2012/09/12

Das Schloss Bogesund im schwedischen Uppland

Per Brahe der Jüngere, der auf dem Schloss Rydboholm aufgewachsen war, erbte im Jahre 1630 das Gut Bogesund, das damals noch Bogösund hieß, von seinem Vater, aber da ihn der alte Bau nicht interessierte, ließ er das Gut abreißen um ab 1640 ein für die damalige Zeit moderneres Schloss an der gleichen Stelle erbauen zu lassen.

Das Schloss Bogesund im schwedischen Uppland war quadratisch gebaut und hatte vier Etagen sowie zwei Dachwohnungen, eine Struktur, die heute noch deutlich zu sehen ist. Die charakteristischen Türme, die heute dem Schloss den Charakter verleihen, kamen erst Mitte des 19. Jahrhunderts bei einem Umbau des Gebäudes hinzu.

Stich: Suecia antiqua et hodierna
 
Per Brahe der Jüngere ließ auch den Garten um das Schloss anlegen, der allerdings bereits damals nicht so prachtvoll war wie die meisten anderen Schlossgärten, die um diese Zeit üblich waren. Die Ursache ist vermutlich, dass Brahe das Gebäude mehr als Wohnung ansah und weniger für repräsentative Zwecke nutzen wollte.

Als die letze Brahe-Erbin, Kristina Anna Brahe, starb, bewohnte ihr Mann das Schloss Bogesund noch bis zu seinem Tod im Jahre 1753. Die Erben Brahes verkauften es dann wenige Jahre später an Fredrik von Rosen, der es allerdings nur sieben Jahre lang besaß und 1774 an Albert von Lantingshausen verkaufte, einen engen Freund des Königs Gustav III.

Fredrik von Rosen ließ das Schloss restaurieren, ohne jedoch die Bausubstanz zu verändern. Aus der Zeit, als Rosen das Schloss bewohnte, sind noch heute mehrere Details im Schloss zu finden, unter anderem von Tapeten, Kachelöfen und einige Schnitzereien.

Albert von Lantinghausen wollte dem Schloss Bogesund dann mehr Prunk geben und beauftragte den Architekten Thor Medelplan mit dem Umbau. In dieser Zeit entstanden dann erst die Eingangstreppen und der monumentale Eingang und später die Türme und eine Schlosskapelle. Lantinghausen ließ auch einen Wintergarten anlegen und gab dem Schlosspark einen romantischen Einschlag, der allerdings nicht erhalten wurde. Allerdings sah Albert von Lantinghausen nie das fertige Gebäude, da er vorher starb. Das Schloss blieb jedoch weiterhin in der Familie.

Nils von Lantinhausen von Höpken, der das Schloss Bogesund im Jahre 1906 erbte, interessierte sich wenig für das Gebäude und ließ es langsam verfallen. Dies führte 1946 dazu, dass das Schloss enteignet wurde und Nils erhielt eine Entschädigung in Höhe von 11,6 Millionen Kronen. Allerdings dauerte es noch viele Jahre bis der schwedische Staat das Schloss Bogesund dann tatsächlich restaurierte, denn anfangs wurde es als Gefängnis benutzt und 1949 wurde es, in dem Zustand in dem es sich befand, unter Denkmalschutz gestellt.

Als das Schloss Bogesund dann 1993 an das Statens Fastighetsverk eingegliedert wurde, begann man sich über die Restauration Gedanken zu machen und 1996 begann man endgültig mit den Arbeiten und versuchte möglichst viele Details des Schlosses auch zu konservieren um eine weitere Degradation zu verhindern.

Nachdem im Jahre 2012 die letzten Restaurationen abgeschlossen wurden und das Schloss Bogesund wieder sein Aussehen erhalten hatte, das es gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte, wurden große Teile des Gebäudes auch für die Allgemeinheit geöffnet und  mehrere Säle können besichtigt werden.

Die Wälder und die parkähnliche Umgebung des Schlosses wird seit vielen Jahren von der schwedischen Landwirtschaftsuniversität für Forschungsprojekte benutzt. Gegenwärtig erwägt die Regierung das zum Schloss gehörige Waldgebiet in eine staatliche Aktiengesellschaft zu verwandeln und gewinnbringend anzuwenden.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/11

Göteborg, die Stadt, die aus dem Sumpf wuchs

Während die meisten schwedischen Städte bereits an Stellen gegründet wurden, die nicht nur von strategischer Sicht her eine Bedeutung hatten, sondern wo man bereits vorher eine Ansiedlung fand, so ist Göteborg hierbei eine Ausnahme, denn auch wenn man am Rande der Stadt sehr viele Zeichen einer früheren Besiedlung findet, so war dort, wo Gustav II. Adolf im Jahre 1621 die Stadt haben wollte, nur Lehm und Sumpf zu finden.

Gustav II. Adolf hatte allerdings den Vorteil der Lage sofort erkannt, denn mit Hilfe von Holländern und Deutschen konnte er hier eine befestigte Stadt schaffen, die nicht nur uneinnehmbar war, sondern auch über Hügel verfügte von wo aus der Feind schon in weiter Ferne entdeckt werden konnte und wo Kanäle die Seefahrt erleichterten und einen ausgedehnten Handel mit anderen Ländern ermöglichte.

In den folgenden Jahrhunderten dehnte sich die Stadt natürlich immer weiter aus und heute gehören auch zwei Vorläufer der Stadt, nämlich Älvsborg und das Götheborg von Karl IX. zu Göteborg. Nur die beiden Lödöse, die ebenfalls Vorläufer der heutigen Stadt waren, sind so weit vom heutigen Göteborg entfernt, dass sie kaum noch mit der Stadt in Verbindung gebracht werden.

Göteborg, die zweitgrößte Stadt Schwedens, war vom ersten Tag an als Hafenstadt geplant und sollte die Wege in andere Welten ermöglichen, was sich bisher auch 400 Jahre lang bestätigt hat und jede industrielle Bewegung und jede Art von Handel in die Stadt brachte und die Stadt prägte. Allerdings muss man bei Göteborg bedenken, dass die Stadt im Jahre 1850, also zu Beginn der großen Auswanderungsbewegung Schwedens, gerade einmal 20.000 Einwohner hatte und bis zum Ende der Auswanderungswelle zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits auf 130.000 Bewohner angewachsen war.

Auch wenn Göteborg gesamt gesehen eine relativ moderne Stadt ist, was nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen ist, dass sie mehrmals abbrannte, so blieb aus den Anfängen Göteborgs die Neue Festung Älvsborg erhalten, die Verteidigungstürme, ein Teil der unterirdischen Gänge und mit dem Kronhuset und der Residenset auch zwei Gebäude, die fast bis zur Gründungszeit der Stadt zurückgehen.

Dass sich das wirtschaftliche Zentrum der Stadt entlang der Kanäle bildete ist auch heute noch deutlich zu sehen, denn hier findet man das alte Zollgebäude, das Gebäude der Ostindiengesellschaft, das Rathaus, die Deutsche Kirche und die Marktplätze. Und selbst das moderne Göteborg zieht sich mit der Feskekôrka, der Oper, dem Stora Teatern oder dem Hauptbahnhof den Kanälen entlang, auch wenn einige der Kanäle mittlerweile gefüllt wurden.

Göteborg wird oft als die grüne Stadt Schwedens bezeichnet, da man hier sehr ausgedehnte Anlagen findet, die alle einige Besonderheiten aufweisen. Wer sich daher für Natur in der Stadt interessiert, wird mit der Trädgårdsföreningen, dem Botanischen Garten, dem Königspark, dem Schlosswald und anderen groß angelegten Flächen selbst einige Tage in der grünen Stadt verbringen können ohne sich zu langweilen.

Da auch die Kirchen Göteborgs relativ jung sind, findet man weder in der Domkyrkan, noch der Hagakyrkan oder der Masthuggskyrkan besondere historische Werte, auch wenn jede der Kirchen einen eigenen Charakter hat. Eine Ausnahme ist dabei die Tyska Kyrkan, also die Deutsche Kirche, deren Aussehen und deren Ausstattung die Bedeutung der Kirche für die deutschen Einwanderer im 17. Jahrhundert zeigt. Alle historischen Kapellen und Kirchen der Stadt sind verschlossen und können nicht besucht werden.

Göteborg ist auch eine Stadt der Museen und Ausstellungen, wobei man hier mehr die Qual der Wahl hat und unter den rund 50 Angeboten wählen muss was einen interessiert. Herausragend sind jedoch das Kunstmuseum, das Röhsska Designmuseum und das Stadtmuseum, die es erlauben der schwedischen Kultur näher zu kommen.

Wer Göteborg besucht, darf auch nicht vergessen, dass ein Teil der Stadt sich auch über die Schären verteilt, die alle eine eigene Geschichte erzählen können, da jede der bewohnten Inseln eine andere Gruppe an Menschen anzog, was sich selbst auf die Baustile auswirkt. Diese Inseln vor Göteborg waren bereits bewohnt als vom heutigen Zentrum Göteborgs noch nichts zu sehen war.

Zu Göteborg gehört natürlich auch Liseberg mit seinen Kaninchen und den zahlreichen Attraktionen für jedes Alter, denn ein Besuch in Göteborg ohne im größten Vergnügungspark Schwedens gewesen zu sein, lässt sich kaum entschuldigen, da man in Liseberg nicht nur Aktivitäten finden, sondern auch einen Lustgarten, der liebevoll angelegt wurde und zu einem Spaziergang einlädt. Hier findet auch der jährliche Weihnachtsmarkt, die Landwirtschaftsausstellung und unzählige Konzerte mit schwedischen Künstlern statt.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/10

Gävle, die Stadt des brennenden Weihnachtsbocks

Gävle im Gästriksland ist mit seinen knapp 72.000 Einwohner die dreizehnt größte Stadt des Landes und liegt durch die Gävlebucht direkt an der Ostsee, was in der Geschichte Gävles von großer Bedeutung war. Einen gewissen Ruf erwarb Gävle durch den Weihnachtsbock, der trotz aller Sicherheitsmaßnahmen nahezu jedes Jahr in Flammen aufgeht und durch die schwedische Kaffeemarke Gevalia, was nichts anderes als der lateinische Name des Ortes ist.

Wann Gävle erstmals besiedelt wurde, ist unbekannt, aber bereits 1413 wird der Ort in offiziellen Dokumenten als Stadt bezeichnet und die ältesten bekannten Stadtprivilegien stammen von 1446, wobei der Hafen für den Export von Eisen aus dem nördlichen Bergslagen benutzt wurde und die Fischer Gävles über lange Zeit hinweg auch das königliche Monopol auf den Fischfang entlang der gesamten nordschwedischen Küste hatten.

An der Drottninggatan in Gävle findet man einen besonderen Gävlebocken

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Gävle zu einer der bedeutendsten Industriestädte nördlich von Stockholm, da sich hier Papierindustrie, mechanische Industrie und Textilindustrie ansiedelten zu denen sich dann die Herstellung von Süßigkeiten, Werft und chemische Fabriken gesellten. Dieser Entwicklung ist zu verdanken, dass sich Gävle auch als Stadt behaupten konnte, wobei Gävle bis heute in einem beachtlichen Tempo weiterwächst. Im Jahre 1800 hatte die Stadt 5410 Einwohner, deren Anzahl sich innerhalb eines Jahrhunderts vervierfachte und nun jedes Jahr um rund 600 Personen anwächst.

Der heute größte touristische Anziehungspunkt Gävles ist das Eisenbahnmuseum mit einer weltweit einzigartigen Sammlung, die die 150-jährige Geschichte der Eisenbahn unter den verschiedensten Aspekten und an Originalen sowie an Modellen, Uniformen und vielem anderen zeigt.

Das Schloss in Gävle wurde nach dem Brand im Jahre 1727 nicht mehr in der früheren Bauweise errichtet, sondern gleicht mehr einem großen Wohnhaus. Das Gebäude wird vom Vertreter der Regionalregierung bewohnt und kann nicht besichtigt werden, im Gegensatz zum Schlosspark, der für die Allgemeinheit geöffnet ist.

In nächster Nähe des Schlosses findet man das Gefängnismuseum, das in zwei Teile geteilt ist. Auf der einen Seite der Straße findet man das düstere Schlossgefängnis und auf der anderen das Zellengefängnis. In diesem Museum wird die Geschichte des gesamten schwedischen Strafsystems dokumentiert, wobei man auch frühere Sträflinge in Form von Puppen entdecken kann.

Wer sich mehr für Kunst interessiert, findet in Gävle das Länsmuseet Gävleborg, das sich insbesondere auf die schwedische Kunst der 60er und der 70er Jahre spezialisiert hat. Carl Larsson, Bruno Liljefors und Sigrid Hjerén sind nur einige der Namen, die das Regionalmuseum zu einem Anziehungspunkt machen.

Ein Erlebnis besonderer Art kann der Besuch in der Whiskydestillerie Mackmyras sein, die direkt im Anschluss an Gävle zu finden ist und wo in der Gravitationsdestillerie schwedischer Whisky hergestellt wird. Der Besucher kann dort innerhalb von 90 Minuten das Gesamtverfahren der Whiskyherstellung verfolgen, allerdings das hochprozentige Getränk nicht erwerben, da der Verkauf den Systembolaget vorbehalten ist.

Die Heliga Trefaldighets Kyrka im Zentrum Gävles wurde erst Mitte des 17. Jahrhunderts gebaut und in der Folgezeit mehrmals restauriert. Außer einem Runenstein hat die Kirche relativ wenig zu bieten und dient überwiegend dem Gebet.

Nicht zu vernachlässigen ist auch das kleine Museum im Joe Hill Gården, wo der Dichter, Musiker und Kämpfer für das Recht der Arbeiter einst aufwuchs. Im Museum kann man den Lebensweg Joe Hills nachgehen, einer Person, die bis heute selbst in den USA noch in aller Munde ist.

Ein sehr interessanter Ausflug von Gävle führt nach Bönan, dem alten Fischerort aus dem 18. Jahrhundert, der nicht nur zu einem interessanten Spaziergang einlädt, sondern auch das Leuchtturmmuseum Böna Fyrmuseum bietet und die Böna Kapell, eine Holzkapelle mit einem sehr eigenwilligen, separaten Glockenturm aus dem Jahre 1843, die heute als die Hochzeitskapelle der gesamten Umgebung gilt.

Wenn man sich in Gävle befindet, so sollte man auch einen Tag für den Furuviksparken vorsehen, der sich etwa zehn Kilometer östlich von Gävle befindet und eine Mischung aus Erlebnispark, Tierpark und Vergnügungspark mit hervorragenden Bademöglichkeiten ist. Zu Mittsommer wird hier grundsätzlich eine åländische Mittsommerstange aufgestellt, was außerhalb Ålands extrem selten ist.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/09

Piteå, die Stadt der Musik und des Pitepalt

Piteå gehört mit zu den nördlichsten Städten Schwedens und liegt gerade einmal 100 Kilometer südlich des Polarkreises, eine Stadt die im nördlichsten Teil Schwedens meist nur Pite, Piitin oder von den Sami auch Biŧon genannt wird. Etwa die Hälfte des Tourismus in ganz Norrbotten vereint sich im Sommer in Piteå, allen voran norwegische Besucher.

Auch wenn die Geschichte Piteås bis ins Mittelalter zurückreicht, so beginnt die Geschichte der heutigen Stadt erst im Jahre 1620, als Olof Bure den Auftrag hatte im nördlichsten Teil des Landes eine Stadt zu bauen. Dieses erste Piteå baute Olof Bure gegen jede Regel der damaligen Stadtplanung als dreieckige Stadt mit der Kirche im Zentrum. Bereits ein Jahr später bekam Piteå dann von Gustav II. Adolf die Stadtrechte verliehen. Diese erste Stadt existierte allerdings nur bis 1666, da sie bei einem Grossbrand dem Erdboden gleichgemacht wurde.

Da die schwedische Politik jedoch darauf strebte das Land der Sami in das schwedische Reich zu integrieren, entstand bereits innerhalb von nur zwei Jahren ein neues Piteå, das in nächster Nähe errichtet wurde, jedoch im klassischen Baustiel Schwedens jener Zeit und am Wasser, also mit einem Zugang zur Ostsee. Im älteren Teil Piteås blieb das Strassennetz aus dieser Zeit erhalten und bei einem Spaziergang kann man immer noch einige Häuser aus der Gründungszeit Piteås entdecken.

Wie alle schwedischen Städte, so entwickelte sich auch Piteå durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert zu einer bedeutenden Stadt, was auch die Ankunft der Eisenbahnlinie förderte. Vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts kamen Sägewerke und Papierindustrie nach Piteå, da die Bäume als das Gold des Nordens empfunden wurden und hohe Einkünfte versprachen.

Das älteste Gebäude Piteås ist die Stadtkirche, die zwischen 1684 und 1686 errichtet wurde und damit die älteste Holzkirche Nordschwedens ist. Die Kirche wurde weitgehend im Orginalzustand belassen und überlebte selbst den Brand von 1721, als die Russen die Stadt anzündeten. Die Kirche war jedoch als größtes Gebäude der Stadt, als Hauptquartier der Armee vorgesehen und entkam so den Flammen. Der Glockenturm kam, wie bei fast allen schwedischen Kirchen, später hinzu, in diesem Fall im Jahre 1727.

Da Piteå seinen mittelalterlichen Charakter auch in Zukunft behalten will, findet man im Zentrum kaum Neubauten und keinerlei großen Geschäfte, was den besonderen Charme der Stadt ausmacht, denn jeder Einkauf innerhalb des Stadtkerns wird dadurch eine persönliche Angelegenheit.

Der größte Anziehungspunkt Piteås ist das etwa zehn Kilometer südöstlich liegende Pite havsbad (Meeresbad) mit seinen kilometerlangen Sandstränden, einem der größten Campingplätze Schwedens und einem der größten Konferenz- und Hotelkomplexe Nordeuropas, dem ein Erlebniszentrum angegliedert ist. Hier wird jede Art von Sommer- und Winteraktivität geboten, wobei der Campingplatz allerdings nur während der Sommermonate geöffnet ist.

Bereits seit Mitte des letzten Jahrhunderts entwickelt sich Piteå zu einem musikalischen Zentrum Schwedens, was sich auch durch die Musikhochschule, die musikalisch ausgerichtete Volkshochschule und zahlreiche private Einrichtungen ausdrückt. Nicht zu verwundern daher, dass im Juli und August dort zwei bedeutende schwedische Musikfestivals stattfinden.

Ende Juli kommt das Festival Piteå dansar och ler (PDOL), das 1961 erstmals organisiert wurde und heute 135.000 Besucher anzieht, ein Vielfaches der Bevölkerung der Stadt. Anschließend folgen die Piteåre Festspiele, die in den 80er Jahren mit einem mehr schwedischen Programm begannen, nun aber Künstler aus der ganzen Welt einladen.

Am Rande Piteås findet man die Gråträsk Kapelle, einen Zeugen aus dem Jahre 1645. Auch wenn es sich bei dem Gebäude um eine Rekonstruktion handelt, die erst 1934 erbaut wurde, so zeigt sie ein Bauweise, die bei der schwedischen Erschließung Lapplands sehr häufig für kleinere Kirchen angewandt wurde.

Neben der Öjeby Kyrka, der ältesten Steinkirche in Norrbotten, findet man das Öjeby Kirchdorf aus dem 17. Jahrhundert, das noch heute so aussieht wie vor über 300 Jahren, als diese Gebäude für die Kirchgänger aus der weiteren Umgebung gebaut wurden, damit sie dort übernachten konnten. Hier findet auch am Wochenende nach Mittsommer der jährliche Markt statt, der jedes Jahr rund 20.000 Besucher anzieht.

Wer sich mehr für die Kultur Piteås interessiert, findet in der Stadt auch vier Museen sehr unterschiedlicher Art, angefangen vom Piteå Museum, das die Geschichte der Stadt erzählt, dem Piteå Båtmuseum, das der Geschichte der schwedischen Seefahrt gewidmet ist, das Kjell Perssons Bruksmuseum, dem größten europäischen Museum für Holzwerkzeuge und Geräten zu Fischfang und Jagd, sowie das Jävre Kvarn och Bygdemuseum mit der Geschichte und den Geräten der nordischen Mühlen.

Bevor man dann Piteå verlässt, sollte man jedoch auch das Nationalgericht der Stadt versuchen, den Pitepalt, eine Art Knödel, der mit Preiselbeeren, Butter und einem Glas Milch gegessen wird. Wer das Glück hat den 13. Juli in Piteå zu verbringen, bekommt die Pitepalt sogar kostenlos geboten, da dieser Tag als der Paltdagen eine Art Festtag ist.


Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/08

Birka, eine Reise in die schwedische Vergangenheit

Kaum ein historischer Ort Schwedens ist so bekannt wie der ehemalige Handelsort Birka auf der Insel Björkö, nicht zuletzt deswegen, weil man hier ein touristische Zentrum der Wikinger geschaffen hat und die tatsächliche Bedeutung der Geschichte Birkas aus dem gesamtgeschichtlichen Aspekt Schwedens herausnimmt.

Aber unabhängig davon wie viel bewiesene Geschichte der Wikinger und des Handelsortes Birka bei einem Besuch auf Björkö erfährt, so ist ein Ausflug in das imaginäre Reiche der nordischen Helden ein Erlebnis, das man kaum vergisst, vor allem, wenn die Reise bereits in Stockholm beginnt, oder in Västerås, Strängnäs, Enköping oder auch Södertälje, denn ohne eine Boot ist das Ziel Birka unerreichbar und auch die offiziellen Fähren verkehren nur zwischen Mai und September.

Für eine Reise nach Birka sollte man einen Tag einplanen, denn auch wenn die Insel Björkö nicht sehr groß ist und man vom tatsächlichen Birka des 9. Jahrhunderts sehr wenig zu sehen bekommt, so gibt es mehrere Stellen, die man sehen sollte um ein Gefühl für das Handelszentrum der Wikinger zu gewinnen.

Am besten beginnt man die Erkundung Birkas mit dem Besuch des Birka-Museums, denn hier findet man, außer Gegenständen aus der Wikingerzeit, auch Rekonstruktionen und Modelle, die zeigen wie Birka einst aussah, als hier zwischen 500 und 1000 Personen lebten. Gerüstet mit diesen Information ist es anschließend weitaus einfacher die Insel auf eigene Faust oder mit einem Führer zu erkunden.

Vermutlich führt der zweite Weg dann zum rekonstruierten Wikingerdorf, das weniger zeigen soll wie Birka einst aussah, sondern vielmehr erklärt wie man zur Epoche der Wikinger vermutlich lebte, wie man die Häuser baute und in welcher Atmosphäre man sich befand. Die Häuser selbst sind sehr gute Rekonstruktionen, wenn bedenkt, dass man diese Gebäude auf Grund von Teilfunden wieder aufbauen musste, denn in ganz Schweden gibt es kein vollständiges Original-Wikinger-Gebäude. Aber selbst wenn manches Detail vielleicht nicht ganz stimmt, die Größe der Gebäude ist exakt, die Grundstruktur ebenfalls.

Der nächste Weg führt dann vermutlich zum Ansgarkreuz, das mitten in einer Vorburg liegt, die auch während der Wikingerzeit noch eine gewisse Bedeutung hatte. Diese frühe Befestigung ist noch in verhältnismäßig gutem Zustand, denn auch wenn man sich den Bau als solches nur noch vorstellen kann, so findet man Reste von Mauern und einen Teil des ursprünglichen Walls.

Das Ansgarkreuz wurde im Jahre 1834 aufgestellt und soll an den Bischof Ansgar erinnern, der nach Adam von Bremen im Jahre 834 nach Birka kam um die Wikinger dem christlichen Glauben zuzuführen, ein Versuch, der allerdings vollkommen misslang. Auch wenn das Kreuz sehr eindrucksvoll auf der Anhöhe wirkt, so hat es nur einen symbolischen Wert.

Sehr interessant sind schließlich noch die Ausgrabungen des alten Wikingerhafens, der nach jüngsten Erkenntnissen weitaus umfangreicher war als man bisher angenommen hatte und bei dessen Bau Techniken verwendet wurden, die man hier erstmals aus dieser Epoche nachweisen kann. Die Arbeit der Meeresärchäologen wird vermutlich nicht vor 2013 abgeschlossen sein und zu einer neuen Attraktion auf Björkö führen.

Wer Birka in voller Aktion erleben will, muss seine Reise zwischen Anfang Juni und Mitte August planen, denn nur zu dieser Zeit finden im Wikingerdorf zahlreiche Theatervorstellungen, Wikingerkämpfe und Erfahrungen für Freizeitarchäologen statt. Ende Juni oder Anfang Juli findet dann auch das Festival der traditionellen Weisen auf Björkö statt, Mitte Juli wird der Wikingermarkt organisiert, Ende August kann man Vorträgen zur Archäologie auf Birka lauschen und zwei Wochenende Anfang September findet auf der Insel der Herbstmarkt statt.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/07

Västerås, eine zukünftige Großstadt Schwedens

Västerås, die Stadt am Mälaren mit seinen Schären ist heute die fünftgrößte Stadt Schwedens. Auch wenn der Ort an dem sich heute die Stadt Västerås befindet bereits zur Jungsteinzeit besiedelt war, so geht die Geschichte der Stadt „nur“ bis zum Jahr 990 zurück, was bedeutet, dass Västerås mit zu den ältesten Städten Schwedens gehört.

Obwohl sich Västerås im Laufe der letzten Jahrhunderte zu einer modernen Industriestadt entwickelt hat, so hat das Stadtzentrum seinen Stadtplan vom Mittelalter erhalten und nördlich der Domkirche findet man nach heute Gebäude, die bereits mehrere hundert Jahre hinter sich haben, die klassische Baukunst Schwedens behalten haben und sich sehr deutlich von den moderneren Stadtteilen abgrenzen.

Die Elba legt im Hafen von Västerås an

Wer sich mehr für das historische Västerås interessiert, sollte natürlich das Museumsdorf Vallby besuchen, das sich nur zwei Kilometer nördlich von Västerås befindet, denn hier findet man zahlreiche historische Gebäude aus Västerås und anderen Teilen des Västmanland in mittelalterlicher Form. Das älteste Gebäude des Museumsdorfes stammt aus dem 17. Jahrhundert, wobei verschiedene Vorführungen und Kurse, die dort während des Sommers stattfinden, auch das Leben jener Epoche schildern.

Nicht zu vergessen ist natürlich die Domkirche in Västerås, die am 16. August 1271 eingeweiht wurde und an der man deutlich die Entwicklung vom 13. Jahrhundert bis zum 18. Jahrhundert entdecken kann. Der Ziegelbau war beim Bau von Kirche mit den Bettelmönchen erst kürzlich nach Schweden gekommen, weshalb man in Västerås noch die älteste Ziegelkunst Schwedens finden kann.

Auch Teile des Schlosses in Västerås, das teilweise besichtigt werden kann, kommen noch aus dem 13. Jahrhundert, ein Schloss, das unter Gustav Vasa eine wichtige Rolle für die Geschichte Schwedens spielte und sein heutiges Aussehen im 16. Jahrhundert bekam, nach einem Brand im Jahre 1737 jedoch teilweise neu aufgebaut werden musste. Die letzte Restauration fand dann 1965 und 1966 statt, was auch dazu führte, dass Teile des Schlosses von der Regionalregierung benutzt werden.

Das moderne Västerås wurde vor allem vom Stadtarchitekten Erik Hahr zwischen 1909 und 1935 geschaffen, als die schwedische Industrialisierung auch nach Västerås gefunden hatte. Ergänzt wurde dieser Teil dann mit dem fünfthöchsten „Wolkenkratzer“ Schwedens, dem Skrapan mit seinen 25 Etagen und dem Rathaus mit seinem 65 Meter hohen Turm mit Glockenspiel, das nur wenige Meter von der Svartån entfernt liegt.

Für Kunstliebhaber bietet Västerås, die Stadt in der das erste Hennes & Mauritz gegründet wurde, das Kunstmuseum mit rund 8000 Werken, wobei sich das Museum auf schwedische Künstler spezialisiert hat und daher einen guten Einblick in die schwedische Kunstgeschichte bietet und auch zahlreiche moderner Künstler des Landes ausstellt.

Wer sich mehr für Kunst und Kultur in Västerås interessiert, findet natürlich auch mehrerere Theater, etwa 300 öffentliche Kunstwerke, kann der Västerås Sinfonietta lauschen, einem der ältesten Symphonieorchester Schwedens, das Västmanlands läns Museum besuchen, das Flugmuseum, das Freizeitbootmuseum oder auch das Schulmuseum.

Wer mehr Ruhe in Västerås sucht, sollte bei einem Bummel in der Stadt der Brücken einen Blick auf die Parkanlagen von Västerås werfen und vor allem nicht den ältesten Botanischen Garten Schwedens vergessen, der bereits im 17. Jahrhundert gegründet wurde und die Pflanzen in eine künstlerische Atmosphäre einbettet.

Vor allem im Sommer ist der tägliche Markt am Stora Torget eine wahre Attraktion, an der Sich Bewohner der Stadt und Besucher kreuzen. Als Besucher sollte man nicht vergessen hier auch Ausschau nach den Gurken aus Västerås zu halten, die bekanntesten Gurken Schwedens, die einst über den deutschen Gärtner Bernhard Johan Bohnsack nach Västerås kamen und von hier aus nach ganz Europa exportiert wurden.

Copyright: Herbert Kårlin

2012/09/06

Sala und die Silbergruben Schwedens

Auch wenn Sala bereits unter den Wikingern eine wichtige Rolle spielte, was zahlreiche Funde beweisen, so beginnt die Geschichte des heutigen Sala erst mit der Entwicklung des Bergbaus nach der Reformation, genauer genommen mit der Silberfunden in Sala, die der Stadt einen besonderen Status in Schweden verliehen.

Die Silbergrube führte, verbunden mit dem Bevölkerungswachstum, auch dazu, dass  Sala im Jahre 1624 von Gustav II. Adolf die Stadtrechte verliehen bekam und der Ort an seine heutige Stelle verlegt wurde. Aber nicht nur Gustav II. Adolf wurde durch das Silber zur Stadt gezogen, denn bis zum 18. Jahrhundert besuchten zahlreiche Könige und Königen Schwedens die Silbergruben, was sich heute noch an den Namen der verschiedenen Gruben deutlich macht.

Die Wohnung des Direktors der Silbergrube in Sala

Bei ihren Besuchen wohnten die königlichen Gäste jeweils im Väsby Kungsgård, der, trotz mehrerer Umbauten, noch heute den mittelalterlichen Charakter trägt und sich im Sommer in ein Freiluftmuseum verwandelt in dem man rund 7000 Gegenstände entdecken kann, umgeben von einer Atmosphäre und Kleidung, die an das 16. und 17. Jahrhundert erinnern.

Nachdem Sala sowohl 1736 als auch 1880 nahezu vollständig abbrannte, sind die meisten Häuser der Stadt als relativ jung zu bezeichnen, vom Väsby Kungsgård, der Kirche, die ihen Namen nach Königin Kristina erhielt, und den Bauwerken der Silbergrube abgesehen. Das Straßensystem, der zentrale Markplatz und die Dämme, die der Stadt noch heute ihren Charakter geben, entsprechen jedoch nach wie vor dem ursprünglichen Stadtbild während der Blütezeit der Grubenindustrie.

Die Silbergrube, die bereits 1906 geschlossen wurde, war im 17. und 18. Jahrhundert eine der wichtigsten Einkommensquellen Schwedens, was auch dazu führte, dass sich die Stadt mit über 5000 Bewohnern Ende des 19. Jahrhunderts in eine Großstadt verwandelt hatte. Heute ist die Silbergrube erneut der wichtigste Anziehungspunkt Salas, auch wenn der Ort durch die Landflucht nun immer mehr Bewohner verliert.

Wer heute Sala besucht, will natürlich die alten Silbergruben entdecken und wird nicht enttäuscht, denn die Gänge können aus aller Nähe erkundet werden, wobei allein eine Fahrt zur Ulrika Eleonora Grube ein Erlebnis ist, da die Reise 155 Meter in die Tiefe führt.

Aber Sala ist heute natürlich nicht nur Silber, sondern hat sich auf Grund der Dämme und Kanäle, die das Wasser zu den Gruben brachten, in eine grüne Stadt verwandelt, deren Umgebung mit seinen Feuchtgebieten, landwirtschaftlichen Flächen und Seen, insbesondere im Svartådalen, zu grünen Aktivitäten locken. Hier kann man das Schweden des 19. Jahrhunderts zu Fuß, mit dem Pferd, dem Fahrrad und auch dem Kanu entdecken. Die Seen in nächster Nähe laden nicht nur Badegäste ein, sondern auch Angler, die dort eine reiche Beute erwarten können.

Aber das heutige Sala ist nicht nur Natur, Väsby Kungsgård und Silbergrube, denn wer sich im Fremdenverkehrsamt des Ortes die Kulturführer des Ortes beschafft, kann bei eine Wanderung durch die Stadt rund 400 Jahre Geschichte entdecken, die dem Besucher ein völlig neues Schweden-Bild präsentieren und auch an die Liebesgeschichte zwischen Gustav II. Adolf und der Hofdame Ebba Brahe erinnern.

Wer Sala mehr auf eigene Faust entdecken will, sollte, außer der Silbergrube und dem Väsby Kungsgård, nicht das Anguéli Museum, das Polizeimuseum, das Grubenmuseum und das Traktormuseum vergessen. Im Anguéli Museum findet man die größte Sammlung Schwedens an Werken des Künstlers, der in Sala geboren wurde. Ivan Aguéli, der sich nach seiner Konvertierung zum Islam Abd Al-Hadi Aqhili nannte, gehört heute mit zu den bedeutendsten Malern Schwedens, der seiner Zeit weit voraus war.

Ein Gebäude, das man ebenfalls nicht links liegen lassen sollte, ist auch die Kirche Salas, die in großen Zügen bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht, ausgenommen des abseits stehenden Kirchturms, der erst viel später hinzugefügt wurde. Im Inneren der Kirche findet man im Jahre 1931 restaurierte Kalkmalereien des größten Künstlers Schwedens des Mittelalters. Albertus Pictor signierte dieses Werk noch mit seinem deutschen Namen Albertus Ymmenhausen, was darauf schließen lässt, dass es sich dabei um das erste Werk des Künstlers auf schwedischem Boden handelt.

Copyright: Herbert Kårlin