer Zoo angegliedert ist, werden auch alle größeren Feste wie Mittsommer, Walpurgis oder Lucia gefeiert und hier findet auch der jährliche Weihnachtsmarkt Stockholms statt.

Da man bei einem Besuch in Stockholm nicht weit über 100 Museen besuchen kann, so führt einer der Wege jedoch sicherlich zum Vasamuseet (Vasa Museum) mit seinem Kriegsschiff aus dem 17. Jahrhundert, das 1961 geborgen wurde.

Wer sich vor allem für nordische Kunst interessiert, sollte außer dem Modernen Museum und dem Nationalmuseum in Stockholm vor allem die Thielska Gallerie, die Porträtsammlung von Bonniers und das Nordische Museum mit Werken von August Strindberg besuchen, und natürlich den Millesgården, der allerdings nicht mehr in Stockholm, sondern auf Lidingö zu finden ist.

Als die modernste Attraktion Stockholms kann man die Gondel SkyView nennen, die es erlaubt auf den Globen zu fahren und Stockholm aus 130 Meter Höhe zu erforschen, eine Reise von 30 Minuten, die sich lohnen.

Und natürlich findet man in Stockholm auch einen Vergnügungspark, wobei Gröna Lund in permanenter Konkurrenz zu Göteborgs Liseberg steht, die sich beide permanent an Attraktionen überbieten wollen und dadurch nahezu das gleiche Angebot haben.

Auch wenn Stockholm einem Besucher tagelang eine Beschäftigung und neue Entdeckungen bieten kann, so kann ein Besuch in der Hauptstadt Schwedens auch als Basis für Ausflüge in die Schären, nach dem legendären Birka oder zu den bekanntesten Schlössern in der Umgebung genutzt werden.

Wer außer dem normalen kulturellen Angebot einer Großstadt wie Stockholm besondere Ereignisse sucht, sollte daran denken, dass Mitte August das Kulturfestival stattfindet, ein kostenloses Ereignis, das sich auf mehrere Tage erstreckt. Weiter wichtige Ereignisse sind natürlich das Stockholm Pride Festival Anfang August und der Stockholm Marathon, der am 1. Juni 2013 erneut vom Stapel geht.

Copyright: Herbert Kårlin